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Der ewige Wettlauf gegen die Zeit

Dr. Hanna Vielgrader, 40, genießt einen entspannten Sonntag-nachmittag mit ihren Töchtern Tamina-Laetitia und Sharone-Talissa. Ein plötzlicher Anruf unterbricht die Familien-Idylle: Eine Vikunja- Dame (ein Lama-ähnliches Tier, Anm.) bekommt gerade ihr Baby, und dabei gibt es Komplikationen. Ein Notfall für Hanna Vielgrader, die ja nicht „nur“ Mutter, sondern auch Tierärztin im Tiergarten Schönbrunn ist. Weil Gatte Charly auf einem Seminar weilt, ist jetzt besondere Flexibilität gefragt: Die Kinder werden bei Freunden untergebracht, Dr. Vielgrader fährt eilig in den Zoo. Sie zieht sich im Auto um und schafft es gerade noch rechtzeitig, um bei der Geburt helfen zu können. „Nach der Geburt habe ich das Kalb mit Heu geschrubbt, und an die Zitzen gehängt, es war ein schönes Erlebnis“, erzählt Hanna Vielgrader. „Später habe ich noch meine Kinder in den Zoo geholt und ihnen den Neuankömmling gezeigt.“

Ein tolerantes und flexibles Netzwerk hilft

Dr. Hanna Vielgrader ist „froh und dankbar“, dass sie ihren Traum von der eigenen Familie verwirklichen und ihren Traumberuf ausüben kann. Auch wenn der Spagat zwischen Kind und Karriere nicht immer einfach ist. „Ich habe oft Wochenenddienste, und immer wieder gibt es Notfälle“, berichtet die Tierärztin. „Besonders früher, als die Kinder noch kleiner waren, war es enorm wichtig, ein gut organisiertes Netzwerk zu haben.“ Vor allem ihr Gatte, aber auch ihre Mutter und ihre beiden Brüder sind immer wieder spontan für sie eingesprungen – und mussten dafür oft selbst Freizeit opfern. „Diese Unterstützung erfordert riesig viel Toleranz und sehr viel Respekt vor dem anderen und seiner Arbeit“, weiß Hanna Vielgrader. Als Tierärztin im Tiergarten Schönbrunn wird sie auch von den Freunden ihrer Kinder „teilweise stark bewundert und viel gefragt“ – und zwar nicht erst, seit sie im vergangenen Jahr
die Geburt des Schönbrunner Pandababys Fu Long medizinisch geleitet hat. „Wenn ich im Zirkus arbeiten würde, wäre es für die Kinder wohl ähnlich spannend“, schmunzelt Dr. Hanna Vielgrader.

Zwei Babys und eine Firma

Man muss nicht mit wilden Tieren zu tun haben, um als Frau bei der Vereinbarung von Mutterrolle und Karriere ein spannendes Leben zu führen. Jana Varga-Steininger, 35, hat im Jahr 2003 die Agentur „AuPair & Family“ (heute: „Aupair Austria“) gegründet. Ihre Tochter Julia war damals 2. „Ich habe 20 Monate nach Julias Geburt ein Au-Pair aufgenommen“, berichtet Varga-Steininger. „Mit dem Service der vermittelnden Agentur war ich nicht wirklich zufrieden und ich habe mir gedacht: Das kann ich besser.“ Wer eine Firma gründet, erlebt fast immer turbulente Zeiten. Für eine frischgebackene Mutter gilt das in besonderem Maße. Wenn dann der Arbeitsaufwand immer mehr wird, und noch eine Schwangerschaft dazukommt, wird es dann so richtig spannend. „Mit einem Kind geht das alles irgendwie. Ein Kind kann man schnell wo unterbringen“, weiß Varga- Steininger. „Schwierig wurde es dann
mit dem zweiten kleinen Kind.“

