burnout

Ich will mein Leben zurück!

Die Psychotherapeutin Ilona Wilhelms hat in der staatlichen Beratungsstelle „Frau und Beruf“ in Hamburg seit den 80iger Jahren viele berufstätige Frauen mit Burnout-Syndrom kennen gelernt und behandelt. Immer wieder hat sie gesehen, wie schnell Frauen in die Burnout-Falle rutschen können, und wie schwer es ist, dem Teufelskreis aus hohen Ansprüchen und permanenter Überlastung wieder zu entkommen. Dass es sie einmal selbst erwischen könnte, das hat die Spezialistin für Vereinbarkeit aber lange Zeit nicht geglaubt.

Nach Jahren am Limit kommt es zum Crash

Anfang der 90iger Jahre wird Ilona Wilhelms Mutter. Nach einem Karenzjahr kehrt sie an ihren Arbeitsplatz zurück und übernimmt eine leitende Funktion. Plötzlich spürt sie am eigenen Leib, was es bedeutet, mit dem Druck einer permanenten Doppelbelastung zu leben. Einen Feierabend gibt es für sie fast nie, nach Dienstschluss wartet zu Hause der nächste Job. Ehemann Arnold ist in seinem Job bei Mercedes voll gefordert und kann sie nur wenig unterstützten. Bis zum Herbst 1995 geht Ilona Wilhelms Gradwanderung am Rande des Machbaren einigermaßen gut. Dann hat ihre Mutter einen Schlaganfall. Ilona Wilhelms ist ein Einzelkind. Jetzt muss sie ihre todkranke Mutter alleine pflegen, sie hat keine Schwester und keinen Bruder, mit dem sie die psychische Belastung teilen könnte. Es kommt zum Crash: Burnout.

Der Druck der Mehrfachbelastung: „Ich habe mich wie ein Sandwich gefühlt.“

„Nach dem Schlaganfall meiner Mutter habe ich mich wie ein Sandwich gefühlt,“ erzählt Ilona Wilhelms. „Eingezwängt und zusammengedrückt zwischen Job, Familie, und der schwerkranken, pflegebedürftigen Mutter.“ Diese Dreifachbelastung inklusive dem enormen Druck, ständig mit dem Tod eines geliebten Menschen rechnen zu müssen, geht nicht spurlos an Frau Wilhelms vorüber. Plötzlich leidet sie unter Rückenschmerzen, ist oft erkältet und muss immer wieder wegen Infekten das Bett hüten. Auch in der Arbeit häufen sich die Probleme: Die beliebte und zuvor sehr umgängliche  Psychotherapeutin eckt immer öfter bei Kollegen an, fast täglich ist sie in Reibereien und Konflikte verwickelt, die ihre blank liegenden Nerven zusätzlich belasten. Ilona Wilhelms weiß: Das alles sind eindeutige Anzeichen für ein Burnout-Syndrom. Die Psychotherapeutin zieht die Notbremse: Sie nimmt sich eine Auszeit und fährt mit ihrer Tochter Lea für 6 Wochen auf Kur. „Das hat mich damals gerettet,“ sagt Ilona Wilhelms. „Danach ist es mir wirklich gut gegangen, die Probleme sind nie wieder aufgetaucht.“

