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Nicht alle Männer haben Haare auf dem Rücken

BabyExpress: Neue Platte, neues Kind – wie geht’s so, Herr Jungmair?

Bernd Jungmair: Danke, sehr gut. Es ist eine extrem aufregende, intensive Zeit, teilweise auch eine schwere Zeit. Wir haben während dieser Schwangerschaft so ziemlich alle negativen Klisches erlebt, die es gibt. Angefangen hat das ungefähr um die neunte Woche. Beim Combined Test haben sie uns gesagt, dass unser Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit behindert sein wird. Und dann der zweite Test. Da sieht man sich dann plötzlich mit moralischen Fragen konfrontiert, die man vorher verdrängen wollte. Scheiße, was wäre wirklich, wenn ... Wenn wir gewusst hätten, was da auf uns zukommt, wir würden diese Tests nicht mehr machen. Weil wir es nicht mehr wissen wollen würden. Im Nachhinein sagen wir: OK, wenn wir ein behindertes Kind bekommen hätten, hätten wir das akzeptiert. Aber vorher solche Entscheidungen treffen zu müssen, das ist brutal. Das wünsche ich wirklich niemandem. Wir sind zu Hause gesessen und haben auf einen Anruf gewartet. Zum Glück hat es dann ein Happy End gegeben. Die Ärztin hat angerufen und gesagt, dass unser Kind gesund sein wird – und dass es ein Mädchen wird. Nachdem wir schon zwei Buben haben, ja auch eine eher gute Nachricht.

Dennoch war das sicher eine schwere Zeit ...
Absolut. Heidi (Jungmairs Gattin, Anm.) musste wegen der problematischen Schwangerschaft ja schon einige Monate vor der Geburt ins Spital und durfte dort die meiste Zeit nur liegen. Ich musste also die Kinder alleine versorgen, und gleichzeitig mit „Heinz aus Wien“ unsere neue Platte aufnehmen. Also
habe ich eine Babysitterin engagiert. Das hat aber nicht wirklich funktioniert, weil Emil zu zwinkern begonnen hat.

Er hat zu zwinkern begonnen?
Ja. Das war ein nervöser Tick, den er entwickelt hat, weil ich so oft weg war. So etwas ist ein eindeutiges Warnsignal, dass man anfängt, seine Kinder zu vernachlässigen. Das hat mir natürlich sehr wehgetan. Ich selbst habe ja nur relativ kurz einen Papa gehabt. Mein Vater ist gestorben, als ich 10 war. Vielleicht ist es mir auch deshalb so ein besonderes Anliegen, möglichst immer für meine Kinder da zu sein. Da verzichte ich oft auch auf viel Geld. Für einen Kindergeburtstag würde ich jederzeit ein Konzert oder einen Job canceln. Als Emils nervöser Tick angefangen hat, habe ich dann weniger gearbeitet, und die Aufnahmen mit Heinz nur mehr in der Nacht gemacht. Deshalb haben wir auch die ganze Platte gemeinsam live eingespielt, wie damals, beim alten Elvis. Das war zwar nervig und anstrengend, aber auch sehr leiwand, wenn man das Ergebnis betrachtet.

Bei Almas Geburt waren Sie dann dabei?
Selbstverständlich war ich dabei, wie bei allen Kindern. Wir hätten zwar an dem Tag einen Dreh für unser Video zu „Mein ganzes Herz“ gehabt. Wir haben das Drehbuch für das Video aber extra umgeschrieben und meine Szenen nachgedreht. Deshalb bin ich im Video nie mit den anderen gemeinsam zu
sehen. Aber ich würde für meine Kinder jeden Job und jedes Konzert absagen. Das war auch schon so, als ich mit 30 zum ersten Mal Vater geworden bin. Ich habe immer schon Kinder gewollt. Unbedingt. Leider habe ich so lange gebraucht, bis ich Heidi gefunden habe (lacht). Wenn ich sie früher getroffen
hätte, hätten wir von mir aus schon wesentlich früher Kinder bekommen können. Obwohl (lacht), da muss man aufpassen: Heidi ist ja sechs Jahre jünger als ich.

Wie viele Jahre vor der ersten Schwangerschaft habt ihr euch kennen gelernt?
Drei Monate. Aber das war für mich überhaupt kein Problem. Da diskutieren wir zwar heute noch. Aber für mich war da schon klar, dass das etwas länger dauern wird mit der Heidi (lacht).