Stillen bei den Business-Terminen

Während die Firmenchefin zum zweiten Mal schwanger ist, läuft das Geschäft gerade das zweite Jahr. „Das war zeitweise sehr mühsam“, erzählt Jana Varga-Steininger. „Wie wohl die meisten Unternehmer hatte ich am Anfang eine Durststrecke: viel Arbeit, wenig Brot.“ Die Durststrecke wird überwunden, Varga-Steininger bringt ihre Firma auf Erfolgskurs. Und das mit zwei kleinen Kindern. „Solange ich gestillt habe, war mein Sohn Richard bei fast allen Terminen dabei.“ Dabei macht die Business-Lady eine interessante Beobachtung. „Wenn ein Kind nur im Hintergrund plappert, ist das bei Terminen überhaupt kein Problem. Das wird voll akzeptiert. Aber ein Hindernis darf ein Kind keines sein.“ Sprich: Einen Termin platzen zu lassen, weil das Baby krank ist – dafür gibt es kaum Verständnis. Daher war und ist es auch für Frau Varga-Steininger enorm wichtig, dass neben einem Hort und Krabbelstube auch ihr Gatte, ein Au-Pair , Großeltern, Nachbarn und Freunde bei der Kinderbetreuung helfen. „Man braucht ein großes Netzwerk und sollte immer doppelt besetzt sein, falls jemand ausfällt oder plötzlich ein Termin anfällt“, rät die Geschäftsfrau.

Zwischen Wissenschaft und Windelwechseln

Quantenmechanische Berechnungen, partielle Differentialgleichungen, dann wieder Windelwechseln oder Babybrei zubereiten. Dr. Rada Maria Weishäupl, 29, hat ein abwechslungsreiches Leben. Die Wissenschaftlerin ist derzeit in Teil-Karenz. Da versorgt sie einerseits ihre Kinder Stefan, 2 Jahre, und Anna, 9 Monate. Wenn sie arbeitet, widmet sich die Wissenschaftlerin oben genannten mathematischen Problemstellungen – und liefert Forschungsergebnisse ab, die ihr schon zahlreiche Preise und Auszeichnungen (u.a. das „Women in Science- Stipendium 2007“) eingebracht haben. Wenn sie arbeitet, passt ihre Mutter auf die Kinder auf. „Am liebsten arbeite ich auf der Uni“, erzählt Dr. Weishäupl. „Da habe ich immer meine Ruhe und kann mich konzentrieren. Zu Hause arbeite ich eigentlich nur abends, wenn die Kinder schlafen.“ Auch dann ist aber nie sicher, dass sie die Zeit im Reich der mathematischen Formeln in Ruhe nutzen kann. „Wenn ein Kind aufwacht, und ich noch nicht ganz fertig bin, haben die Kinder Priorität“, betont die Wissenschaftlerin. „Und ich rechne dann später weiter. Das Gute ist, dass ich als Forscherin nicht an fixe Arbeitszeiten gebunden bin.“

Kind & Karriere, ein Training fürs Leben

Aber auch geregelte Arbeitszeiten können bei der Vereinbarkeit von Kind und Karriere Vorteile bringen. Ulrike Marinoff, 44, hat am Anfang ihrer Karriere bei der Stadt Wien bei der MA 4 für Steuern und Finanzen gejobbt. „Da konnte ich meistens relativ pünktlich Schluss machen und war wenigstens ab dem späten Nachmittag für meine beiden Kinder da“, erzählt Marinoff. Als sie in den Media-Bereich der Stadt Wien wechselte, änderte sich das schnell. „Ohne zwei Großmütter und später dann den Kindergärten, die in Wien nicht schon um 16:00 Uhr die Kinder ‚vor die Türe‘ stellen, hätte ich meinen Job einfach nicht machen können", betont Ulrike Marinoff. Mittlerweile sind ihre Kinder Lydia, 17, und Georg 21 Jahre alt. Und Ulrike Marinoff leitet die Media-Abteilung des Presse- und Informationsdienstes (PID) der Stadt Wien. „Die Zeit mit kleinen Kindern und einem aufwendigen Job war ein Trainings fürs Leben“, schmunzelt Frau Marinoff. „Seither kann mich nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen ...“

