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Die fantastische Verbündete

Lara, 3, will noch nicht schlafen gehen. Das teilt sie auch ihrer Mutter mit. Die bleibt aber hart: „Es ist acht Uhr – du musst jetzt wirklich ins Bett. Und zwar sofort.“ Lara verzieht leidend das Gesicht. Kurz hat es den Anschein, als würde das Mädchen gleich zu weinen beginnen. Aber so leicht lässt sich Lara nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Ihre Augen blitzen triumphierend auf, und mit fester Stimme schüttelt sie ein Ass aus dem Ärmel. „Die Pompa hat aber gesagt, ich soll noch aufbleiben“, sagt Lara bestimmt und lehnt sich mit einem entspannten Siegerlächeln in ihrem Sessel zurück.

Fantasiefreunde helfen, direkte Konflikte zu vermeiden

Pompa ist Laras Freundin. Pompa hat große grüne Augen, und sie kann fliegen. Pompa ist aber vor allem deshalb eine ganz besondere Freundin, weil niemand außer Lara sie sehen kann. Eines Tages war sie einfach da, und seither erzählt Lara ihren Eltern fast jeden Tag von Pompa. Die haben nie etwas
gegen Pompa gehabt. Bis Pompa begonnen hat, sich in Erziehungsfragen einzumischen. „Es ist in diesem Alter nicht ungewöhnlich, dass fantasierte Gestalten zur Wirklichkeit des Kindes gehören“, meint Mag. Beatrice Arhar, Leiterin des Instituts für Familienfragen in Graz. Kinder setzen sich eben auf spielerische Art und Weise – beispielsweise beim Zeichnen, in Rollenspielen oder eben mit imaginierten Figuren – mit den eigenen Gefühlen, Wünschen und auch Einschränkungen auseinander. Und wenn nun ein Kleinkind zum Beispiel auf die elterliche Aufforderung, zu Bett zu gehen, sagt, sein Fantasiefreund habe erlaubt, noch aufzubleiben, kommt dadurch auch ein innerer Konflikt zum Ausdruck. „Einerseits möchte das Kind ein ,braves‘, folgsames Kind sein“, erklärt Arhar, „andererseits will es aber auch noch länger aufbleiben. Die widerstrebenden Bedürfnisse werden mit Hilfe des Fantasiegefährten zum Ausdruck gebracht. Dadurch vermeidet das Kind einen direkten Konflikt.“ Wie sollen Eltern aber damit umgehen, wenn Kinder bei Konflikten plötzlich einen  „unsichtbaren Dritten“ ins Spiel bringen?

Respekt, aber keine Macht für den Fantasiefreund

Wichtig ist, dass Eltern auch dann konsequent bleiben, wenn ihr kleiner Liebling seinen imaginären Freund als Verbündeten präsentiert. Ansonsten kann es nämlich passieren, dass aus der vorerst vermutlich unbewussten Reaktion, Wünsche bzw. Konflikte über einen unsichtbaren Dritten zu äußern bzw. auszutragen, eine bewusst eingesetzte Strategie wird. Gleichzeitig sollten die Eltern bei aller Konsequenz aber registrieren, dass auf Seiten des Kindes ein starker Wunsch nach beispielsweise längerem Aufbleiben, mehr Schokolade, etc. vorhanden ist. Und sie sollten erklären,  warum es wichtig ist, dass das Kind beispielsweise jetzt ins Bett geht („... damit du morgen gut ausgeschlafen bist.“) bzw. nicht nascht („... das ist schlecht für deine Zähne.“). Und sie können den Wunsch des Kindes respektieren und eine baldige Erfüllung in Aussicht stellen („Morgen am Abend können wir uns das Buch noch einmal anschauen. Aber jetzt nicht. Jetzt gehen wir schlafen.“) Zornig oder wütend sollten Mama und Papa auf keinen Fall reagieren, wenn sich plötzlich wieder der imaginäre Freund in Erziehungsfragen und die Regeln des Familienlebens einmischt. Und Sie sollten nie vergessen, dass Fantasiefreunde im Kleinkindalter etwas Normales und durchaus Positives sind.