Jeden Tag: 20 Minuten, die nur der Mami gehören

Nach der Kur und ihrer Rückkehr in den Job entwickelt Ilona Wilhelms das Projekt „Burnout-Prophylaxe für Berufstätige“, 2005 macht sie sich selbständig und eröffnet in Hamburg ein Institut für Burnout- Prophylaxe: „Burnout-Stop“. In Einzelgesprächen und Seminaren hilft sie Frauen aus der Burnout-Falle und verrät potentiellen Burnout-Opfern, was sie tun müssen, damit ihnen erspart bleibt, was sie selbst erleben musste. „Das Wichtigste ist, sich   zuzugestehen, dass etwas nicht stimmt,“ meint Wilhelms. „Und dann zu überlegen, wie man die Ursachen ausschalten kann.“ Und dazu gehört fast immer, dass sich die betroffenen Frauen mehr Zeit für sich selbst gönnen – und zwar regelmäßig. Etwa 20 Minuten pro Tag sollten es auf jeden Fall sein. 20 Minuten, die nur der betroffenen Frau gehören, die sie mit niemandem teilen muss und ungestört erleben darf. Erlaubt ist dabei (fast) alles, was Spaß macht: Lesen, mehr Schlaf, Sport, kreative Hobbys wie Malen, Schreiben oder Musik können Wunder wirken und die dringend benötigte Lebenslust und neue Energien liefern. Damit können Burnout-Gefährdete auch das immer wieder auftretende Gefühl vertreiben, permanent nur für andere da sein zu müssen, und überhaupt kein „eigenes Leben“ mehr zu haben. Um Raum für regelmäßige Auszeiten und Hobbys zu schaffen, bedarf es aber meist einer
Neuorganisation des familiären Zeitmanagements.

Die große Frage: Was ist mir wirklich wichtig?

Gabriele Kohl, Psychologin beim Amt für Jugend und Familie der Stadt Wien, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Zeitmanagement und hat einen online verfügbaren Ratgeber mit dem Titel „Zeitmanagement für Eltern“ geschrieben. „Zeitmanagementstrategien kann man in vier Bereiche unterteilen,“ erklärt Kohl. „Ziele festlegen, sich einen Überblick verschaffen, Prioritäten setzen und planen.“ Eltern, die Zeit gewinnen wollen, sollten sich fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Was ist uns für unsere Partnerschaft wichtig? Was ist uns als Eltern wichtig für unser Kind? Und was ist unserem Kind wichtig? Wer das Familienleben künftig nach diesen Prioritäten ausrichtet, Unwichtiges herausfiltert und Abläufe optimiert, kann einige Stunden pro Woche gewinnen. Wertvolle Zeit, die auch Raum für Begegnungen bietet. Kohl betont, wie wichtig es ist, sich bereits im Vorfeld Gedanken zu machen, wie die neu gewonnene Zeit genutzt werden soll. „Ansonsten kann es zu Konflikten in der Familie kommen.“ Ein paar Wochen dauert die Umstellung auf ein neues Zeitmanagement- System. Tipp: Gönnen Sie sich diese paar Wochen. Sie können damit Ihr Familienleben langfristig verbessern. Auch dann, wenn (noch) niemand über Stress und Überlastung klagt.

 

„Nach dem Schlaganfall meiner Mutter habe ich mich wie ein Sandwich gefühlt. Eingezwängt und zusammengedrückt zwischen Job, Familie, und der schwerkranken, pflegebedürftigen Mutter. Als ich merkte, dass ich am Ende bin, habe ich mir für sechs Wochen eine Auszeit genommen und bin mit meiner Tochter auf Kur gefahren. Das hat mich gerettet.“ Ilona Wilhelms, Psychologin und Leiterin des „Instituts für Burnout-Prophylaxe“ „Ein wichtiges Mittel gegen Erschöpfungsdepressionen und Burnout ist es, sich regelmäßig Zeit für sich selbst zu nehmen. Am besten jeden Tag. Sonst kann die Überforderung zu großen gesundheitlichen Problemen führen.“

„Viele Menschen sind heute die meiste Zeit mit scheinbar wichtigen Dingen beschäftigt, die sich bei genauerem Hinschauen als völlig unwichtig erweisen. Wenn alte Menschen auf ihr Leben zurückblicken, sagen fast alle, dass nicht Status, beruflicher Erfolg oder Geld erfüllend waren, sondern die Familie, die Menschen, die man liebt – und Dinge, wie zusammen einen Sonnenuntergang zu erleben und sich in der Natur frei zu fühlen. Dinge, wie sie kleine Kinder tun.“ Gabriele Kohl, Psychologin & Expertin für familiäres Zeitmanagement beim MAG ELF/Amt für Jugend und Familie der Stadt Wien


Burnout & Erschöpfungsdepressionen: Sind Sie gefährdet?
Experten zufolge sind berufstätige Frauen, die auch für die Arbeit im Haushalt und die Kindererziehung die Hauptverantwortung tragen, besonders gefährdet, an Erschöpfungsdepressionen oder Burnout-Syndromen zu erkranken. Wenn Sie einige der folgenden Fragen mit „Ja“ beantworten, kann es sein, dass bei Ihnen eine Gefährdung gegeben ist.

