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Schicksal Schreikind: 'Ich war oft hilflos...'

Alle Babys schreien. Das ist gut so, denn die kleinen Menschen haben keine andere Möglichkeit ihren Eltern mitzuteilen: „Tu etwas, mir geht es nicht gut“. In den meisten Fällen tun die Eltern dann genau das Richtige: Sie trösten, füttern oder wiegen in den Schlaf – je nachdem, was ihr Kind braucht – und es beruhigt sich. Doch die so genannten Schreikinder sind anders. Sie schreien oft mehrere Stunden am Stück, ohne dass ihre Eltern einen Grund dafür erkennen können. Die Eltern wollen etwas tun, damit es ihrem Kind wieder gut geht, sind aber rat- und hilflos. Ein Schreikind kann die natürliche Bindung zu Mutter und Vater gewaltig auf die Probe stellen. Die Eltern sind hilflos, wissen absolut nicht, was sie tun können, um es dem Familiennachwuchs recht
zu machen. Das Kind schreit wie am Spieß und wird zum Stressfaktor, sein ständiges Weinen kann sogar Ungeduld und aggressive Gefühle bei den Eltern auslösen. Frau Dr. Heide Goller berichtet aus eigener Erfahrung: „Mein Mann und ich haben uns schon sehr auf das Baby gefreut, es war ein absolutes Wunschkind. Auch die Schwangerschaft erlebte ich harmonisch und ausgeglichen. Doch die Geburt war alles andere als das: Ich habe ein sehr schmales
Becken und mein Baby Sven ist mit seinem Köpfchen immer gegen das Steißbein gestoßen und schaffte es nicht alleine raus zu kommen.“ Sven war einfach zu groß für das kleine Becken, wodurch es zu einer Vakuumgeburt mit der Saugglocke kam. Laut Craniosacrale  kann durch eine schwere Geburt ein so genannter Geburtsschock ausgelöst werden, der meist Grund für die nächtelangen Schreiattacken ist.

Die ersten vier Monate

Familie Goller fiel bald auf, dass etwas nicht stimmen konnte: Der kleine Sven schrie fast täglich an die drei bis vier Stunden durch und das vor allem abends. „Für uns war das irrsinnig belastend, vor allem war es diese Ohnmacht. Sven hatte ein irrsinnig zorniges Schreien. Natürlich fragt man sich, was passiert ist und warum er so zornig ist. Auffallend war auch, dass er sowohl im Maxi-Cosi als auch im Kinderwagen nicht bleiben wollte.“ Dieses Verhalten ist typisch für das Kiss-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie- Störung), welches schlussendlich bei dem Baby festgestellt wurde. Die Symptome
sind ein Schiefhals, das Durchbiegen der Wirbelsäule und asymmetrische Benutzung der Extremitäten. Die junge Mutter erinnert sich: „Man konnte machen, was man wollte, wir waren schon so verzweifelt. Hat er einmal angefangen zu weinen, hat er nicht mehr aufgehört. Er war so verkrampft, dass
man ihn schon aufrecht hinstellen konnte. Hat er drei Stunden an der Brust gesaugt, ist er währenddessen eingeschlafen und kaum wollte ich ihn ins Bettchen legen, ist er aufgewacht und hat wieder angefangen zu schreien“. Als Sven den Kopf schon selber halten konnte, ist der Schiefhals gut sichtbar geworden. Doch der Kinderarzt hat zum Schiefhals gar nichts gesagt, ihm ist das nicht einmal aufgefallen. einziger (unnötiger) Kommentar: Nicht so viel schütteln und eine andere Einstellung zum Kind finden. Frau Dr. Gollers Suche nach einer Lösung ging weiter  und so hat sie sich schlussendlich zu einer Craniosacraltherapie entschlossen. Der erste Versuch scheiterte an einem nicht sehr kompetenten Therapeuten, welcher lediglich 10 Minuten behandelte und danach die Diagnose „hyperaktiv“ stellte und homöopathische Mittel verschrieb. 1–2 Tage nach der Therapie begann Sven sich komplett durchzubiegen und seinen Körper in eine C-Stellung zu krümmen. Der Kinderarzt war auf Urlaub, nicht erreichbar. Der Horror. „Sven hatte offensichtlich Schmerzen, ich konnte ihn nicht tragen oder hinlegen, nichts. Nach der ersten Cranio-Sitzung war das Schreien fast weg, aber er hat es danach auf die körperliche Ebene übertragen. Alle 45 Minuten ist er aufgewacht und hat geschrien wie am Spieß. Es war eindeutig, dass da mehr dahinter stecken musste. Ich hab dann alles daran gesetzt, damit Sven eine Cranio-Therapie bekommt, und bekam die Therapeutin Karin Hawlik empfohlen, die auf traumatisierte Kinder spezialisiert ist.“ Frau Dr. Goller bekam erst nach 2,5 Wochen einen Termin, was für sie eine Ewigkeit war.

