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Jung und Mutter, nein Danke!

gt! Schon als Fünfzehnjährige hatte Elisabeth K. ganz klare Vorstellungen davon, wie ihr Leben verlaufen sollte. Studieren wollte sie und dann ihre berufliche Karriere verfolgen. Die Träume von Heirat und Familie, die die meisten ihrer MitschülerInnen hatten, waren nicht ihre. Und dann sollte alles ganz anders kommen…

Elisabeth K. wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Sexualität eindeutig ein Tabuthema war. Ihr Vater war bereits relativ alt, als Elisabeth geboren wurde, nämlich über 50. Der riesige Generationssprung war in Elisabeths Augen nicht die beste Basis, um über die Themen, die sie in dieser Hinsicht bewegten, offen zu reden. Ihre Mutter, die sehr jung geheiratet hatte, stammte selbst aus konservativen Verhältnissen. Es war ihr – erziehungs- und einstellungsbedingt – unmöglich, mit Elisabeth und ihrem Bruder Themen wie Sex und Verhütung anzusprechen. „Ich glaube, für sie war es damals eine logische Schlussfolgerung, dass ihre Kinder keinen Sex haben würden, wenn sie nicht darüber sprach“, erinnert sich Elisabeth zurück. Und dennoch war es indirekt ihre Mutter, die – ungewollt – dafür sorgte, dass sich die Lebenswege von Elisabeth und ihrem ersten Freund tatsächlich kreuzten. Denn obwohl sich Elisabeth strikt weigerte, meldete sie ihre Tochter wenige Monate nach ihrem 16. Geburtstag zu einem Tanzkurs an. Hier lernte sie Pascal kennen: drei Jahre älter als sie, sehr sympathisch – und sehr an ihr interessiert. Aus den wöchentlichen Tanzabenden und mehreren Kinobesuchen wurde Freundschaft, und aus der Freundschaft sehr bald Liebe. Dass Elisabeth nun einen Freund hatte, blieb ihrer Mutter nicht verborgen. Gutheißen konnte sie diesen Umstand nicht, direkt darüber sprechen aber auch nicht.

Kein Geld, um sich Verhütungsmittel zu kaufen

Trotz ihrer strengen Erziehung war es für Elisabeth völlig natürlich, mit ihrem Freund zu schlafen. Schuldgefühle hatte sie keine. Leichte Sorge bereitete ihr lediglich das Thema Verhütung. Da sie kein Taschengeld bekam und große Scheu davor hatte, aus eigenem Antrieb zu einem Gynäkologen zu gehen, verzichtete sie auf hormonelle Verhütung. Ihre Mutter konnte sie aufgrund deren strikter Einstellung weder bitten, sie zum Frauenarzt zu begleiten, noch die Pille zu bezahlen. Das junge Paar verhütete folglich mit Kondomen, und dann, später, nach der Temperaturkurve – eine Methode, von deren Zuverlässigkeit Elisabeth lange überzeugt war. Nachdem sie regelmäßig erbrechen musste, ging sie zum Hausarzt, der ihr beruhigend versicherte, dass es keine Blinddarmentzündung war. Seine Frage „Könnten Sie eventuell schwanger sein?“ machte sie nachdenklich. Ein Schwangerschaftstest erhärtete den Verdacht. Mit mulmigem Gefühl ging Elisabeth in Begleitung ihres Freundes zum Gynäkologen. Ein Ultraschall brachte endgültige Gewissheit. „Sie sind schwanger“, stellte der Arzt fest, um lückenlos mit einem Blick auf das junge Paar anzuschließen: „Wollen Sie das Kind bekommen?“

