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Beziehungstipp: Veränderung tut immer gut

Damit Beziehungen funktionieren, sollte man den Partner nicht so nehmen, wie er ist, sondern verändern – sagt Singleberater Christian Thiel. Sein Motto: Ist man unglücklich, muss man den Partner ändern. BabyExpress sprach mit dem Beziehungsexperten.

BabyExpress: Warum hält sich so hartnäckig die Vorstellung, eine Veränderung des Partners sei in Beziehungen nicht sinnvoll, sogar verwerflich?

Christian Thiel: Die meisten Menschen haben schon reichlich Erfahrungen damit gesammelt, den Partner zu verändern. Sie haben ihn kritisiert – und nichts hat sich getan. Sie haben lange, nervige Beziehungsgespräche mit ihm geführt oder ihm gar eine Szene gemacht – und wieder hat sich nichts getan. Also denken sie: Es hat keinen Sinn. Es geht nicht.

Aber mit positiven Strategien haben es die allermeisten eben noch nicht versucht. Wir brauchen sehr klare Ansagen. Wir müssen dem anderen also sehr deutlich sagen, was wir uns wünschen. Wir müssen zweitens unbedingt auf Schuldzuweisungen verzichten. Sie sind nicht unglücklich, weil der andere falsch ist. Wer das so rüberbringt, der hat in der Tat verloren. Ich sage immer: Bitten Sie ihn um eine Veränderung –und als Begründung reicht ein „Mir zuliebe“. So ist es doch in Wahrheit. Der andere soll etwas ändern. Ihnen zuliebe.

Sie sagen: „Ist man unglücklich, muss man den Partner ändern.“ Sollte es heute nicht eher heißen: „Ist man unglücklich, muss man die Beziehung wechseln“?

Wer will schon ernsthaft die Beziehung wechseln? Ich bekomme diese Menschen nicht zu Gesicht. Vielleicht gibt es sie sogar nur in den Medien, da ist ja oft von einer Ex-und-Hopp-Mentalität die Rede. Was ich zu sehen bekomme, das sind Menschen, die sehr gerne zusammenbleiben würden – sie wissen aber nicht wie sie das hinbekommen sollen. Dem anderen deutlich sagen, was man sich anders wünscht, das ist ein Baustein für eine glückliche Liebe.

Eine gute Partnerschaft bedingt Beziehungsarbeit – gibt es diesbezüglich Grenzen?

Ich kann das Wort Beziehungsarbeit nicht leiden. Das ist so ein schrecklicher alter Zopf aus den 1970er Jahren. Jeder Spaß und jede Freude an der Beziehung geht doch verloren, wenn man sie als Beziehungsarbeit auffasst. Das ist wirklich ein scheußliches Wort. Und nicht nur ein Wort. Nächtelange Problemgespräche retten nun mal keine Partnerschaft. Was ich Paaren als erstes beibringe, damit es wieder besser wird, das ist die wichtigste Regel für das Leben in einer Partnerschaft. Die lautet: Kein Kritik. Eine Kritik ist immer ein Angriff auf den anderen – deshalb funktioniert sie nicht. Der andere verteidigt sich dann nämlich – und schon haben sie eine hübsche Kontroverse. Aber sie bekommen so keine Lösung.

Was sagt Ihre Erfahrung: Ab wie vielen Jahren des Zusammenlebens tötet das Akzeptieren des Partners die Liebe?

Wir wissen dass Paare auseinandergehen, wenn sie sich in den ersten zwei, drei Jahren der Beziehung nicht auseinandersetzen. Wenn sei dem anderen nicht sagen, was sie sich wünschen – dann geht eine Partnerschaft einen schwierigen Weg.

Nach dem Sex heikle Themen besprechen (also zu einem „günstigen“ Zeitpunkt) oder Lob aussprechen aus reinem Eigeninteresse – das klingt doch ziemlich berechnend und egoistisch. Wie viel Egoismus verträgt eine gute Beziehung?

Was heißt denn hier egoistisch? Sie haben doch gar nichts davon, wenn Sie Ihren Mann zum falschen Zeitpunkt mit einer Bitte nerven! Außer Stress natürlich. Mir scheint das nicht egoistisch, sondern einfach nur vernünftig. Heikle Themen lassen sich besser besprechen, wenn die Stimmung gut ist – das ist, wenn Sie es genau nehmen, eine Wahrheit, die jeder schon mal in seiner Beziehung bemerkt hat. Ist der andere gut drauf, dann bekommen sie schwierige Themen vom Tisch. Ist er genervt, dann läuft es schlecht.

