3482_0

Party-Time am stillen Örtchen

Der Nachwuchs mancher Naturvölker soll es bereits mit einem Jahr können. In unserem Kulturkreis lernen die meisten Kinder im Alter zwischen eineinhalb und drei Jahren, die baldige Ankunft ihrer Exkremente anzukünden und „Lulli“ samt „Gacki“ in die dafür vorgesehenen Vorrichtungen abzusondern, anstatt sie einfach in die Windel plumpsen zu lassen. Weil diese Fähigkeit einerseits ein Zeichen für die gelungene Entwicklung der Kleinen ist, und weil die meisten Kindergärten nur Kinder aufnehmen, die „sauber“ sind, legen viele Eltern einen beachtlichen Ehrgeiz an den Tag, um ihrem  Nachwuchs die saubere Erledigung der kleinen und großen Geschäfte möglichst rasch beizubringen. Und das kann ins Auge gehen.

Brutaler Machtkampf mit schmerzhaften Folgen

„Jedes Kind hat das Bedürfnis nach Intimität und Autonomie,“ erklärt Univ. Prof. Dr. Marguerite Dunitz-Scheer von der Universitäts- Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz. „Einmischungen in diesen Bereich werden zwar zum Teil toleriert, zum Teil aber mit Stuhlverhalten oder völliger Verweigerung bestraft.“ Und wenn es einmal soweit kommt, sind die dadurch beim Projekt „Sauberwerden“ entstandenen Verzögerungen ein zu vernachlässigendes Problem. Eine weit schlimmere mögliche Folge kann zu dramatischen Szenen führen. „Es kommen immer wieder Eltern mit ihren Kleinkindern als Notfall zu uns auf die Klinik, weil es die  Kinder fast zerreißt vor lauter Schmerzen,“ erzählt Dunitz-Scheer. „Die Kinder haben den Stuhl so lange zurückgehalten, dass er versteinert ist und sie ihn gar nicht mehr herausdrücken können. Das verursacht starke Schmerzen, die Kinder liegen dann mit brettharten Bäuchen am Boden, winden sich und brüllen, bis sie dann bei uns oder auf der Chirurgie ‚ausgeräumt‘ werden.“ Der Auslöser für diese Tortur ist nicht immer nur die Härte der Eltern. Laut Expertenmeinung sind nämlich vor allem willensstarke Kinder betroffen. Kinder, die selbst bestimmen wollen, wann und wie sie ihre Geschäfte erledigen und die auf Widerstand setzen, wenn sie dieses Recht bedroht sehen. Oft liegt es aber auch an der Umgebung, in der der Umstieg von der vertrauten Windel aufs Topferl über die Bühne gehen soll.

Hurra, it’s Topferl-Time!

Für Erwachsene ist eine Toilette eine Toilette. Auf zwei- bis dreijährige Kinder kann ein typisches stilles Örtchen aber kahl, kühl, ja vielleicht sogar unheimlich wirken. Wenn dazu noch elterlicher Druck und die Angst vor dem Neuen ein flaues Gefühl im Magen auslösen, sind die Voraussetzungen für den erfolgreichen Umstieg von der Windel aufs Topferl denkbar schlecht. Tipp: Inszenieren Sie die ersten Sitzungen Ihres Kindes als einen positiven Event an einem gemütlichen, hellen, freundlichen Ort – zum Beispiel im Badezimmer. Kreieren Sie an diesem Ort gemeinsam mit Ihrem Kind eine entspannte Atmosphäre, zum Beispiel mit Musik- oder Märchen- CDs, die Ihr Kind aussuchen darf, mit den liebsten Stofftieren als Zusehern und mit Bilderbüchern. Vom Vorlesen raten Experten aber eher ab, da es den Kindern sonst später schwer fallen könnte, ohne Mami oder Papi der Natur ihren freien Lauf zu lassen. Und wenn es dann vollbracht ist, sorgen kleine Belohnungen, Lob und Anerkennung für Vorfreude auf die nächste Topferlsitzung. „Unter solch positiven Umständen gibt es dann fast nie Probleme,“ meint Dr. Dunitz-Scheer. Die erfahrene Kinderärztin ist selbst sechsfache Mutter. Ihre eigenen Kinder sind alle zwischen zwei und zweieinhalb Jahren sauber geworden, „wobei die erste Tochter die späteste war und die jüngeren Kinder die schnellsten. Das liegt wohl auch daran, dass die Jüngeren mehr Imitationsflächen haben. Bei einem Zweijährigen, der mit mehreren großen Geschwistern aufwächst, ist die Frequenz der Menschen, die aufs Klo verschwinden und dann grinsend wieder herauskommen, einfach größer.“

„Stuhlabgabe funktioniert leichter, wenn es für das Kind interessant ist, und wenn sich jemand für den Stuhl interessiert. Im besten Fall sind es die Eltern, die loben und Freude zeigen, wenn das Gacki da ist. Wenn gar kein Interesse da ist, also eher eine Verwahrlosung vorliegt, klappt es ebenso wenig, wie wenn zuviel elterliches Kontrollbedürfnis besteht.“ Univ. Prof. Dr. Marguerite Dunitz-Scheer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

JInput Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( [Itemid] => 114 [option] => com_content [view] => article [catid] => 40 [id] => 1864 ) [inputs:protected] => Array ( [cookie] => JInputCookie Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( ) [inputs:protected] => Array ( ) ) [request] => JInput Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( [Itemid] => 114 [option] => com_content [view] => article [catid] => 40 [id] => 1864 ) [inputs:protected] => Array ( ) ) ) )