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Family Business

Jeder von uns kauft immer wieder bei (oder Produkte von) Familienunternehmen ein. 75 Prozent der Unternehmen in der EU sind Familienbetriebe, Etwa 25 der größten 100 Firmen Europas ebenso. Rund 17 Millionen Familienbetriebe in der Europäischen Union beschäftigen laut The Familiy Enterprises Institute rund 100 Millionen Menschen. In Deutschland beschäftigen Unternehmen, die zum Großteil in Familieneigentum stehen, rund 70 Prozent der Arbeitnehmer. Kurz: Familienbetriebe stellen die Mehrzahl aller Unternehmen – und das weltweit, in Österreich sind es sogar 80 Prozent. Und das sind – siehe Beispiele – nicht nur KMUs, sondern heimische, wenn nicht europäische Branchenleader, deren „systemimmanente Vorzüge“ sich auch in Zeiten von  Konsumzurückhaltung als relativ passabler Flautenschieber erweisen könnten.

Antrieb: Nachhaltigkeit

„Jeder Unternehmer (Gründer) ist getragen von der starken Vision, mit seinem Produkt/seiner Dienstleistung das Leben des Kunden zu erleichtern, zu  verschönern, zu verbessern u.v.m. Das bringt die starke Antriebsmotivation. Das ist die Ursprungsenergie im Familienunternehmen. Hier wird gearbeitet, um etwas zu (er-)schaffen!“, erklärt Dr. Manuela Mätzener vom ifub – Institut für Familien & Betriebe. „Am Weg und durch den Arbeitsalltag kommt manchen Familienbetrieben dieser unglaubliche Motor abhanden. Die aktuell sehr hohe mediale Präsenz von Familienunternehmen steigert nun den Selbstwert der Unternehmerpersönlichkeiten und das Ansehen der Unternehmen in der Öffentlichkeit als attraktive Arbeitgeber. Das ist ein extremer Vorteil. Denn darin liegt das Engagement des Familienbetriebes, egal, wie man es nennt. Ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften, soziale erantwortung u.v.m.“ Eine Studie des Beratungsunternehmens INTES gemeinsam mit der WHU – Otto Beisheim School of Management hat zum Beispiel gezeigt, dass in Deutschland nahezu zwei Drittel der befragten Familienunternehmen jährlich bis zu 50.000 Euro und etwas mehr als vier Prozent sogar über eine Million Euro im Jahr in gemeinnützige Zwecke investieren. Dabei wird der Großteil des Engagements durch Spenden realisiert. Insgesamt gaben 93 Prozent der befragten Unternehmen an zu spenden, während nur 23 Prozent angaben, ihr Engagement auch durch eine eigene Stiftung zu realisieren. Und dass Familienbetriebe nachhaltiger wirtschaften können, ist ebenfalls alles andere als ein Nachteil. „Familienunternehmen können langfristiger planen. Börsenotierte Unternehmen sollten ja grundsätzlich alle paar Monate tolle Zahlen auf den Tisch legen können. Dadurch handelt man natürlich kurzfristiger“, bestätigt auch kika/Leiner- Geschäftsführer Mag. Paul Koch.

Werte hoch im Kurs

Zudem lässt sich beobachten, dass Werte wie Tradition, Sicherheit und Beständigkeit, doch auch Familie und Zu(sammen) gehörigkeit wieder an  Bedeutung gewinnen. Denn in Krisenzeiten ist die Familie zusammengerückt, hat den Gürtel enger geschnallt und sich so durchgebracht Ein weiteres Atout: kurze Wege und flache Hierarchien. Diese rasche Möglichkeit der Kurskorrektur fehlt dem Konzern. Mätzener: „Durch das Zusammenbrechen bzw. Auflösen von (Personal-)Kosten wird die „Familie“ des Unternehmens bewusst zerstört. Das lässt die Unsicherheit weiter wachsen, anstatt Ruhe und Stabilität zu vermitteln, wie es eben ein Familienbetrieb kann.“ Insofern geht auch die Expertin davon aus, dass sich Familienunternehmen in der Krise besonders gut bewähren können.

