Nonne Kopie

Gott ist meine Familie

5 Uhr früh. Vor wenigen Stunden haben die letzten Gäste die Bar in der Apostelgasse im dritten Wiener Bezirk verlassen. Es ist stockdunkel, die Stadt schläft. Für die Frauen in dem Kloster vis a vis  der Bar beginnt der Tag. Um 7 Uhr ist Frühstück, vorher gibt es Nahrung für den Glauben: „Dem König, dem alles lebt: Kommt, wir beten ihn an,“ singen etwa 25 Franziskanerinnen. Das gedämpfte Licht in der Kapelle beleuchtet ihre schwarzen Schleier und Kutten. Eine Bontempi-Heimorgel setzt ein. Die Achtelnoten dauern etwas so lange wie normalerweise eine Viertelnote – Zeit scheint hier eine andere Bedeutung zu haben. „Geöffnet ist mein Herz nun weit, führ uns voll Liebe in dein Reich. Im Sterben werden wir dir gleich, gehen durch den Tod zur Herrlichkeit.“ Nach dem „Laudes“ und der anschließenden Eucharistiefeier helfen einige Ordensfrauen ihren gebrechlichen Kolleginnen aus der Kapelle. 33 Klosterfrauen leben in der Apostelgasse, aber nicht alle sind fit genug, um in der Kapelle den Herrn zu loben. „Die Überalterung und der Mangel an neuen Schwestern ist sicher ein Problem für uns,“ sagt die Generaloberin, Schwester Petronilla, als sie quirlig die Stufen vom Kapellentrakt in den Speisesaal hinuntergeht. Seit nunmehr 19 Jahren leitet die 64jährige das Kloster in der Apostelgasse. Ihre erste Begegnung mit der Welt der Ordensfrauen hatte sie als achtjähriges Mädchen. „Du bist aber ein nettes Kind,“ hat damals eine alte Nonne zu ihr gesagt. „Möchtest du nicht auch einmal Klosterschwester werden?“ Woraufhin die spätere Generaloberin antwortete: „Ich bin ja nicht deppert und lass mich einsperren!“

Berufung im Zug

Geboren ist Schwester Petronilla 1941, ihren Taufnamen Elisabeth hat sie 1965 bei ihrem Eintritt in den Orden der Franziskanerinnen abgelegt, um statt dessen den Namen der Patronin ihrer niederösterreichischen Heimatgemeinde Petronell anzunehmen. Während ihrer Jugend und auch während der Ausbildung zur Lehrerin hat sie noch nichts von ihrer „eigentlichen Berufung“ geahnt. „Irgendwie hab ich immer geglaubt, dass ich einmal einen Bauern heiraten und eine Schar Kinder haben werde.“ Diese Zukunftsvorstellung verschwand, als Elisabeth mit 21 Jahren während einer Zugfahrt von Petronell nach Wien ein einschneidendes Erlebnis hatte, nach dem sie sicher war, dass es ihr „Weg ist, ein Leben für den Herrn zu führen – und zwar ausschließlich.“ Schwester Petronilla lächelt. „Das ist schwer in Worte zu fassen. Ich habe einfach plötzlich von einem Moment auf den anderen ganz sicher gewusst, dass mein Weg nicht Ehe und Familie ist, sondern Ehelosigkeit um des Herren Willen. Das war alles ganz klar und ich hatte ein unendliches Glücksgefühl – wie wenn zwei verliebt sind, nur noch ein Stück intensiver.“ Dieses Glücksgefühl wurde allerdings bald von ernsten Zweifeln getrübt: „Die Konsequenzen dieses Schrittes sind ja nicht harmlos.“

 



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