Eifelturm

Leben wie Mama in Frankreich

 

Frankreich gilt EU-weit als eines der familienfreundlichsten Länder. Ein nahezu flächendeckendes System von Kinderbetreuungseinrichtungen steht Eltern zur Verfügung. Die staatlichen Vorschulen können Kinder ab zwei Jahren sogar kostenlos besuchen. Dazu kommen noch große steuerliche Vergünstigungen für alle Familien: Ein großer Teil der Kosten für Kinderbetreuungseinrichtungen aller Art, aber auch für Babysitter und Putzfrauen übernimmt – in Form von steuerlicher Rückvergütung – Vater Staat. Apropos Steuer: Dank „Familiensplitting“- System gilt: Wer Kinder hat, muss weniger Steuern bezahlen. Ab dem dritten Kind wirkt sich das deutlich aus. Das alles scheint die Lust auf Nachwuchs deutlich anzukurbeln: 1,94 Kinder bekommt im Durchschnitt jede Frau in Frankreich. In Österreich ist die „Fertilitätsrate“ mit 1,41 deutlich niedriger und liegt auch unter dem Schnitt der EU (1,52). Dazu kommt noch, dass es erstaunlich vielen Französinnen gelingt, ihre Mutterrolle mit ihrer Karriere zu verbinden. Das liegt aber nicht nur an den tollen Förderungen und Kinderbetreuungseinrichtungen.

Kopfsache

Natürlich spielt auch die persönliche Einstellung jedes einzelnen Elternpaares eine große Rolle. Das bestätigt Tanja Kuchenbecker. Die deutsche Journalistin ist für den Axel Springer Verlag nach Frankreich gegangen und lebt seit 15 Jahren in Paris. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, Lena, 7, und Johan, 4 Jahre alt. Drei Monate nach Lenas Geburt ist Tanja Kuchenbecker wieder arbeiten gegangen. Geregelte Arbeitszeiten oft exklusive. Für eine Reporterin und Korrespondentin ist Flexibilität Pflicht. Tanja Kuchenbecker ist auch als zweifache Mutter in diesem schwierigen Job erfolgreich. Wichtig sei dabei von Anfang an die Gewissheit gewesen, dass die Kinder gut aufgehoben sind, während Mama jobbt. „Zuerst hat meine Schwiegermutter geholfen“, erzählt  Kuchenbecker. „Als Lena 16 Monate alt war, habe ich dann für sie eine Tagesmutter gesucht. Ich habe von der Stadt Paris eine Liste mit  Tagesmüttern bekommen. Da waren 50 Adressen drauf, alle von meinem Haus aus in fünf bis 10 Minuten zu erreichen – zu Fuß.“ Ein derartiges Angebot sei in Frankreich, zumindest in den Städten, mehr oder weniger Standard. Dass Frauen in Österreich und Deutschland von solch einem Service nur träumen können, liegt auch an „mentalen Barrieren“, vermutet Kuchenbecker: „In den deutschsprachigen Ländern gibt es auch deshalb eine Betreuungsmisere weil sehr viele Menschen glauben, dass eine Mutterrolle nur dann gut erfüllt wird, wenn man rund um die Uhr für sein Kind da ist.“

„Mit einer gewissen Leichtigkeit...“

Wie können nun Frauen in Österreich von den Erfahrungen der Französischen „Meres“ profitieren? „In Frankreich geht man lockerer und mit einer gewissen Leichtigkeit an ein Kind heran“, meint Kuchenbecker. „In den deutschsprachigen Ländern ist das Muttersein viel mehr mit Aufopferung und Märtyrersein verbunden.“ Das zeige sich auch an Äußerlichkeiten: So komme es durchaus vor, dass werdende Mamis, die während der Schwangerschaft viel zunehmen, in Frankreich bei der Gewichtskontrolle von Krankenschwestern mit strafenden Blicken bedacht werden. Hier offenbart sich eine  Einstellung, die viele Frauen in Frankreich gemeinsam haben. Motto: Ich bekomme ein Kind, will aber auch danach nicht nur Mutter, sondern auch Frau sein – und dazu gehört für viele Französinnen eine Top-Figur. „Ja, es ist schon erstaunlich, wie diszipliniert die Frauen in Frankreich beim Essen sind“, weiß Kuchenbecker. „Da wird auch während der Schwangerschaft im Restaurant die Hälfte der Portion übrig gelassen, oder gleich nur Salat bestellt.“