Hoher Stellenwert

Als Geschäftsführerin des ifub haben Familienbetriebe für Manuela Mätzener auch abseits ihrer Wirtschaftskraft einen ganz großen Stellenwert. Denn: „Familienbetriebe leisten etwas, um sich etwas leisten zu können. Unternehmen schießen Geld vor, um mehr Geld zu verdienen.“ Das ist die  Unterscheidung aus der Sicht des Geldes. Aus der Sicht der Evolution haben sich alle Unternehmen aus der Familie heraus entwickelt. Und so kamen erst später „Fremde“/ Geschäftspartner in das Familienunternehmen dazu. Das war nicht die Auflösung der Familie, sondern die Anreicherung der Form durch das Unternehmen und das Prinzip der Auswechselbarkeit in der Geldwirtschaft. Fruchtbar bleibt das Ganze nur, wenn die Unternehmen auch als „Familie“ geführt werden. Die beiden oben genannten Prinzipien müssen sich vereinen und man muss sie trennen. Wo das gelingt, wird ein Leben in der Fülle erreicht. Und viele Familienbetriebe schaffen genau das.

Seit 718 v. Chr.

Das älteste Familienunternehmen der Welt existiert seit 718 vor Christi Geburt: Japans Hoshi Hotel. Antinori produziert edle Tropfen seit 1385. Die Beretta trifft seit 1526. Und immerhin: Österreichs ältestes Familienunternehmen, das heutige Salzburger Romantikhotel und Restaurant der Familie Friedrich  Gmachl, besteht seit über 670 Jahren und wird in der 22. Generation geführt. Das sind absolute Highlights an Beständigkeit. Denn an der Übergabe an die nächste Generation scheitert schon einmal die satte Hälfte der Familienunternehmen. Und wenn die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen nicht stimmen, dann schafft es überhaupt nur rund ein Drittel in Runde zwei. Und nur drei bis vier Prozent schaffen es in die dritte Generation. Warum aber schaffen es manche, wie der Textilhersteller John Brooke & Sons, Ltd seit 1541, das Zepter weiterzugeben, andere nicht? Das Geheimnis liegt im Umgang mit den großen Drei: Familie, Unternehmen, Vermögen. „Erfolgreiche Familienbetriebe können diese drei im Familienbetrieb wirkenden Systeme gut differenzieren. Möglicherweise gibt es bereits erfolgreiche Rituale für alle drei Bereiche. Oft zeigt sich auch, dass erfolgreiche Familienbetriebe den ‚Familienrat‘ institutionalisiert haben und eine hohe Gesprächs- und Konfliktkultur vorherrscht. Je mehr Generationen ein Betrieb besteht, desto größer wird die Bindung ans Unternehmen. In Aufstellungen zeigt sich jedoch häufig, dass die Gründerenergie meist eine Generation überspringt“, führt die ifub-Expertin aus. Manche Branchen haben durch die Globalisierung und die „Großen“ neue, starke Mitbewerber am Markt bekommen. Mätzener: „Vor allem der Tourismus und der Handel sind davon betroffen und brauchen neue Geschäftskonzepte. Die Dienstleistung rückt immer mehr in den Vordergrund, vor allem in den beiden genannten Branchen. Das hat auch damit zu tun, dass sich über die Generationen Werte verändern, z.B. in Richtung
Familie, Freizeit, Work-Life-Balance u.v.m. Die Jungen haben aufgrund ihrer Ausbildung und Lebenseinstellung oft andere Vorstellungen als die Alten vom
Unternehmertum. Sie sind nicht mehr bereit, Tag und Nacht und das sieben Tage die Woche für einen Hungerlohn zu arbeiten. Das macht aus ihrer Sicht
eine Übernahme unattraktiv und wirtschaftlich gesehen ist es das manchmal auch tatsächlich.“

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