Die Erlösung

Was Heide und Martin Goller verzweifelt suchten, fanden sie in der Therapeutin Karin Havlik. „Es war ganz anders als bei den Behandlungen davor. Ich habe gleich die positive Energie dieser in sich ruhenden Person gefühlt. Es war fantastisch“. Karin und Sven sind nochmals gemeinsam die Geburt durchgegangen. Sven hat der Therapeutin während der Behandlung „gezeigt“, was bei der Geburt passiert ist. Eine Behandlung läuft folgendermaßen
ab: Sven lag am Rücken und Karin hatte mit den Händen Kontakt mit Kopf und Steißbein. Sven hat sich bewegt und die linke Schulter nach vor gedreht. Im Gespräch mit der Mutter erkannte die Therapeutin, dass die linke Schulter beim Geburtsvorgang mit der Saugglocke leicht verletzt wurde. Unverhofft erkundigte sie sich auch, ob etwas mit dem linken Auge war, da Sven ihr auch dies „gezeigt“ hat. Und das war korrekt: Bei der Geburt sind durch den extremen Kopfdruck und die Anstrengung die Adern geplatzt. Niemand hat es bei der Sitzung erwähnt, sie konnte es also nicht vorher gewusst haben. Frau Heide Goller erklärt: „Ich habe ebenfalls eine Craniosacraltherapie gemacht. Wenn man sich wirklich bewusst darauf einlässt, verliert man die Kontrolle – aber im positiven Sinne! Man öffnet sich, kann loslassen und sich befreien. Blockiert man sich, passiert gar nichts. Kinder speichern ihre Erfahrungen, die sie nicht verarbeiten konnten, im Gewebe. Sven hatte zum Beispiel einen Zwerchfellhochstand, wodurch er das Maximum auf der linken Kopfhälfte speicherte und es zum Schiefhals kam.“ Die Behandlung war auch für die junge Mutter eine emotionale Extrem-Erfahrung, da sie die ganze
Geburt noch einmal im Geiste durchlebte.