Wenn Fantasiefiguren spurlos verschwinden

Verschiedenen Untersuchungen zufolge hat etwa jedes dritte Kleinkind einen Fantasiefreund. Fantasiefreunde tauchen meist um den zweiten Geburtstag auf. Im Schulalter beziehungsweise in der Zeit um den sechsten Geburtstag verschwinden die Fantasiefreunde dann meist schön langsam wieder aus dem Leben der Kinder. Beatrice Arhar erklärt, wie Eltern den Fantasiefreund ihrer Kinder behandeln sollten und wie sie durch ihn mehr über die Gefühlswelt ihrer Kinder erfahren können (siehe Kasten). Die Psychologin kennt das Thema auch aus der Praxis sehr gut – und zwar nicht nur aus ihrer Tätigkeit für das Institut für Familienfragen. Arhars Tochter Eva hatte nämlich auch einen imaginären Freund „Budi war Evas Freund, der nur für sie existierte. Manchmal tauchte er auf und meldete sich zu Wort. Eva leitete das von ihm Gesagte an die anderen Familienmitglieder weiter“, erzählt die Psychologin. Im Zuge des Interviews für den BabyExpress hat Frau Arhar ihre heute 13- jährige Tochter nach Budi gefragt. „Eva meinte, sie könne sich noch ein bisschen an ihren unsichtbaren Freund erinnern. Sie habe damals mit ihm gesprochen und seine Stimme sei für sie zu hören gewesen, gesehen habe sie ihn allerdings nie. Budi habe sie begleitet, wenn sie in den Keller gegangen sei, daran könne sie sich auch erinnern. Budi gehörte eine Zeit lang ‚zur Familie‘. Irgendwann war er einfach verschwunden.“ So wird es in absehbarer Zeit wohl auch Pompa ergehen. Spätestens wenn die Kinder in die Schule kommen, verschwinden ihre imaginären Freunde in der Regel nämlich ebenso plötzlich, wie sie aufgetaucht sind.

„Einerseits möchten Kleinkinder ein ‚braves‘, folgsames Kind sein. Andererseits wollen sie aber zum Beispiel länger aufbleiben, als ihnen die Eltern erlauben wollen. Die widerstrebenden Bedürfnisse werden mit Hilfe des Fantasiegefährten zum Ausdruck gebracht. Dadurch vermeidet das Kind einen direkten Konflikt. Es handelt sich dabei um unbewusste Strategien zur Verwirklichung von Bedürfnissen, die gleichzeitig auf sehr kreative Art und Weise emotionale Konflikte reduzieren.“ Mag. Beatrice Arhar, Psychologin & Psychotherapeutin, Leiterin des Instituts für Familienfragen Graz

 

Bitte nicht streicheln oder füttern!

SO SOLLTEN ELTERN DIE FANTASIEFREUNDE IHRER KINDER BEHANDELN
Die Fantasiefreunde der Kinder zu verbieten, oder sich darüber lustig zu machen, das wäre ganz falsch und gleich bedeutend damit, über das Kind selbst zu spotten bzw. Anteile des Kindes zu verbieten. Eltern sollten aber auch nicht so tun, als wäre der Fantasiegefährte auch für sie existent. Sie sollten sich auf das Kind einlassen, zuhören, wenn das Kind über seinen unsichtbaren Freund spricht, und darauf achten, welche Bedürfnisse oder Ängste des Kindes zum Ausdruck kommen. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit Fantasiegefährten erfahren Eltern welche Themen, Wünsche und Bedürfnisse ihre Kinder gerade beschäftigen. Man sollte dem Kind die Führung über den unsichtbaren Freund überlassen und das Kind Schritt für Schritt beim Erlernen der Unterscheidung zwischen Fantasie und Realität begleiten. Spätestens im Schulalter sind Fantasiefreunde in der Regel wie weggezaubert. Sie werden
durch reale Freunde ersetzt.

FANTASIEFREUNDE: EIN FALL FÜR CLEVERE KIDS?
Kindern, die einen imaginären Gefährten haben, wird von Eltern und Psychologen oft viel Kreativität und Fantasie attestiert. Eine amerikanische Studie mit 3- bis 4-jährigen Mädchen und Buben zeigte nun, dass Kids mit Fantasiegefährten („imagined companions“) sich im Vergleich zu Kindern ohne solche
Begleiter besser konzentrieren konnten, sprachgewandter, eher freundlich und kooperativ waren, sich weniger langweilten und intelligenter erschienen.

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