Es ist ein Wettkampf gegen die Zeit

Über eine ausgesprochen hohe Belastbarkeitsgrenze verfügt wohl auch Uschi Fellner, 45. Sie hat als Herausgeberin und Chefredakteurin der Tageszeitung „Österreich“, als „Madonna“-Macherin, „Woman“-Erfinderin und als „News“- Chefredakteurin die heimische Medienlandschaft geprägt. Uschi Fellner hat aber auch vier Kinder zur Welt gebracht: Niki, 22, Jenny, 19, Desirèe, 10, Benedikt, 3 Jahre alt. „Meine Kinder waren und sind mir immer das Wichtigste“, betont Fellner. „Und generell ganz klar wichtiger als jedes Medienprodukt. Es ist natürlich immer ein Wettkampf gegen die Zeit. Aber ich habe es  mittlerweile geschafft, und da bin ich auch sehr stolz, die Wochenenden komplett arbeitsfrei zu halten.“ Was würde die Medienmacherin einer jungen Frau raten, die überlegt, ob sie sich die Doppelbelastung Kind & Karriere „antun“ soll? „Kind & Job, das ist kein einfacher Weg“, sagt Uschi Fellner. „Und es bringt für die Familie sicher einige Vorteile, wenn die Frau und Mutter immer zu Hause ist. Aber wir wissen ja, dass jede zweite Ehe geschieden wird. Ich glaube, dass es daher sehr gefährlich ist, sich an Heim und Herd zurückzuziehen und sich in die komplette Familienabhängigkeit zu begeben. Für die meisten Frauen ist es ohnehin wohl nicht das Gelbe vom Ei, nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr zu arbeiten."

 

„Verlass dich auf dich selbst und schaffe dir ein gut organisiertes Netzwerk, dann kannst du deinen Traum leben. Fünf Kinder, ein ganz toller Job, das ist alles drin, wenn man sich gut organisiert.“ Dr. Hanna Vielgrader, Tierärztin im Tiergarten Schönbrunn, mit ihren beiden Töchtern Sharone- Talissa, 12, und Tamina-Laetitia, 7

„Ein Baby bei Business-Terminen dabei zu haben, das wird toleriert. Aber einen Termin platzen zu lassen, weil ein Kind krank ist, das geht nicht. Ein flexibles Betreuungs- Netzwerk ist daher unumgänglich.“ Jana Varga-Steininger, Geschäftsführerin „Aupair Austria“ mit ihren Kindern Julia, 7, und Richard, 3

„Wenn die Kinder wach sind, kann ich zu Hause nicht arbeiten. Das Gute ist, dass ich als Forscherin nicht an fixe Arbeitszeiten gebunden bin. Wie man einen Job mit Kindern bewältigt, sollte man im Vorfeld genau planen.“ Dr. Rada Maria Weishäupl, Wissenschaftlerin und ihre Kinder Anna, 9 Monate, und Stefan, 2 Jahre

„Bei der Entscheidung für oder gegen Kind & Karriere sollte man auf sein Bauchgefühl hören. Arbeiten und Kinder großziehen, das ist nicht einfach, aber ich glaube, dass es sehr gefährlich ist, sich in die komplette Familienabhängigkeit zu begeben.“ Uschi Fellner, „Woman“-Erfinderin, Herausgeberin und Chefredakteurin der Tageszeitung „Österreich“, „Madonna“- Macherin und vierfache Mutter

„Wichtig sind perfekte Organisation, Flexibilität, und gute Unterstützung. Ohne zwei Großmütter und die Kindergärten, die in Wien nicht schon um 16:00 Uhr die Kinder ‚vor die Türe‘ stellen, hätte ich meinen Job einfach nicht machen können". Ulrike Marinoff, Leiterin der Media-Abteilung des Presse- und Informationsdienstes (PID) der Stadt Wien und zweifache Mutter

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