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Nabelschnurblut: Gesundheitsvorsorge oder Luxus?

Immer mehr werdende Eltern fragen sich, ob sie das Nabelschnurblut ihres Babys einfrieren lassen sollen. Die darin enthaltenen Stammzellen können Leben retten, und dem Spender später bei möglichen Erkrankungen helfen. Die Chancen für einen tatsächlichen Einsatz sind aber gering – meinen Kritiker.

Das Zukunftsszenario: Ein Mann, Jahrgang 2007, erleidet einen Herzinfarkt. Er überlebt. Und weil ihm damals, anno 2007, unmittelbar nach seiner Geburt auf Wunsch seiner Eltern Nabelschnurblut abgenommen worden ist, geht auch die Therapie gut vonstatten: Ins Herz verpflanzt, entwickeln sich die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut rasch zu gut funktionierendem Muskelgewebe. Dem Mann geht es bald wieder besser.

„Wenn es gut gemacht ist, spricht nichts dagegen.“

Die Gegenwart: Nach den meisten Geburten wird das Nabelschnurblut, das wertvolle Stammzellen enthält, zusammen mit der Plazenta weggeworfen. Und das, obwohl schon heute viele schwere Krankheiten (Herzfehler, Parkinson, Diabetes, oder Blutkrankheiten wie Leukämie, etc.) mit Stammzellentherapien effektiv behandelt werden können. Kein Wunder, dass sich immer mehr werdende Eltern fragen, ob es nicht doch sinnvoll wäre, das Nabelschnurblut des Kindes für den Eigengebrauch einfrieren zu lassen. Die Idee scheint nahe liegend: Eltern wollen schließlich das Beste für ihre Kinder. Und dazu gehört für viele auch, möglichst alle Möglichkeiten der modernen Medizin auszunützen. Um die 2000 Euro kosten Entnahme und Transport der kostbaren Stammzellen im Schnitt, für die jahrzehntelange Lagerung kommen noch einige Euro per anno dazu. Immer mehr Eltern entschließen sich zu diesem Schritt. Andere sind skeptisch. Und wittern hinter der vermeintlich wichtigen Gesundheitsvorsorge vor allem eines: eine geniale Geschäftsidee. Schließlich stehen auch viele Wissenschaftler der Nabelschnurblut-Einlagerung für den Eigengebrauch eher skeptisch gegenüber. „Für mich gibt es keine wissenschaftliche Evidenz, um die Einlagerung von Nabelschnurblut für den autogenen Gebrauch zu empfehlen“, meint etwa Univ. Prof. Dr. Hildegard Greinix. Wirklich empfehlen würde die Leiterin der Abteilung für Knochenmark- und Blutstammzell- Transplationen am Wiener AKH das Verfahren nur in Ausnahmefällen – etwa dann, wenn nahe Familienangehörige des Neugeborenen an Leukämie oder anderen Blutkrankheiten leiden. „Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit, dass die aus dem Nabelschnurblut gewonnenen Stammzellen jemals zum Einsatz kommen, einfach höchst gering. Außerdem sind die aus Nabelschnurblut gewonnen Stammzellen nicht immer erste Wahl bei Behandlungen. Aber, ...“, fügt die Wissenschaftlerin noch hinzu, „wenn es sich jemand als Luxus leisten will, dann spricht natürlich nichts dagegen. Vorausgesetzt, es wird professionell gemacht.“