Schwangerschaft bestätigt: Auf die erste Freude folgte der Realitätsschock

Elisabeths spontane Antwort: „Ja, das wollen wir!“ Sie sei in diesem Moment nahezu betäubt gewesen, erinnert sie sich heute zurück, und war nicht sofort in der Lage, klar zu denken. Die Situation war für sie zu abstrakt, zu irreal. „Pascal und ich sind zu ihm in die Wohnung gefahren. Den ganzen Heimweg über haben wir uns mit einem dümmlichen Lächeln angegrinst, haben Händchen gehalten und waren eigentlich total glücklich.“ Zu Hause angekommen, wandelte sich die Stimmung schlagartig. Die knallharte Realität holte sie ein: Elisabeth war erst 19, Pascal knapp 22; sie waren zwei Studenten im ersten Studienjahr, ohne eigenes Einkommen und ohne abgeschlossene Ausbildung. „Als uns unsere Situation bewusst wurde, haben wir erst einmal beide geheult“, gibt Elisabeth zu. „Aufgrund unserer finanziellen Lage sahen wir zunächst keinen Ausweg.“ Abtreibung sei für sie jedoch niemals zur Debatte gestanden. Die Alternative wäre für sie gewesen, das Kind zu bekommen und zur Adoption freizugeben, doch ihr war damals schon klar, dass sie sich dann ein Leben lang fragen würde, wie es ihrem Kind ginge und wie es sich wohl entwickle. Auf die ersten Tränen folgte nüchterne Kalkulation. Das junge Paar listete sämtliche Einkünfte auf – die Waisenrente, die Elisabeth bekam (ihr Vater war inzwischen verstorben), und den Unterhalt, den Pascal von seinem Vater bezog. Schnell war klar: Viel war es wirklich nicht. Doch es könnte funktionieren. Bereits am Abend desselben Tages stand für Elisabeth und ihren Freund fest, dass sie das Kind bekommen und auch behalten würden. Die Reaktionen auf ihre Entscheidung waren vielfältig. „Ihr seid ja komplett verrückt!“ lautete der spontane Kommentar von Elisabeths bestem Freund. Eine Kommilitonin meinte dagegen: „Gratulation, ich freue mich!“ Freude herrschte auch bei Pascals Mutter vor; sie hatte sich schon länger nach einem Enkelkind gesehnt. Furcht hatte Elisabeth – aufgrund der Umstände – vor allem vor ihrer Mutter. Was würde sie wohl dazu sagen? Innerlich angespannt und mit dem Schlimmsten rechnend, trafen sich Elisabeth und ihr Freund mit der Mutter im Eissalon. „Was würdest du sagen, wenn ich schwanger wäre?“, begann Elisabeth dann vorsichtig. Mehr musste sie nicht sagen. Ihre Mutter verstand. Wider aller Erwartungen reagierte sie völlig gelassen und durchaus positiv!

Eiserner Sparkus – und trotzdem niemals Urlaub

Mit knapp über 1.000 Euro Nettohaushaltseinkommen gestaltete das junge Paar fortan das gemeinsame Leben – in einer Hauptstadt wie Wien eine Herausforderung. Dass dies überhaupt möglich war, lag an einer äußerst preisgünstigen Wohnung, die sie über Verwandte bekamen, und am eisernen Sparwillen der beiden. Es gab nie Urlaub und auch keine Wochendausflüge. Elisabeth erinnert sich an wöchentliche Einkäufe, in denen sie teilweise bis zu vier Supermärkte aufsuchten, um hier die jeweils billigsten Lebensmittel zu ergattern. Manchmal lagen nur wenige Cents Unterschied zwischen den Preisen. Doch in dieser Situation war auch jeder einzelne Cent wichtig. Nebenbei versuchte Elisabeth, ihr Studium fortzusetzen. Denn: „Mir war immer bewusst, dass eine gute Ausbildung die Voraussetzung ist für einen guten Job.“ Hochschwanger nahm sie noch an Vorlesungen teil und legte Prüfungen ab. Am 15. April 1999 wurde dann Sebastian geboren. Wenngleich das gemeinsame Leben schon zuvor keine finanziellen Extras zugelassen hatte – mit dem Baby wurde das Budget erwartungsgemäß noch knapper. Wenig Geld in der Tasche, ein naturgemäß häufig schreiendes Baby und später ein oft sehr aufgewecktes Kleinkind, das rund um die Uhr betreut werden musste, nebenbei noch das Studium mit der Vorbereitung auf schwere Prüfungen … Nicht selten lagen bei Elisabeth und Pascal die Nerven blank. Die Beziehung war einem harten Belastungstest unterzogen, dem sie beinahe nicht standhielt. Nach einer kurzen Trennung fand das Paar jedoch wieder zusammen. Heute ist Sebastian neun Jahre alt und ein aufgeweckter, vielseitig interessierter Junge. Wenn Elisabeth mit ihm unterwegs ist, wird sie meist für seine ältere Schwester gehalten. Bei Behördengängen muss sie sich extra ausweisen, damit ihr ihre Rolle als Erziehungsberechtigte abgenommen wird. Mit Pascal ist sie mittlerweile verheiratet. Beide haben ihr Studium beendet, beide sind nun berufstätig. Sebastian wird oft von seiner Großmutter betreut – Elisabeths Mutter –, über die Elisabeth sagt: „Das Verhältnis zu meiner Mutter hat sich komplett gewandelt. Sie ist für uns die wichtigste Stütze und war in all den Jahren die größte Hilfe.“ Klingt nicht nur nach einer Erfolgsgeschichte, sondern ist es wohl auch,