• Stellen Sie sehr hohe Anforderungen an sich selbst?
• Ist bei Ihnen zur Doppelbelastung Job-Familie ein dritter Belastungsfaktor (Probleme mit dem Partner, schwere Krankheit eines Familienmitglieds,...) hinzugekommen?
• Bekommen Sie zuwenig Unterstützung im Haushalt?
• Bekommen Sie zuwenig Anerkennung für die Arbeit im Haushalt?
• Haben Sie oft das Gefühl, dass zuviel Druck auf Ihnen lastet?
• Vernachlässigen Sie Hobbys und Freunde?
• Haben Sie viel Stress in der Arbeit?
• Bleiben berufliche Erfolgserlebnisse aus?
• Sind Ihre Arbeitsverhältnisse instabil?
• Haben Sie kaum Zeit für sich selbst?

 

„Ich kann nicht mehr!“

Burn out - Merkmale und erste Anzeichen


• Permantes Gefühl der Überforderung
• Gedanken wie „Ich kann nicht mehr“, „ich schaff das nicht.“
• Konzentrationsschwächen, Fehleranfälligkeit
• Selbstvorwürfe, wenn etwas nicht perfekt läuft
• Bei der (Haus)Arbeit nicht loslassen & aufhören können
• Sich kaum Pausen gönnen
• Urlaube oder Wochenenden bringen keinen Erholungswert
• Desinteresse und allgemeine Lustlosigkeit
• Niedrige Selbstwerteinschätzung
• Gleichgültigkeit, Distanziertheit und Zynismus
• Hohe Reizbarkeit, Verzweiflung
• Viele Konflikte zuhause und im Beruf
• Missbrauch von Alkohol, Kaffee, Tabak und anderen Drogen
• Körperliche Erkrankungen (Rückenschmerzen, Infekte,...)

 

Welche Rolle spielt Ihr Partner?

Wenn Männer Ihre Partnerinnen bei der Hausarbeit und der Kindererziehung permanent im Stich  lassen, steigt das Risiko, dass die Frauen unter  Überforderung leiden. Das kann passieren, wenn Männer berufsbedingt kaum zu Hause sind, oder ein sehr traditionelles Rollenbild pflegen und deshalb ihren Frauen bei Hausarbeit und Kindererziehung kaum zur Hand gehen. Leichter haben es Frauen mit „modernen“ Männern, die ein egalitäres   Rollenverständnis haben und sich gerne zu Hause einbringen. Problem dabei: Männer, die aus der Arbeit nach Hause eilen, weil sie z.B. die Kinder zu Bett bringen oder kochen wollen, sind oft selbst Burnout-gefährdet. Und das liegt auch daran, dass sie im Haushalt meistens nur Assistenz-Tätigkeiten  verrichten können, und diese oft nicht zur vollen Zufriedenheit ihrer Frauen erledigen. Wenn es dann statt Anerkennung Tadel gibt („Bei dir dauert das Kinderniederlegen immer so lange. Es ist besser, wenn ich alles selber mache!“), sorgt das für Frust bei den berufstätigen Papas. Generell sind Männer aber eher weniger gefährdet, weil sie erstens meistens weniger im Haushalt machen als ihre Partnerinnen und sich zweitens traditionell eher Freiräume (regelmäßiger Sport, Jour fixe im Wirtshaus, Fußballstadion- Besuche, Singen in einem Chor, Engagement bei Vereinen,...) gönnen als die meisten Frauen.

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