Heidi war ja schon Heinz-Fan, bevor ihr euch kennen gelernt habt ...
Ja. Aber das hat nicht soviel gebracht, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Heidi hat sich von mir auf die Rock’n-Roll-Art nämlich nicht rumkriegen lassen (lacht). Wir haben uns nach einem Heinz-Konzert kennen gelernt. Sie hat mir irrsinnig gut gefallen. Aber ich habe ihr lange den Hof machen müssen – und da war zuerst wochenlang überhaupt nichts. Dann haben wir uns öfter getroffen, und so hat sich etwas entwickelt. Aber mit der Rock’n-Roll-Art bin ich bei Heidi total abgeblitzt. Aber das kann ich ja sowieso nicht gut. Das beherrschen ja die Sänger eh besser. Ich bin nicht so der Bratekaiser. Leider nicht. Oder zum Glück nicht. Weil jetzt weiß ich ja, dass so eine Bratmasche bei der Heidi überhaupt nicht ankommt. Und dann wäre das allesvielleicht nichts geworden ...

Ihr habt „Heinz“ nicht darauf ausgelegt, davon leben zu können. Weil sonst Sicherheiten für die Familie und Dinge wie das schöne Haus, in dem wir
gerade sitzen, vielleicht nicht möglich gewesen wären?

Ja, richtig. Man kann das übrigens gut mit den Sportfreunden vergleichen. Die Sportfreunde Stiller haben gleichzeitig mit uns begonnen. Wir waren gemeinsam auf Tour, als wir schon einen Major-Vertrag hatten, sie aber nicht. Aber die Burschen haben das dann wirklich durchgezogen – und auf alles verzichtet: Familie, Jobs, sie haben Schulden gemacht und sie haben das Studium aufgegeben. Dafür sind sie fünf, sechs Mal pro Jahr durch Deutschland getourt – inklusive Übernachtung im Schlafsack. Ich hab damals zu ihnen gesagt: Ihr riskiert euer ganzes Leben für den Scheiß? Ihr habt ja einen Knall! Das kann ja schnell gehen – und plötzlich sitzt du wirklich auf der Straße. Aber das war ihnen einfach wurscht. Sie haben das durchgezogen, zum Glück mit einem Riesenerfolg. Aber mir war das zu heiß. Und ich bin glücklich, so wie es gelaufen ist. Das ich eine Familie habe, viel Zeit für meine Kinder habe
und ihnen auch Sicherheiten bieten kann.

Ihr „Brotjob“ ist das Cosmix-Studio ...
Ja, das Studio gehört dem Conny (Bassist bei Heinz, Anm.) und mir. Wir machen zu 90 % unseren Umsatz mit Werbung und Auftragskompositionen.
Mein Alltag sieht so aus, dass ich aufstehe und in den Keller ins Studio gehe oder ins andere Studio gehe und irgendwelche Sachen komponiere. Teilweise
für Heinz, für andere Musiker oder eben Werbung.

Welche Werbemelodien sind von Ihnen derzeit zu hören?
Telekom Austria ist von mir, auch AON haben wir gemacht und Cola. Auch Billa haben wir zum Beispiel gerade gemacht. Und Billa ist in meiner Branche der Big Point schlechthin. Sowas ist mir wichtig, und da bin ich auch stolz darauf. Weil so eine Ausschreibung zu gewinnen, ist schwierig. Da will alles, was
Rang und Namen hat, dabei sein.

Job, Band, und Kinder: Was ist Ihr Zeitmanagement- Geheimnis?
(zeigt auf den Organizer, der vor ihm auf dem Tisch liegt) Apple und Organizer. Wie es mir geht, sieht man in meinem Organizer, und daran, ob ich mir die Termine stundenweise, oder schon viertelstundenweise zurechtlege. Manchmal ist es schon eng. Aber ich schaue, dass auch für Hobbys trotzdem Zeit bleibt. Wir reisen auch gerne, wir sind Italien-Fans. Wir nehmen uns auch sehr viel vor für danach, wenn die Kinder groß sind, oder eben nicht mehr mit uns auf Urlaub fahren wollen.

Gibt Ihnen „Heinz“ mehr Kraft, als es kostet?
Nein, das stimmt nicht. Obwohl es schon tolle Momente gibt. Wenn du zum Beispiel auf der Donauinsel vor 35.000 Leuten spielst, die halten alle ihr Feuerzeug in die Höhe und singen dein Lied, das gibt dir Bände – für Jahre.

Ist es für Sie eigentlich immer noch ein Ansporn für gute Konzerte und Platten, dass Ihre Frau Sie toll findet?
Absolut. Das ist sehr, sehr wichtig, dass Heidi mich toll findet und dass sie nicht peinlich findet, was ich mache. Ich frage sie auch immer wieder, weil sie einen sehr guten Riecher hat, was die Singles betrifft. Wenn du selber mitten in der Produktion bist, merkst du ja nicht immer, was wirklich eine gute Single ist. Die Heidi merkt das sofort. Die Kinder sind auch ein wichtiger Indikator, sie merken das auch. Was ihnen auf Anhieb gefällt, hat das Zeug zur Single. Emil und Julian haben „Mein ganzes Herz“ von Anfang an gut gefunden, Heidi hat es OK gefunden. Und jetzt ist es unsere Single.