So jung Mutter zu werden, ist nicht erstrebenswert

Dennoch findet Elisabeth das Thema Verhütung essenziell wichtig. „Erwachsen werden bedeutet, dass man die große Chance wahrnehmen kann, sein Leben selbst zu gestalten und selbst zu entscheiden“, sagt sie. „Ich selbst hatte diese Chance nicht. Als ich erwachsen wurde, war ich bereits Mutter, hatte die Verantwortung für ein Kind und musste mich nach dessen Bedürfnissen richten.“ Jungen Mädchen würde sie daher dringend zu einer zuverlässigen Form der Verhütung raten. „Hätte ich eine kleine Schwester, würde ich ihr sagen: Nimm die Pille und entscheide so selbst, wann du reif genug bist für ein Kind.“ Ohne abgeschlossene Ausbildung, ohne Einkommen und vor allem in so jungen Jahren Mutter zu werden, ist in ihren Augen alles andere als erstrebenswert. „Während andere ins Kino gingen, unbeschwert in der Sonne lagen oder gemeinsam Sport machten, wechselten wir Sebastians Windeln und fütterten ihn mit Brei.“ Und fügt leise hinzu: „In dieser Zeit hat es mich als Person nicht mehr gegeben. Es gab nur noch den Kleinen.“ Seit der Geburt ihres Sohnes verhütet Elisabeth selbst mit einer Langzeit-Verhütungsmethode. Weitere Kinder sind vorerst nicht geplant. „Ich war die Einzige in meiner Klasse, die weder Heirat noch Kinder anstrebte“, resümiert sie heute. „Und dann war ich die Erste, die all dies hatte …“

Ohne Babybauch geht's auch

Pille oder Kondom – viele Frauen machen sich leider zu wenig Gedanken über die verschiedenen Formen der Verhütung.

Frauen entscheiden sich häufig nicht für die am besten geeignete Form der Verhütung. Der Grund dafür sind falsche Vorstellungen und Ängste. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie mit schottischen Frauen gekommen. Die Befragung von 55 Teilnehmerinnen ergab, dass viele sich aus Angst davor zuzunehmen,
gegen eine lange wirkende Form der hormonellen Verhütung entschieden. Spirale und Implantate wurden abgelehnt, da die Frauen weder Untersuchungen noch Eingriffe wollten. Viele wählten ganz einfach die „gewöhnliche“ Pille, weil auch ihre Freundinnen sich dafür entschieden hatten.
Das britische Gesundheitsministerium und die offiziellen schottischen Stellen machen derzeit Werbung für lang wirkende Verhütungsmittel. Sie sind sicher und haben nur wenige Nebenwirkungen. Die gültigen Richtlinien besagen, dass sie Frauen von den Ärzten angeboten werden sollten. Die aktuelle Studie
weist jedoch darauf hin, dass sie nicht besonders beliebt  sind. Nur eine von zehn Frauen gab an, sie im vergangenen Jahr eingesetzt zu haben. Das entspricht weniger als einem Viertel der Frauen, die entweder die Pille nehmen oder Kondome verwenden.

Angst vor Gewichtszunahme
Die Wissenschaftler wollten herausfinden, warum die Frauen so und nicht anders verhüteten. Es zeigte sich, dass die beiden größten Ängste waren, dass langfristig ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden könnte und dass sie kurzfristig zunehmen würden. Eine jüngere Frau meinte, dass man schließlich nicht wissen könne, welche Auswirkungen die weniger beliebten Formen der Verhütung auf die Gesundheit haben würden. Eine andere Teilnehmerin erklärte, dass die Spirale nicht in Frage komme, da sie von einem Arzt eingesetzt werden muss. Sie hasse die Vorstellung, dass jemand in diesem Bereich ihres Körpers herumdoktere. Die Vorstellung eines Implantats unter der Haut war für manche Frauen genauso abschreckend. Andere gaben an, dass sie sich einfach die Pille hatten verschreiben lassen, ohne sich über andere Formen der Verhütung auch nur zu informieren. Eine der Frauen brachte es auf den Punkt: Alle nehmen die Pille, also habe ich danach gefragt und sie bekommen. Ein Umstand, der nur zu selten berücksichtigt wird: Die Ärzte konzentrieren sich auf medizinische Fragen. Die Frauen machen sich Gedanken über ihr Gewicht, ihre Haut und ihre Chancen, später einmal schwanger werden zu können.

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