weinen

Ich habe Angst vor dem bösen Mann

Seit er auch gegen die damals gerade einmal dreieinhalb Jahre alte Claudia* massive Gewalt einsetzte, will Frau G. ihre Tochter schützen. Und ist drauf und dran, an den Gerichten zu verzweifeln.

DAS JUNGE OPFER: „Ich habe Angst vor dem bösen Mann!“ „Er hat gesagt, dass er mich wieder so treten wird, wenn ich die Wahrheit sage.“ Claudia G*., 8

DIE MUTTER: „WIR LEBEN IN FURCHT!“ „Manche Richter nehmen grundsätzlich an, dass Frauen, die den Umgang eines Kindes mit dem Vater verhindern wollen, aus Rache oder Frust handeln. Mein Exmann ist aber schwer gewalttätig und ich glaube nicht, dass er ein Gewissen hat. Das scheint die Richter aber nicht zu interessieren. Wer jemandem ein bisschen Geld stiehlt, hat anscheinend mehr zu befürchten als ein Mann, der sein eigenes Kind verprügelt.“  Manuela* G.

Claudia* G., 8, besucht die dritte Klasse Volksschule in einer burgenländischen Kleinstadt. Sie ist nach Angaben der Schule eine ausgezeichnete Schülerin, die daheim bestens gefördert wird. Claudia ist ein sehr beliebtes Mädchen und gut in die Klassengemeinschaft integriert. Die Kooperation mit der Kindesmutter funktioniert laut der Schuldirektorin ausgezeichnet. Soweit das Bild, das Claudia nach außen abgibt. In ihrem Inneren aber brodelt es: Claudia ist schwer traumatisiert. Sie hat Alpträume. Und sie hat Angst, dass sich der Horror von damals wiederholen könnte.

Claudia wacht auf und fürchtet sich. Damit beginnt der Horror.

Es geschah vor etwas mehr als vier Jahren auf einer Grillparty in Bayern. Claudias Eltern waren bereits geschieden, wohnten aber noch beide in  Deutschland. Das Mädchen lebte bei ihrer Mutter, Frau G. Ihr Vater, Herr K., machte nur selten von seinem Recht, Claudia bei sich zu haben, Gebrauch. An jenem verhängnisvollen Abend war es wieder einmal so weit. Herr K. kümmerte sich aber nicht wirklich um seine Tochter, er feierte lieber mit seinen Freunden im Garten. Als Claudia, damals gerade einmal dreieinhalb Jahre alt, in der Nacht aufwachte und merkte, dass sie in dem ihr fremden Haus  alleine war, bekam sie es mit der Angst zu tun. Nur mit ihrem Nachthemd bekleidet rannte sie in den Garten, weil sie dort Stimmen hörte. Als sie auf ihren Vater zulief, platzte dem Mann der Kragen. Claudia kannte seine Zornausbrüche bereits und wusste, dass es gefährlich werden kann, wenn sich das  Gesicht ihres Vaters rot färbt und die Adern auf seiner Stirn vor Wut anschwellen. Also versuchte sie, zu flüchten. Ihre kleinen Beine trugen sie gerade so weit hinter das Haus, dass keiner der Partygäste sehen konnte, wie der Vater das Kind einholte, zu Boden schleuderte, schlug und mit schweren Tritten in den Magen verletzte.

Ein Leben in Angst

Dieser Vorfall war nur einer von vielen Gewaltausbrüchen von Herrn K. gegen seine Familie. Am meisten hatte Frau G. zu ertragen. Jahrelang übte K. psychischen Druck auf sie aus, immer wieder hat er sie geschlagen. Nach dem brutalen Angriff auf Claudia beschloss Frau G., dass es besser für die Sicherheit ihrer Tochter sei, wenn diese vorerst keinen Kontakt zu Herrn K. haben würde. Frau G. stellte beim zuständigen Gericht in Potsdam einen entsprechenden Antrag – und blitzte ab. „Die nehmen anscheinend grundsätzlich an, dass Frauen, die den Umgang eines Kindes mit dem leiblichen Vater
verhindern wollen, aus Frust oder aus Rache handeln,“ meint Frau G. und erzählt, dass die Richterin am ersten Verhandlungstag zu Herrn K. gesagt habe: „Machen Sie sich keine Sorgen. Selbst Täter, die wegen sexuellem Missbrauch hier stehen, bekommen das Umgangsrecht.“ Das deutsche Gericht hat das Verfahren bis heute nicht abgeschlossen. Und Frau G. und Claudia fürchten nach wie vor, dass Herr K. plötzlich vor der Tür steht, um von seinem „Besuchsrecht“ Gebrauch zu machen – und dann womöglich wieder zuschlägt.