Vom Sorgenkind zum Sonnenkind

Der Behandlungserfolg war gut, am Anfang war Sven einmal pro Woche bei Karin. Der Abstand zwischen den Behandlungen wurde kontinuierlich immer größer, bis der Schiefhals schließlich weg war und Sven seine motorischen Defizite wieder aufgeholt hat. Das KISS-Syndrom war ebenfalls verschwunden. Insgesamt dauerte es zwei Monate, bis der kleine Sven wieder komplett gesund und wiederhergestellt war. Um sicherzugehen war Heide Goller in der Entwicklungsambulanz und hat Sven von einer Physio- und einer Ergotherapeutin durchchecken lassen. Er setzt nun beide Körperhälften gleichermaßen ein und hat auch nach Meinung der Therapeuten alle motorischen Defizite ausgemerzt. Der Kleine schreit nicht mehr, ist ausgeglichen und ein richtiges Sonnenkind geworden. „Sven ist irrsinnig glücklich, man sieht ihm die Zufriedenheit an und er ist so kontaktfreudig“ strahlt die Mutter. „Ohne Cranio beziehungsweise ohne Karin hätte ich nicht mehr gewusst, was ich tun soll. Niemand sagt einem, was man in so einem Fall tun kann. Ganz im Gegenteil: Man erntet noch Vorwürfe und hat das Gefühl, sich schuldig fühlen zu müssen, da ohne Grund das Baby ja nicht schreien würde. Man kennt sich überhaupt nicht aus und weiß nicht einmal, wonach man suchen soll, weil man das Problem ja nicht kennt. Ich bin wirklich froh, dass die verzweifelten
Anfangszeiten unserer kleinen Familie vorüber sind und wir nun ganz entspannt einer wunderbaren Zukunft entgegensehen können.“

 

Craniosacraltherapie - der sanfte Weg

Der Begriff Craniosacraltherapie setzt sich aus den Worten Schädel (Cranium) und Kreuzbein (Sacrum) zusammen. Vor etwa 100 Jahren entdeckte man, dass sich die fein gesteuerte periodische Bildung und Resorption der Hirnflüssigkeit nach außen hin als fühlbarer Puls zeigt – dem Craniosacralen Rhythmus. Mit entsprechender Erfahrung ist dieser am ganzen Körper zu ertasten. Ist dieser Rhythmus in einer Körperregion abgeschwächt oder verändert tastbar, weist dies auf Gewebespannung (eine so genannte Restriktion) hin. Ursache hiefür kann – unter anderem – eine schwere Geburt (z. B. Einsatz von Zange oder Saugglocke) sein. Der Körper hat die Fähigkeit, Ereignisse wie Geburt, prägende seelische Stressmomente etc. zu verarbeiten. Gelingt das nicht, speichert der Körper das Trauma im Bindegewebe. Es kommt zu einer Restriktion. Eine solche Blockade kann man sich auch als Abkapselung von gestauter Energie vorstellen. Es sind darin alle Informationen enthalten, die nicht verarbeitet werden konnten. Diese Restriktionen behindern die normale Körperfunktion und können je nach Lokalisation zu unterschiedlichen Symptomen führen, wie etwa Verdauungsproblemen, Lageasymmetrien, Schlafstörungen, Saug- und Schluckschwierigkeiten, bis hin zum „Schreibaby“. Bei den Schreibabys ist die Spannung im Körper so hoch, dass sie ihr Leben nicht genießen können und sich durch kaum etwas beruhigen lassen. Die Craniosacraltherapie bietet ihnen die Möglichkeit, die im Körper gespeicherten Spannungen zu lösen und das Erlebte zu verarbeiten. Durch behutsame Berührung mit den Händen nehme ich als Therapeutin
die vorhandenen Restriktionen wahr. Mit sanften manuellen Impulsen unterstütze ich den Körper des Säuglings, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren und die Balance des Craniosacralen Rhythmus wiederherzustellen. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie kompetent diese kleine Menschen sind und auf ihre Art zeigen, wie viel und an welchen Stellen sie Unterstützung brauchen. Die Dauer einer Therapieeinheit liegt zwischen 30– 60 Minuten, je nach Bedürfnis des Kindes. In der Regel sind 3–10 Therapieeinheiten nötig. Die Reaktionen während der Therapie sind sehr unterschiedlich. Manche Kinder entspannen sich sichtbar, schlafen sogar ein. Andere „erzählen ihre Geschichte“, indem sie die Körperhaltung einnehmen, die sie traumatisch erlebt haben und ihren Emotionen Ausdruck verleihen. Eltern sind immer wieder beruhigt und erstaunt, wenn sie die Stärken und Fähigkeiten ihres Babys dabei entdecken. Die Craniosacraltherapie kann (nicht immer) Wunder bewirken, aber sie ist einfach wunderbar. Auf jeden Fall ist sie einen Versuch wert. - Karin Havlik selbstständige Physiotherapeutin, Craniosacraltherapeutin, Bobaththerapeutin

