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Sein, oder nicht sein?

Daniel*, 32, hat es schon immer geahnt: Seine Frau setzt ihm Hörner auf. Nach der Geburt seines zweiten Sohnes gab es für ihn dann keine Zweifel mehr – schließlich hat in seiner Familie noch nie jemand rote Haare und Segelohren gehabt. Und in der Verwandtschaft seiner damals gerade noch nicht Ex-Frau waren alle, die er kannte, schwarzhaarig oder brünett. Aber hat nicht einer der Pizzaboten rote Haare? Und ist das nicht der, dem seine Frau immer so viel Trinkgeld gegeben hat? Daniel kochte vor Wut. Er wollte alles ganz genau wissen, und zwar sofort. Also holte er sich von seinem angeblichen Sohn eine Speichelprobe, noch während das Kind im Brutkasten lag. Diese Probe schickte er – zusammen mit einer Portion Speichel aus seinem eigenen Mund – an eine Firma, die über das Internet DNA-Vaterschaftstests anbietet. Die Firma wirkt auf den ersten Blick seriös, ist relativ preisgünstig und verspricht, binnen weniger Werktage ein verlässliches Ergebnis zu liefern. „Ganz schön clever,“ dachte Daniel, als er den Umschlag mit dem Proberöhrchen zur Post brachte.

Heimlicher Test als Vertrauensbruch
Einige Tage später brachte der Briefträger das Testergebnis. Es war negativ – das heißt, dass Daniel den Auswertungen dieser Firma zufolge tatsächlich nicht der Vater des seine damalige Frau aus allen Wolken gefallen. Sie war empört darüber, dass er ohne ihr Wissen einen derartigen Test gemacht hatte – und beteuerte außerdem, dass sie niemals auch nur ansatzweise etwas mit einem anderen gehabt hatte. Das konnte Daniel aufgrund des negativen Tests aber nicht glauben. Die logische Folge des Konflikts: Trennung. Im Zuge des bald darauf gestarteten Scheidungsverfahrens ordnete der Richter auch die Wiederholung des für den Bruch der Ehe mitverantwortlichen Vaterschaftstests an. Ein gerichtlich beeideter Sachverständiger wurde mit dem „Nachtest“ beauftragt, den er in den Labors der Firma „Ingenetix“ durchführen ließ. Das Ergebnis sorgte für einen Knalleffekt in dem Familiendrama: Daniel ist doch der Vater des Kindes mit den roten Haaren!

Zuerst der Familienrat, dann das Gericht
„Wir haben oft gerichtlich angeordnete Nachprüfungen, bei denen sich immer wieder herausstellt, dass Billiganbieter ein falsches Ergebnis geliefert haben,“ erzählt Dr. Christa Nussbaumer. Die erfahrene Forensikerin hat bei „Ingenetix“ geforscht und gearbeitet und war auch für den Nachtest im „Fall Daniel“ verantwortlich. „Obwohl sich herausstellte, dass er doch der Vater ist, war die Ehe nicht mehr zu retten,“ erzählt Nussbaumer. „Es gab einfach keinen Weg mehr zurück. Die Familie war durch den Vertrauensbruch mit dem heimlichen Test zerstört.“ „Wenn jemand das Gefühl hat, dass bei der Vaterschaft irgendetwas nicht stimmt, soll er bitte auf gar keinen Fall durch die Gegend rennen und irgendwelche Tests machen lassen,“ meint DSA Monika Pinterits von der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft. „Aber es dürfte jetzt ja irgendwie modern sein, schnell mal einen Vaterschaftstest zu machen. Davon halte ich überhaupt nichts. Wenn jemand das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt, gehört das zuerst einmal innerhalb der Familie besprochen. Und dann kann man bei Gericht einen Antrag stellen. Das Gericht leitet den Test dann ein und hat auch verlässliche Institutionen, mit denen es kooperiert.“

Billig-Anbieter wittern das große Geld
Das Geschäft mit den DNA-Vaterschaftstests boomt, und mit der Nachfrage steigt auch das Angebot. Im Web werden DNA-Tests schon um rund 200 Euro angeboten. „Ich verstehe nicht, wie das um diesen Preis funktionieren soll, weil die einzelnen Geräte, die man braucht ,um einen seriösen Test zu machen, einfach zu teuer sind,“ meint Dr. Nussbaumer. Bei Ingenetix kostet ein Test mit DNA-Proben von Vater, Mutter und Kind 650 Euro, dafür werden standardmäßig 15 Genorte untersucht. „Damit kann eine Vaterschaft mit 100%iger Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, beziehungsweise mit 99,99% nachgewiesen werden,“ so Nussbaumer. Generell gilt: Je mehr unterschiedliche Gen-
orte untersucht werden, umso sicherer ist ein Test. Experten raten von allen Tests, bei denen weniger als 12 Genorte untersucht werden, ab.


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