Auch in Frankreich ist nicht alles perfekt

Aber auch das französische System hat Schwächen und kann suboptimale Familienszenarien begünstigen. „Weil es zu wenig Teilzeitstellen gibt, übertreiben es manche Mütter und geben ihre Kinder zehn Stunden oder länger in die Krippen und lassen sie dann noch von den Babysittern abholen“, meint Kuchenbecker. „Wenn die Kinder die eigenen Eltern kaum mehr sehen, ist das traurig.“ Ihr Tipp: „Ich glaube, man muss versuchen, so eine Art Mittelweg zu finden.“ Das Allerwichtigste sei, sich vor der Geburt zu überlegen: Was möchte ich? Wie viel Zeit möchte ich mit meinen Kindern verbringen? Was möchte ich beruflich erreichen, wie viel Geld möchte ich verdienen – und wie viel Zeit möchte ich dafür investieren? An diese Fragen sollte man möglichst praktisch und emotionslos herangehen und dann eine Entscheidung treffen, zu der man – frei von schlechtem Gewissen – stehen kann. Dann könne man auch Vorwürfen wie „Warum hast du überhaupt Kinder bekommen?“ oder „Rabenmutter“ gelassener begegnen. Zumindest Letzteres bleibt Französinnen erspart: In Frankreich gibt es den Begriff „Rabenmutter“ nicht. In Frankreich gebe es eher die Angst, zur Gluckenmutter zu werden und das Kind überzubehüten, meint Tanja Kuchenbecker, die allen BabyExpress-Leserinnen wertvolle Tipps für die erfolgreiche Kombination von Kind & Karriere (siehe Kasten) gibt. Noch mehr Tipps gibt es in ihrem aktuellen Buch „Gluckenmafia gegen Karrierehühner“.

Französische Verhältnisse in Österreich?

Ende November und damit kurz vor Redaktionsschluss beschloss der Ministerrat mit den Bundesländern den „Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen“.
„Durch den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, vor allem für Kinder unter drei Jahren, wird es zukünftig leichter sein, Beruf und Familie zu vereinbaren“, meinte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in einer Aussendung. „Das neue Angebot, in Verbindung mit der Flexibilisierung des  Kindergeldes bietet nämlich die Möglichkeit einer früheren Rückkehr an den Arbeitsplatz. Kind und Beruf sollen einander nicht ausschließen, sondern verstärkt miteinander kombinierbar sein. Das ist ein Beitrag hin zu einem kinderfreundlicheren Österreich.“ Wie viele neue Kinderbetreuungseinrichtungen in welchen Bundesländern bis wann zur Verfügung stehen sollen, und ob es in absehbarer Zukunft – ähnlich dem französischen Modell – mehr staatliche
Gratis-Angebote beziehungsweise verstärkte finanzielle Unterstützung für Eltern geben soll, dazu hat sich der Kanzler vorerst nicht geäußert.

 

Karenz als Karrierechance

Auch wer die Karenzzeit voll ausnützt, kann danach beruflich durchstarten. Zum einen trainiert man beim Leben mit dem Baby wertvolle Soft Skills wie
Flexibilität, Einfühlungsvermögen, oder Verantwortungsgefühl. Die Karenzzeit kann aber auch genutzt werden, um „Hard Skills“ zu erwerben: „Gönnen“ Sie sich z. B. einen Kurs oder ein Weiterbildungsprogramm, das ein, zwei Mal pro Woche stattfindet. Der Kontakt zur „Jobwelt“ bzw. zu Menschen, bei denen sich nicht alles um Babys dreht, wird Ihnen gut tun. Vielleicht nutzen Sie die Karenzpause aber auch, um Ihre berufliche Zukunft komplett neu zu überdenken. An Selbstvertrauen sollte es dabei nicht mangeln: In Ihrem Körper ist ein neues Leben entstanden, Sie haben ein Kind zur Welt gebracht. Was ist dagegen schon eine berufliche Neuorientierung?