 

Expertenmeinung aus der Schulmedizin

Wenn ein 5 Monate altes Baby mehrere Stunden am Tag schreit, dann ist das sicher eine ungemeine Belastung für die ganze Familie! Natürlich,
alle Babys weinen. Weinen, Schreien ist eine Kommunikationsform der Babys, mit der sie versuchen etwas mitzuteilen. Babys kommunizieren
mit vielen unterschiedlichen Mitteln. Mit den Augen, durch Gesichtsausdrücke, mit dem Körper und mit der Stimme. Schreien ist ihre letzte Möglichkeit,
auf sich aufmerksam zu machen. In vielen Fällen sehr sinnvoll: So erreichen sie, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Ob es jetzt Hunger ist, Schmerzen, oder das, was man so gemeinhin als „Langeweile“ bezeichnet: Das Bedürfnis des Babys nach Kommunikation und Förderung. Oder auch der Wunsch nach Körperkontakt, nach Gehalten- und Geliebtwerden. In jedem Fall ist es sinnvoll, auf diese lautstark geäußerten Bedürfnisse der Babys einzugehen. Denn
so kann ein kleiner Mensch lernen, dass er ernst genommen wird, dass seine Kommunikation wahrgenommen und verstanden wird. Das Baby entwickelt so Urvertrauen und die innere Sicherheit, die es braucht, sich weiterzuentwickeln. Manchmal aber versteht man das Baby nicht, weiß nicht, warum es schreit, kann es nicht trösten. Das kommt immer wieder vor, bei manchen mehr, bei manchen weniger. Dann ist es jedenfalls wichtig, das Kind nicht allein zu lassen – wer würde denn einen geliebten Menschen mit seinen Tränen alleine lassen? Es würde sich ein Muster festsetzen beim Kind: Wenn ich traurig
bin, Schmerzen habe, körperliche oder seelische, werde ich verlassen. Wenn man ein Kind nicht trösten kann, nicht mit körperlicher Nähe, nicht mit
Stillen, nicht mit Bewegung und nicht mit Ruhe, so bleibt nur zu begleiten. Es gibt Schreibabys, oder besser Babys mit besonderen Bedürfnissen. Babys,
die es ganz schwer haben, zur Ruhe zu kommen, die ganz leicht aufschrecken und kaum eine Möglichkeit haben, sich selbst zu beruhigen. Warum ein Kind so ist, dazu gibt es nur Vermutungen. Bauchweh ist in den seltensten Fällen die Ursache, oft ist eine traumatische Geburt im Hintergrund oder sonst ein belastendes Erlebnis in der Geschichte des Kindes. Oft aber findet man keinen Grund. Wie auch immer, was diese Babys noch mehr als alle anderen brauchen ist Halt und Liebe. Getragen werden, gehalten werden, letztlich „ausgehalten“ werden in ihrer ganzen Unruhe. So dass sie langsam, Schritt für Schritt lernen, wie es sich anfühlt, beruhigt zu werden, wie es sich anfühlt, in einer zufriedenen wachen Aufmerksamkeit zu sein. Am Anfang nur wenige Minuten, dann immer länger. So anstrengend das ist für Eltern, so wichtig und wertvoll ist diese Zuwendung. Babys weinen nicht, weil sie verwöhnt werden. Im Gegenteil, Babys, die weinen brauchen alles, was an Aufmerksamkeit für sie da sein kann. Und die Eltern dieser Babys brauchen jede Unterstützung, die sie bekommen können! - Frau Dr. med. Katharina Kruppa Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Psychotherapeutin, Mitglied des fachlichen Beirats der Kinderpsychotherapeuten Österreichs

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