Haben Sie Ihre Frau auch schon geändert? Bzw. wurden Sie durch Ihre Frau bereits ein anderer Mensch?

Na klar. Sie glauben doch nicht etwa, dass Paarberater sich nicht streiten! Das läuft bei uns nicht anders als bei anderen Paaren. Mit den Jahren merkt man, dass es einfacher ist, wenn man deutlich sagt was man will – und den anderen nicht kritisiert. Und dann ändern sich Menschen eben auch. Und auch viel leichter. Manches geht schnell, anderes dauert. Ändern lässt sich eh nur das Verhalten des anderen. Der Kern der Persönlichkeit, der bleibt sich über Jahre und Jahrzehnte mehr oder weniger gleich. Wir ändern unseren Charakter nicht  grundlegend. Wozu auch?

Welchen Tipp geben Sie Paaren, wenn die Schmetterlinge im Bauch davongeflogen sind und der Alltag das Beziehungsleben dominiert?

Verhalten Sie sich doch einfach weiter zu zugewandt wie in der Zeit der Verliebtheit. Dann läuft es gut. Ganz schwierig wird es, wenn Paare nur noch lieblos miteinander umgehen. Wie soll denn da die Liebe bleiben! Das ist nicht realistisch.

Ihr „Kurz-Rezept“ für eine glückliche Partnerschaft?

Jeden Tag für den anderen da sein. Ihm zuhören, wenn er von seinem Tag erzählt. Wirklich zuhören! Und niemals kritisieren. Er will Verständnis. Und dann wäre es auch ganz gut, wenn Sie sich zur Begrüßung und Verabschiedung umarmen. Richtig umarmen – das heißt sieben Sekunden lang. Und richtig Küssen – sechs Sekunden lang. Have you had your six-second-kiss today? So heißt ein toller Spruch des amerikanischen Paarforschers John Gottman.

Tut mir leid. Das war jetzt schon wieder nicht kurz, es sind die vier wichtigsten Dinge, die ihre Liebe frisch halten. Und wenn Sie das alles tun, dann klappt das mit dem Ändern des Partners viel leichter. Wir fühlen uns dann geliebt – und sind deshalb zu Veränderungen bereit.

 
Wichtige Regeln

1.     Den Partner so zu lassen wie er ist, hilft nicht.

2.     Meiden Sie Beziehungsgespräche. Es provoziert entweder den Widerstand oder den Rückzug des Partners.

3.     Keine Kritik. Sie ist wenig geeignet, Änderungen herbeizuführen.

4.     Stoppen Sie die Wut. Wut bedroht eine Partnerschaft an der Wurzel.

5.     Greifen Sie einen wütenden Partner niemals an, sondern stoppen Sie die Eskalation der Wut.

6.     Berichten Sie Ihrem Partner von Ihrer Wut. Aber attackieren Sie ihn nicht, wenn Sie selbst noch wütend sind.

7.     Hadern Sie nicht mit dem Partner. Fragen Sie sich lieber, welche Annahmen über die Liebe Sie aus Ihrem Elternhaus in Ihre Partnerschaft mitbringen.

8.     Formulieren Sie Wünsche. Das macht den anderen geneigter, das zu tun, was Sie gern wollen.

9.     Erstellen Sie eine Agenda. Eine klare und durchdachte Agenda mit drei Punkten führt zu einer glücklicheren und stabileren Partnerschaft.

10.  Nach dem Sex ist vor der Lösung. Sprechen Sie schwierige Themen in Ihrer Beziehung an, wenn die Stimmung gerade gut ist.

11.  Starten Sie Ihr Veränderungsprogramm mit kleinen Dingen

12.  Stärken Sie einander den Rücken. Denn dafür sind Sie ein Paar.

13.  Denken Sie jeden Tag einmal bewusst positiv über Ihren Partner.

14.  Seien Sie großzügig mit Anerkennung und Lob. Und zwar aus reinem Eigeninteresse.

15.  Positivität ist die Zukunft der Liebe.

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