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Überleben in der Patchworkfamilie – so klappt es

Gerade in Großstädten entstehen immer mehr Patchworkfamilien. Konflikte sind vorprogrammiert. Umso wichtiger ist es, dass Stiefeltern die „neuen“ Kinder verstehen. Doch diese erzählen meist nicht, wann sie sich verunsichert fühlen. Was tun? Baby Express sprach darüber mit Psychotherapeut und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger. 

Wo sehen Sie das größte Konfliktpotential in sogenannten Patchworkfamilien?

Meist sind es Mütter, die eine neue Liebesbeziehung eingehen. Die Kinder, die seelisch noch am Vater hängen, sind dazu nicht gefragt worden. Deshalb rebellieren sie.

Was sind die häufigsten Ursachen für die Ablehnung neuer Elternteile?

Kinder haben immer Angst, dass sie sowohl den Einfluss als auch die Zuwendung verlieren. Deshalb sagte mir Katharina viele Jahre lang: „Nimm es nicht persönlich, aber Du störst“. Und später erklärte sie mir: „Ich wollte, ich könnte meine Mutter alleine haben und müsste sie nicht teilen.“ 

Warum verschließen sich Kinder in Patchworkfamilien und lassen kaum Einblicke in ihr Seelenleben zu?

Weil sie kein Vertrauen haben und befürchten, dass die neue Situation eine Verschlechterung für sie ist. Deshalb kämpfen sie und müssen ihre Gefühle verstecken. Denn bei Machtkämpfen darf man nie seine Ängste und Strategien verraten. 

Können Stiefeltern jemals zu „Ersatz-Eltern“ werden oder werden sie im besten Fall zu guten Freunden?

Meist werden sie nicht 'richtige' Eltern, wenn die Kinder einen guten Kontakt zum Vater bzw. der Mutter pflegen. Aber sie können Ersatz-Eltern werden, zu denen eine gute, innige Beziehung besteht. Das ist dann im Kern eine Freundschaft, geht aber weit darüber hinaus, weil es auch im Alltag die Fürsorge eines Älteren gegenüber einem Jüngeren enthält. 

Welche Möglichkeiten gibt es, um das Verhältnis zwischen Stiefeltern und Kindern zu verbessern?

Geduld, denn es dauert oft Jahre, bis sich die Beziehung zwischen Stiefeltern und Kindern entspannt. Und die Stiefeltern brauchen eine gute Belastungsfähigkeit, weil sie die Ablehnung der Kinder verstehen sollten, um genügend Interesse für die Kinder aufzubringen und sich im Alltag um sie zu kümmern. Das führt nach Jahren fast immer dazu, dass die Kinder spüren: Der Ziehvater bzw. die Ziehmutter sind eine Bereicherung. 

Birgt das Jugend- bzw. junge Erwachsenenalter die Chance, als Stiefelternteil eher akzeptiert zu werden?

Die Patchworkfamilie gelingt leichter, wenn die Kinder noch sehr klein sind. In der Pubertät ist es immer schwierig, wenn die Kinder schon erwachsen sind, kann es einfacher sein, aber die Beziehung wird dann meist nicht sehr innig.

Gibt es Zahlen, die zeigen, wie viele Familien am Patchworkmodell scheitern?

20 Prozent der Beziehungen scheitern bereits in den ersten Monaten in der Gründungsphase. Doch wenn dann eine Patchworkfamilie entsteht, erleben über 70 Prozent der Patchworkkinder die Stiefeltern langfristig als Bereicherung. Aber 50 Prozent der Patchworkfamilien hatten wöchentlich schwere Konflikte und es dauerte durchschnittlich über drei Jahre, bis sich eine Normalisierung ergab. Insgesamt scheitern also 50 Prozent an der Patchworksituation oder werden dadurch sehr belastet. Männer erahnen diese Probleme, Frauen mit Kindern bekommen daher 50 Prozent weniger Zuschriften.

Wie gelingt das konfliktfreie, zufriedene Zusammenleben in einer Patchworkfamilie?

Das hängt vor allem von der Ausstrahlung der neuen Partnerschaft ab. Sie ist das Modell für ein gutes Miteinander. Und die Mütter sollten sich weiterhin intensiv um die Kinder kümmern, damit sie nicht zu eifersüchtig werden. und die Ziehväter sollten gute Freundschaften pflegen, damit sie die Konflikte mit den Kindern souverän überstehen können und als Herausforderungen begreifen. Deshalb meinte Katharina: „Ein Ziehvater braucht Geduld, sehr viel Geduld und viel Verständnis und Interesse. Dann kann es klappen.“

Foto: Shutterstock/Kubko 

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