Wenn Ihre Kinder sagen, dass sie Rockstars werden wollen. Was werden Sie ihnen raten?
Davor habe ich irrsinnig Angst. Wenn meine Kinder mit 17, 18 anfangen, ins U4 zu gehen und wenn sie dann anfangen ... Bei mir ist alles gut gegangen. Ich hab auch nie irgendwelche Drogen genommen, wirklich nicht. Ich kenne aber einige aus meiner Generation, die mit Drogen angefangen haben, und bei denen das überhaupt nicht gut ausgegangen ist. Und ich hab echt Angst, dass meine Kinder – eventuell auch durch den Rock’n Roll inspiriert – mit Drogen in Kontakt kommen. Aber natürlich werde ich ihnen die Musik nicht verbieten, wir haben ja auch Schlagzeug und E-Gitarren und andere Instrumente zu Hause.

Was soll aus Ihren Kindern werden?
Ich habe mit Heidi schon oft besprochen, was uns für unsere Kinder wichtig ist. Sollen sie unbedingt die Matura machen? Ist uns wichtig, dass sie Ärzte werden, oder Anwälte? Nein. Meine Meinung ist: Sobald die Kinder etwas tun, ist es OK. Aber nur faul rumhängen, Fernsehen und jahrelang hauptsächlich
Playstation spielen und sich dann mit 22 Jahren die Frage stellen, was man überhaupt werden will, das würde ich nicht akzeptieren. Aber sie können gerne Bilder malen, fotografieren, Musik machen, Fußball spielen ... Wichtig ist, dass sie etwas tun.

Hilft Ihnen die Musik eigentlich, Kindlichkeit zu bewahren?
Ich bin generell ein Typ – und das ist manchmal auch ein Problem –, der irgendwie nie erwachsen wird. Und auch nicht werden will. Ich bin jetzt schon länger keine dreißig mehr. Ich habe zwar viel Erfahrung, fühle mich aber in keinster Weise erwachsen. Aber mit drei Kindern, da muss man schon manchmal auch streng sein. Da darfst du nicht nur der Freund der Kinder sein. Aber zum Strengsein muss ich mich zwingen. Meiner Natur würde es eher entsprechen, den ganzen Tag mit den Kindern mit Legosteinen herumzubauen oder stundenlang mit ihnen auf der Carrera-Autobahn Rennen zu fahren.
Aber so geht es leider eben nicht immer. Wenn irgendeiner etwas anstellt oder nicht lernen will, dann schau ich böse und rede ganz ernst. Aber das ist alles gespielt. Und soviel ich weiß, machen das viele Väter. Es ist ja nicht jeder Mann am Rücken behaart und zur Autoritätsperson geboren. Und Heinz verstärkt diesen Trend natürlich, weil es ja auch eine junge Musik ist, und wir dadurch auch viel mit jungen Menschen zu tun haben. Vor einigen Jahren hat mich übrigens zum ersten Mal ein Fan gesiezt: Entschuldigung, können Sie mir bitte ein Autogramm  geben? Das war ein Schock für mich.

Wir danken für das Gespräch.

 

Bernd Jungmair im Wordrap

Wenn meine Kinder fragen, wie das so ist, ...

... in einer Band Musik zu machen antworte ich ...
... sehr, sehr lustig.

... Platten aufzunehmen
... furchtbar anstrengend, schlimmer als Hausübung machen.

... ein Rockstar zu sein
... immer angenehm, aber als Schlagzeuger ist man ja nie so prominent wie der Sänger

... auf einer Bühne zu stehen
... das Größte, was es gibt

... bejubelt zu werden
... das Zweitgrößte, was es gibt

... von weiblichen Fans bejubelt zu werden
... ab 25 nicht mehr ganz so wichtig


War es Liebe auf den ersten Blick?

Bernd "ja":

„Heidi hat mir irrsinnig gut gefallen, als ich sie das erste Mal gesehen habe. Das war auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick. Jetzt sind wir schon über 9 Jahre zusammen und haben uns immer noch nicht aus den Augen verloren.“

Heidi "nein":

„Liebe auf den ersten Blick war es für mich nicht. Aber Liebe auf den zweiten Blick. Die Schwangerschaft nach drei Monaten war kein Problem, wir haben
uns beide von Anfang an gefreut.“

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