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Weg von traditionellen Denkmustern

Frauen verdienen noch immer deutlich weniger als Männer – auch wenn sie vergleichbare berufliche Positionen haben. Der Einkommensunterschied beläuft sich auf 22 Prozent. Im EU-Vergleich liegt Österreich damit an vorletzter Stelle. Das soll sich aber bald ändern, verspricht die Frauenministerin.

Welche Verbesserungen wird der nationale Aktionsplan für Frauen bringen?
Mit dem nationalen Aktionsplan für Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt sollen in den nächsten fünf Jahren konkrete Schritte zur Gleichstellung entwickelt und umgesetzt werden. Jedes Jahr soll es einen Bericht über die Fortschritte geben. Eine Voraussetzung für Gleichstellung auf dem Arbeitmarkt ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Vereinbarkeit von Familie, Privatleben und Beruf ermöglicht wird. Denn in der Realität wird unbezahlte Betreuungsarbeit immer noch von Frauen geleistet. Hier sind wir mit dem verpflichtenden Gratiskindergartenjahr für alle Fünfjährigen und dem einkommensabhängigen Kindergeld schon einige Schritte weiter, aber es ist noch einiges zu tun. Ich denke hier an die Öffnungszeiten von Kindergärten vor allem in den Sommermonaten oder ganztägige Schulformen. Ohne diese Angebote ist es schwierig, eine Berufstätigkeit und Kinder unter einen Hut zu bringen. Und darum bedarf es auch Überlegungen, wie wir zum Beispiel mehr Männer zu einer partnerschaftlichen Aufteilung von unbezahlter Arbeit bringen. Da bin ich zuversichtlich, dass wir das über das einkommensabhängige Karenzgeld auch erreichen können.

Wie erklären Sie sich die großen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern? Laut dem aktuellen Einkommensbericht des österreichischen Rechnungshofes verdienen Frauen im Jahr 2007 durchschnittlich um 41 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Zu einem guten Teil geht der Unterschied auf hohe Teilzeitanteile von Frauen zurück, die auch daraus resultieren, dass Frauen vor allem die unbezahlten Betreuungsleistungen übernehmen. Berücksichtigt man nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann beträgt der Einkommensunterschied aber noch immer 22 Prozent! Im EU-Vergleich, bei dem Bruttostundenlöhne verglichen wurden, liegt Österreich gar vor Lettland an vorletzter Stelle. Das ist blamabel. Ökonomische Analysen zeigen außerdem, dass ein Lohnunterschied von rund 15 Prozent bestehen bleibt, der nur aus der Tatsache resultiert, dass eine Frau eine Frau ist. Direkte und indirekte innerbetriebliche Einkommensdiskriminierung erfolgt im Bereich der Einstiegsgehälter oft durch unterschiedliche Einstufung, unterschiedliche Anrechnung von Vordienstzeiten, im Verlauf des Arbeitsverhältnisses durch außerordentliche Gehaltserhöhungen, Prämien, Zulagen und Überstundenabgeltungen nur für Männer. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft berichtet aber auch von Fällen, in denen Frauen ohne Begründung und Rechtfertigung schlechter bezahlt werden. Und da werden wir mit mehr Transparenz innerhalb der Betriebe für mehr Sensibilisierung und eine bessere Datenlage sorgen.

Ist Einkommenstransparenz tatsächlich umzusetzen?
Worum es bei der Einkommenstransparenz geht, ist eine innerbetriebliche anonymisierte Offenlegung der Gehälter einzufordern, die Diskriminierungen aufzeigt. Ich unterstelle keinem Unternehmen, dass es absichtlich Frauen weniger bezahlt. Ich glaube, dass wir aber mit diesem Vorschlag des  strukturierten Fragebogens und einer internen Veröffentlichung die Sensibilisierung erhöhen werden und Schritt für Schritt die Einkommensunterschiede
verringern werden. Das ist mein Ziel.

Stehen Sie noch zu Ihrer Aussage wonach Unternehmen, die Frauen benachteiligen, mit Strafen rechnen müssen?
Mein Vorschlag ist sehr einfach: In Betrieben mit mindestens 25 MitarbeiterInnen sollen die durchschnittlichen Einkommen von Frauen und Männern in vergleichbaren Positionen mittels Fragebogen ausgewertet werden. Die Ergebnisse dieses Fragebogens sollen betriebsintern veröffentlicht werden und den Sozialpartnern sowie den beteiligten Ressorts zur Verfügung gestellt werden. Diese Behörden sollen die Ergebnisse in einer zweijährigen Pilotphase überprüfen. Sollte es zu keinen Verringerungen in den Einkommensunterschieden kommen, sollten erst dann Verwaltungsstrafen angedacht werden.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Thema. Was wird diesbezüglich von Ihrer Seite unternommen?
Ich sehe für die kommenden Jahre die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als eine Schlüsselaufgabe an. Mit weiteren Angeboten möchte ich den sehr unterschiedlichen Lebenssituationen von Männern und Frauen entgegenkommen, damit sie Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen können. Wir brauchen mehr Angebote, die den Lebensrealitäten der Familien des dritten Jahrtausends entsprechen. Und dafür haben wir einige Meilensteine gesetzt: Es wird ab Herbst den Gratiskindergarten für alle Fünfjährigen geben und ab 1. Jänner 2010 wird das einkommensabhängige Kindergeld in Kraft treten.

Welche Pläne für die Ausbildung von Frauen haben Sie?
In allen Ausbildungsebenen finden sich erhebliche Unterschiede in der Verteilung von Frauen und Männern auf die einzelnen Fachbereiche. Zudem liegt eine starke Konzentration auf wenige Lehrberufe bei jungen Frauen vor. 70 Prozent der jungen Frauen wählen aus nur zehn Lehrberufen, während bei Burschen eine breitere Streuung vorliegt. Diese Konzentration von Frauen auf wenige und geringer bezahlte Berufsbereiche ist einer der wesentlichen Gründe für die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern. Eine Diversifikation der Ausbildungswege und der Berufswahl von Frauen ist deshalb ein zentraler Ansatzpunkt einer an Gleichstellung orientierten Bildungsund Arbeitsmarktpolitik. Der Prägung von Rollenklischees und Stereotypen beginnt ja aber schon im Kindergarten – hier muss bereits angesetzt werden. Bildungsministerin Claudia Schmied ist da eine Verbündete, aber es gibt noch immer viel zu tun. Auch die Pädagoginnen und Pädagogen gehören dahingehend noch verstärkter sensibilisiert. Außerdem müssen Weiterbildungsmaßnahmen
und Höherqualifizierung von Frauen, insbesonders Wiedereinsteigerinnen, verstärkt werden.

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