Der kleine Bruder als Lebensretter

Anette Hömme hat bei der Geburt ihres Sohnes Jan, 7, auf eine Konservierung des Nabelschnurblutes verzichtet. Bei ihrem zweiten Sohn Arne, 2, hat sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Und ist heute mehr als glücklich darüber. Jan ist mit drei Jahren an asplatischer Anämie erkrankt, einer seltenen Krankheit, bei der die Blutbildung im Knochenmark versagt. Als Jan 5 war, verschlechterte sich trotz der Behandlung mit Medikamenten sein Zustand dramatisch. Hoffnung gab die Möglichkeit einer Stammzellentherapie. Das eigene Nabelschnurblut wäre eine gute Möglichkeit, um die passenden Stammzellen zu gewinnen. Da es nicht vorhanden war, versuchten die Ärzte, Jans Leben mit dem Nabelschnurblut von Arne zu retten. Nachdem eine Gewebetypisierung zeigte, dass die beiden Brüder in ihren Gewebemerkmalen übereinstimmen, wurde das Nabelschnurblut zusammen mit einer kleinen Menge Knochenmarksflüssigkeit transplantiert. „Bereits nach relativ kurzer Zeit erreichten  die Blutwerte wieder akzeptable Werte, und der Junge konnte das Krankenhaus wieder verlassen“, berichtet Dr. Eberhard Lampeter. Er ist der CEO bei VITA 34, der größten privaten Nabelschnurblutbank in Europa. Auch Familie Hömme zählt zu den VITA-34-Kunden. Was sagt nun Dr. Lampeter zu den Vorwürfen der Kritiker, die beispielsweise meinen, dass aus Nabelschnurblut gewonnene Stammzellen oft nur zweite Wahl sind, beziehungsweise geringere Heilungschancen bieten?

„Spielen Statistiken für Ihr Baby eine Rolle?“

„Diese Feststellung ist richtig und keine Kritik“, sagt Dr. Lampeter. „Sie gilt für Leukämien, wenn nach einer Hochdosis-Chemotherapie das Knochenmark durch eine Stammzell-Transplantation wieder aufgebaut wird. Hier greift man lieber auf „fremde“ Stammzellen zurück, da das Transplantat verbliebene Krebszellen vernichten kann. In allen anderen Fällen von Krebstherapie, wichtigstes Beispiel ist Lymphknotenkrebs, werden die eigenen Stammzellen bevorzugt, da keine Abstoßungsreaktionen zu befürchten sind. Insgesamt wurden weltweit ca. 10.000 Nabelschnurblut-Präparate transplantiert. Das Verfahren setzt sich also ganz deutlich durch.“ Und was meint Dr. Lampeter zur geringen Wahrscheinlichkeit, dass Nabelschnurblut tatsächlich zu dem
„Lebensretter“ wird, als der es oft beworben wird? „Es gibt hier verschiedene Berechnungen“, meint Lampeter. „Johnson et al. haben 1997 basierend auf Statistiken von Erkrankungen und Behandlungen berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit bis zu einem Alter von 20 Jahren eigene Stammzellen transplantiert zu bekommen bei 74:200.000 liegt. Hochrechnungen, die sich auf die Anwendung von autologen Stammzellen bei Herzerkrankungen beziehen, gehen sogar von einer Wahrscheinlichkeit von 1:7 bis zum Alter von 70 Jahren aus“, sagt Lampeter. Und fügt dann hinzu: „Aber Statistik
hin oder her, spielt das für Ihr Baby wirklich eine Rolle?“ Die Antwort auf diese Frage müssen alle werdenden Eltern für sich selbst finden.

 

„Für eine neue Studie wurde Knochenmark und Nabelschnurstammzellen verglichen. Bei diesen Patienten, die alle an Leukämien litten, waren die Heilungserfolge mit dem Nabelschnurblut deutlich besser. Für die jetzt Geborenen wird darum Nabelschnurblut klar zur Stammzellquelle der ersten Wahl.“
Dr. Eberhard Lampeter, CEO bei VITA 34

„Für mich gibt es keine wissenschaftliche Evidenz, die Einlagerung von Nabelschnurblut für den autogenen Gebrauch zu empfehlen. Aber wenn es sich jemand als Luxus leisten will, dann spricht natürlich nichts dagegen. Vorausgesetzt, es wird professionell gemacht.“ Univ. Prof. Dr. Hildegard Greinix, Leiterin der Abteilung für Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantationen am Wiener AKH

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