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Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern

Überall, wo Kinder in die Welt aufbrechen, gibt es Alternativen zu einem Leben, das immer schneller, technischer und komplizierter wird. In ihrem Buch „Slow family. Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern” beschreiben Julia Dibbern und Nicola Schmidt, wie Familien zu mehr Achtsamkeit, Zeitwohlstand und Naturnähe gelangen. BabyExpress sprach mit den Autorinnen über dieses spannende Thema.

Baby Express: Ist Entschleunigung in unserer hektischen Welt überhaupt noch möglich?

Nicola: Ja. Wir glauben, dass es eine persönliche Entscheidung ist, was wir und wie wir die Dinge machen. Müssen wir beim Abendessen Fernsehen, Mails checken und auf den Messenger antworten? Schon alleine der Vorsatz, immer nur eine Sache gleichzeitig zu tun, kann Wunder wirken. Wenn ich am Rechner bin, esse ich nicht nebenbei. Wenn ich mit den Kindern rede, schaue ich nicht aufs Mobiltelefon. Auf dem Klo checke ich keine Mails. Wenn wir vorlesen, gehen wir nicht ans Telefon. Sondern ich bin einfach ganz da. Wir können uns jeden Tag, in jeder Minute entscheiden.

Julia: Das ist auch etwas, das wir unseren Kindern vorleben. Früher war es die Entscheidung, nicht ans Telefon zu gehen, wenn es während des gemeinsamen Mittagessens klingelte, heute ist es die Entscheidung, nicht auf das Messenger-Piepen zu reagieren. Dasselbe ist es mit Terminen und Erwartungsdruck von außen. Muss das Kind wirklich in den Fußballverein, weil es gerne mal kickt, oder sofort in der Musikschule angemeldet werden, weil es gern singt? Weniger ist da manchmal mehr. Dann hat zum Beispiel auch Langeweile die Chance, sie überhaupt zu entwickeln.

Nicola: Und aus Langeweile entsteht Kreativität. Und daraus wiederum das Erlebnis, selbst etwas erschaffen zu haben. 

Was empfehlen Sie „Stadt-Familien“, die selten in Kontakt mit der „unberührten Natur“ kommen?

Julia: Ziemlich einfach. Schuhe an, Jacke an, rausgehen.

Nicola: Ab zum nächsten Baum.

Julia: Oder zum nächsten Busch. Oder zum nächsten Grashalm. Ganz ernsthaft: Es ist so einfach. Für viele Menschen erscheint es einfacher, mit dem Kind shoppen zu gehen, einfach weil wir uns als Kultur dahin entwickelt haben, dass das oft vertrauter ist. Natur ist Übungssache. Einfach rausgehen, atmen, fühlen, spielen. Der Wald beißt nicht.

Nicola: Wir haben in unserem Buch viele wunderbare, ganz einfache Ideen gesammelt, wie selbst Stadteltern mit ihren Kindern “zurück zur Natur” finden können - auch mitten im urbanen Leben. Das fängt mit winzigen Kleinigkeiten wie der Fliege im Haus an.

Ist der Erziehungseinfluss der Eltern heute nicht durch das Internet, und speziell durch Soziale Medien, begrenzt?

Nicola: Julia - das ist dein nächstes Buch - sag mal was!

Julia:  Für uns ist das allerwichtigste, nicht künstlich Zwietracht zwischen den Generationen zu sähen, sondern Verständnis und Verbundenheit. Bindung. Natürlich spielt Social Media eine Rolle, und natürlich ist das eine Herausforderung. Aber es kommt immer darauf an, wie wir mit Herausforderungen umgehen. Es kommt nicht darauf an, nie Chaos zu erleben, sondern darauf, sich mitten im Chaos lieb zu haben. Wir haben damals stundenlang telefoniert, heute wird halt stundenlang gechattet.

Wussten Sie, dass es bereits 1958 eine Studie gab, in der lediglich 39% aller Kinder geistige Gesundheit bescheinigt wurde, während alle anderen irgendwie durchs Raster fielen? Und zwar aus denselben Gründen wie heute: „Reizüberflutung“, „Beschleunigung“, „verplante Kindheit“, „Autoritätsverlust der Eltern“ - und Medien. 

Welche Alternativen zu einem hochtechnisierten Leben empfehlen Sie?

Julia: Oh, wir mögen unsere Technik. Mein Smartphone und ich haben zum Beispiel eine sehr innige Beziehung zueinander. Aber wir mögen auch den Wald. Das Meer. Den Wind.

Nicola: Insofern geht es uns nicht um “Alternativen zum hochtechnisierten Leben”, sondern darum, im Hier und Jetzt, in der Welt, in der wir gerade leben, langsamer, achtsamer, echter zu werden.

Julia: Die Zutaten sind Liebe, Natur, Achtsamkeit, Gemeinschaft, Ressourcen, Wissen und Zauber. Was das genau im Einzelnen bedeutet und wie wir uns diese schenken können, beschreiben wir in “Slow Family”.

Nicola: Natürlich macht es die Mischung. Liebe muss zum Beispiel auch zu liebevollem Handeln führen, Achtsamkeit ist leichter, wenn Ressourcen da sind. Ein Gefühl der Verzauberung stellt sich eher ein, wenn man achtsam miteinander umgeht. Und so weiter.

Der gesellschaftliche Zwang immer schneller und besser zu werden betrifft doch vor allem auch Kinder und Jugendliche – bedeutet Innehalten für die junge Generation nicht gleichzeitig Stillstand?

Julia: Wir sehen das nicht. Viele Kinder wünschen sich mehr Zeit mit ihren Eltern, das zeigen Studien und Umfragen immer wieder.

Nicola: Sobald Kinder oberhalb der Armutsgrenze leben, erzeugt mehr Geld oder das größere Auto nicht mehr Glück. Sondern mehr Zeit, mehr gemeinsame Zeit erzeugen mehr Glück und damit stabilere Charaktere.

Welche Methoden zur Entschleunigung sind rasch umzusetzen?

Nicola: An meiner Wohnzimmerwand hängt ein Wandtattoo: Slow down faster! Der Trick ist: Jeden Tag einen kleinen Schritt gehen. Im Buch erzählen wir eine schöne Geschichte dazu von einem alten Mann, der seinen Garten pflegt. Und einen wunderschönen Garten hat. Das kann jeder!

Julia: Es gibt einen sehr machtvollen Effekt, den man dafür nutzen kann. Er funktioniert und deshalb haben wir uns entschieden, ihn ins Buch mit reinzunehmen und dort ausführlich zu erklären. 

Leben Sie das „Slow Family“ Ideal selbst?

Julia: Modernes Bullerbü im Sinne von „Slow Family” heißt für uns: Wie können Familien in einer bis zum Irrsinn beschleunigten Welt Momente der Ruhe finden - und zwar jeder auf seine ganz eigene Weise, ohne Patentrezepte und Dogmen?

Nicola: Wir haben uns gefragt: Wie können wir raus aus dem Vereinbarkeitsstress wieder hin zu einem entspannten Familienleben?

Julia: Und genau das haben wir dann gemacht. Das Buch ist voll mit Geschichten aus unserem Alltag - was geklappt hat und was nicht.

Nicola: Und wenn Familien von diesem Buch nur eine Sache mitnehmen, wünsche ich mir, dass es das ist: Was ist für euch wirklich, wirklich wichtig? Und dass sie dann genau wie wir losgehen und einfach genau das tun.

Foto: Verlag/Archiv

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