„Die Erlebnisse mit dem Vater können als traumatisch eingestuft werden!“

Im Sommer 2004 zieht Frau G. mit ihren Kindern ins Burgenland. Sie engagiert einen Rechtsanwalt, der das Verfahren „nach Österreich“ holen soll. Zu diesem Zweck werden auch mehrere Gutachten erstellt, die prüfen sollen, ob der Kontakt zu ihrem Vater gut für Claudia wäre. Die Gutachten liegen dem BabyExpress vor – und kommen übereinstimmend zu dem Entschluss, dass die Angaben des Mädchens in Bezug auf Gewalterfahrungen mit dem Kindesvater ernst zu nehmen seien, und dass Besuchskontakte zu Herrn K. im Interesse des Kindes zu unterbinden seien. „Die Erlebnisse mit dem Kindesvater können als traumatisch eingestuft werden,“ heißt es in einem Gutachten des Landespsychologischen Dienstes in Eisenstadt. „Die  Zusammenführung mit dem leiblichen Vater wird von Claudia dezidiert nicht erwünscht. Sie sieht sich dadurch in ihrer heilen Welt bedroht und gefährdet.“

Das Erbe der Gewalt: Erblassen, Erbrechen, Alpträume

Thematisiert wird in den Gutachten auch, dass Claudia ihren Vater den Psychologen gegenüber nur als „den bösen Mann“ bezeichnet. Laut Expertenmeinung ein entwicklungspsychologisch nachvollziehbarer Umstand, weil Kinder oft Schwierigkeiten haben, einen Elternteil direkt zu beschuldigen. Wenn Claudia von dem „bösen Mann“ spricht, dann zeigen sich deutliche Spuren des Erlebten. In einem der Gutachten wird das als „Erblassen, körperliche Anspannung, ... erweiterte Pupillen, verbales Stocken, Irritationen in den Handlungs- und Denkabläufen empfunden. Das Ausmaß
der empfundenen Gewalt kann als traumatisch eingeordnet werden.“ Die Psychologen kommen auch zu dem Schluss, dass die körperlichen und verbalen Gewalterfahrungen, die Claudia erdulden musste, ihr „Erleben bis heute negativ prägen.“ Als Beispiele werden unter anderem Erbrechen und Alpträume genannt, außerdem bestehe immer noch „Angst vor ausgesprochenen Drohungen des Kindesvaters.“ Als Beispiel wird genannt: „Wenn du die Wahrheit
sagst, dann trete ich dich wieder so...“ Trotz der eindeutigen und erschütternden Gutachten hat das zuständige Gericht in Eisenstadt die Übernahme des Falles abgelehnt. Frau G. war verzweifelt. Und hat in der Redaktion des BabyExpress angerufen. Wir werden helfen!

Die Richterin: „Antrag abgewiesen!“
„Auf Grund der internationalen Zuständigkeiten muss ein Verfahren, das anhängig ist, dort abgeschlossen werden, wo es begonnen wurde. Es war die Entscheidung der Frau G., aus Deutschland wegzuziehen. Dafür können die Gerichte nichts.“ So erklärt Dr. Birgit Toth vom Bezirksgericht Eisenstadt auf Anfrage des BabyExpress, warum sie den „Fall Claudia G.“ nicht nach Österreich „geholt hat“. Hier wäre aufgrund der Gutachten wahrscheinlich ein schnelleres Ende des Prozesses im Interesse des Kindes möglich.

Die Kinder- und Jugendanwältin: „Ich will Ihnen helfen, Frau G.!“
Die bekannte Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits (hier im Gespräch mit Frau G.) hat sich auf Initiative des BabyExpress spontan mit Frau
G., Claudia und Jutta G. im Barbara Mucha Media Verlag getroffen und sich bereit erklärt, Familie G. zu unterstützen.

Die Halbschwester: „Claudia hat geweint und sich gewehrt.“
„Ich habe Claudia zu den Treffen mit ihrem Vater gebracht, weil ihm meine Mutter nicht gegenübertreten konnte. Ich habe versucht, positive Stimmung zu verbreiten, aber Claudia wollte ihn nicht treffen. Sie hat geweint, und sich gewehrt. Vor Gericht zählt das aber anscheinend nicht.“ Jutta* G., 19

Leiden Sie auch unter Gewalterfahrungen, fühlen Sie sich von Gerichten, Ämtern, Ärzten oder Lehrern ungerecht behandelt? Melden Sie sich bei uns, wir helfen, wo wir können. Sie erreichen uns per Tel.: 01/580 40 – 0 oder E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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