Mama & Business Woman: So können Sie privat und veruflich erfolgreich sein

ZEIGEN SIE MUT ZUR LÜCKE
Zu hohe Ansprüche an sich selbst erschweren den Spagat zwischen Kind und Karriere. Bestimmt finden auch Sie Bereiche, in denen Sie sich von Ihrem Perfektionismus verabschieden können. Es muss nicht immer jedes Hemd perfekt gebügelt sein, oder?
GÖNNEN SIE SICH ENTSPANNUNG
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie „nur“ für Job und Familie leben, dann sind Sie auf keinem guten Weg. Gönnen Sie sich Spaß, und zwar auch „exklusiv“ nur für Sie selbst (Kino, Freundinnen treffen, Sport, etc.). Glückliche, entspannte Mütter tun auch den Kindern gut.
WICHTIGES VON UNWICHTIGEM TRENNEN
Wer sich zu viel vornimmt, erreicht oft wenig und beendet den Tag mit blank liegenden Nerven. Privat wie im Berufsleben gilt: Wenn viel zu tun ist, überlegen Sie, was wirklich sofort erledigt werden muss, was warten kann, und was Sie eventuell delegieren können.
EIN NETZWERK AUS HELFERN
Beide Eltern haben abends wichtige Meetings und der Babysitter ist krank? Um solche Szenarien zu vermeiden, sollten Sie mehrere Babysitter auf Abruf bereit haben. Ideal sind natürlich Verwandte oder Freunde, die immer wieder auf Besuch kommen.
AUCH PAPA MUSS RAN
Selbst wenn das „klassische“ Rollenbild (Frau am Herd, Mann beim Geldverdienen) aufgebrochen wird, ist die Frau meist für die Hausarbeit zuständig. „Ermuntern“ Sie Ihren Gatten zu mehr Einsatz, und akzeptieren Sie, dass er manches etwas anders macht als Sie.
WO GEHST DU HIN, MAMI?
Kleinkinder verstehen nicht, warum die Eltern fast täglich in die Arbeit müssen. Erklären Sie, was Sie dort machen, und was Sie mit dem Geld, das Sie dafür bekommen, kaufen können. Und nehmen Sie Ihr Kind einmal mit, damit es sieht, wo Sie so viel Zeit verbringen.
KEIN SCHLECHTES GEWISSEN
Sie haben sich für „Kind und Karriere“ entschieden. Stehen Sie dazu, lassen Sie sich auf keine „Rabenmutter“-Diskussionen ein. Und nie vergessen: Für Kinder ist eine glückliche Mutter oft besser als eine „Märtyrerin“, die für die Familie alle Träume & Ziele geopfert hat.
NICHT STÄNDIG DEN ENTERTAINER SPIELEN
Gewöhnen Sie Ihre Kinder von Anfang an daran, dass Mama und Papa auch ein eigenes Leben haben. Die Kinder können am Wochenende genauso gut einmal kurz alleine spielen, wenn die Eltern zum Beispiel in Ruhe frühstücken oder Zeitunglesen wollen.
DIE KUNST DES „NEIN“-SAGENS
Wer nicht selbst Grenzen setzt, wird oft ausgenützt bzw. mit Arbeit zugeschüttet. In solchen Fällen kann Überlastung bis hin zum Burn-Out die Folge sein. Deshalb ist es wichtig, hin und wieder „Nein“ sagen zu können – zum Arbeitgeber, aber auch zu den Kindern.
SOZIALEM DRUCK WIDERSTEHEN
Eine lästige Einladung hier, ein langweiliger Besuch dort. Wer so seine spärliche Freizeit vergeudet, hat nicht viel vom Leben. Sagen Sie auch hier öfter „Nein.“ Enthusiasmus und Glücksgefühle sind für berufliche und private Erfolge sehr wichtig.

„Die Französinnen gehen lockerer und weniger perfektionistisch an ihre Mutterrolle heran.“ Tanja Kuchenbecker Die Journalistin, Autorin und zweifache Mutter lebt seit 15 Jahren in Paris.


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