Mag. Gudrun Neuhauser (Vet)

Alternativmedizin für Bello & Co.

Sie sind Freunde, Spielgefährten, Familienersatz, Partner oder Mitarbeiter, machen ihre Besitzer glücklich und stehen ihnen treu zur Seite. Getrübt wird diese Harmonie dann, wenn der geliebte tierische Lebensmittelpunkt plötzlich erkrankt. Während die einen all ihre Hoffnungen in die Fähigkeiten eines Veterinärmediziners setzen, suchen andere nach einer Lösung in der alternativen Heilkunst – so genannte Tierheilpraktiker erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.
Allgemein bezeichnet man als Tierheilpraktiker jene Menschen, die Behandlungen an Tieren vollziehen, ohne über eine veterinärmedizinische Ausbildung zu verfügen. Da die Bezeichnung nicht geschützt ist, kann sie von jeder Person geführt werden – völlig unabhängig davon, ob jemand sich seine Kenntnisse über Jahre hinweg angeeignet oder an einem Wochenendlehrgang teilgenommen hat.
Was in Österreich verboten ist und als Kurpfuscherei bezeichnet wird, erlebt in Deutschland einen regelrechten Boom. Dort kann jeder Mensch, der sich dazu berufen fühlt, diese Tätigkeit ergreifen, es existiert beispielsweise keine Lehre zum Beruf des staatlich anerkannten Tierheilpraktikers. Die Tallesbrunner Tierärztin Mag. Gudrun Neuhauser hält es für bedenklich, dass man ohne Vorkenntnisse oder entsprechende Ausbildung Tierheilpraktiker werden kann. „Diese Ausbildungen werden in Modulsystemen in unterschiedlichem Ausmaß angeboten (teilweise im Fernstudium, ohne quasi je ein Tier zu Gesicht zu bekommen), wo den Teilnehmern ein halbmedizinisches Fachwissen „verkauft“ wird. Außerdem wird Ihnen suggeriert, sie können mit Ihrem neuen Wissen (für das sie ja meist sehr viel Geld bezahlt haben) ALLES behandeln.“, gibt die Veterinärmedizinerin zu bedenken.

Bevor im 18. Jahrhundert die ersten tiermedizinischen Ausbildungsstätten entstanden, existierte der Stand der Tierheilkundigen, auf deren Wissen und überlieferten Verfahren sich die Tiermedizin aufbaute. Heute ist in Österreich durch das Tierärztegesetz klar geregelt, wer erkrankte Tiere behandeln darf bzw. was einem Tierarzt vorbehalten ist: „Untersuchung und Behandlung von Tieren; Vorbeugungsmaßnahmen medizinischer Art gegen Erkrankungen von Tieren; operative Eingriffe an Tieren; Impfung, Injektion, Transfusion, Infusion, Instillation und Blutabnahme bei Tieren; Verordnung und Verschreibung von Arzneimitteln für Tiere; Schlachttier- und Fleischuntersuchung; Ausstellung von tierärztlichen Zeugnissen und Gutachten sowie künstliche Besamung von Haustieren.“
In jenen Ländern, in denen Tierheilpraktiker praktizieren dürfen, steht es Tierhaltern frei, diese als Alternative aufzusuchen – neben Anatomie, Physiologie sowie Pathologie verfügen diese im besten Fall auch über Grundlagen in den gängigen Naturheilverfahren und eine Akupunkturausbildung. Tiere, für die aus schulmedizinischer Sicht keine Hoffnung mehr besteht, können von ihren Menschen oft nur schwer aufgegeben werden, weshalb sie sich nicht selten nach weiteren Lösungsansätzen umsehen. „Leider vermitteln sie den Tierbesitzern sehr oft den Eindruck, dass, wenn sie das Tier, welches für die Schulmedizin vielleicht als aussichtslos gilt, genügend oft behandeln, es SICHER wieder gesund wird. Durch solche unseriösen Therapieversprechen sind die Besitzer bereit, viel Geld auszugeben. Im Nachhinein heißt es dann: „Na, hat halt doch nicht geholfen“.“, erläutert Mag. Gudrun Neuhauser.

Tierheilpraktiker dürfen nicht operieren, keine rezeptpflichtige Medikamente verschreiben und nicht impfen. Sie geben Ernährungs- und Haltungstips, akupunktieren und behandeln auf pflanzlicher, homöopathischer Basis. Verantwortungsvolle Vertreter dieser Zunft wissen, wann sie Kollegen aus dem schulmedizinischen Bereich hinzuziehen müssen bzw. den Tierhaltern einen Besuch beim Tierarzt empfehlen sollten.
In Österreich ist sowohl die Ausübung als auch das Aufsuchen strafbar, weshalb Tierheilpraktiker rechtlich nicht wirklich belangt werden können, da sich auch der Tierhalter ungesetzlich verhält.
Schulmediziner begegnen, ebenso wie im humanmedizinischen Bereich, Heilpraktikern häufig mit Skepsis. „Ich bin der Meinung, dass entgegen der landläufigen Theorie nicht die Tierheilpraktiker umfassender oder ganzheitlicher denken, denn sie haben ja nur eine Ausbildung in einem sehr kleinen Bereich. Nur ein Tierarzt, der eine umfangreiche medizinische Ausbildung vorweisen kann, alle schulmedizinisch und chirurgischen Möglichkeiten kennt und sich je nach Interesse dann weiter in pflanzlichen, physikalischen homöopathischen etc. Bereichen weiterbildet, kann von Fall zu Fall entscheiden, was nun die richtige Therapiemöglichkeit für den konkreten Fall ist! Hier liegt ein umfangreiches Wissen vor. Der Tierarzt weiß über die realistische Prognose Bescheid und kann die Therapie ohnehin frei wählen (nur unter Kenntnis aller Methoden kann man meiner Meinung nach mögliche Alternativen wählen). Ich bin der Ansicht, dass wir Tierärzte durch umfassende Weiterbildungen NACH dem Studium auf eigene Kosten auch alternative Methoden sehr gut beherrschen und auch diesen Sektor gut abdecken, deshalb sehe ich keine Notwendigkeit einer Änderung der derzeitigen rechtlichen Situation in Österreich.“, erklärt Veterinärmedizinerin Neuhauser. Eine verständliche Position, wenn man bedenkt, dass es einige schwarze Schafe in diesem Bereich gibt. Allerdings tummeln sich diese vermutlich auch im schulmedizinischen Sektor genauso häufig wie überall. Wichtig ist, die eigenen Grenzen zu erkennen, keine falschen Hoffnungen zu wecken und nicht auf Verdienst, sondern das Wohl des Tieres (und damit auch auf das seines Menschen) fokussiert zu sein. Therapieversprechen zu geben, die nicht eingehalten werden können, sind unseriös – egal, welcher Tätigkeit derjenige, der sie macht, nachgeht.

Tipps und Informationen:
www.osteovet.at/Tier-Heilpraktiker.pdf
www.osteovat.at

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