Kuessen kinder

Sex: Neue Frage-Stellungen

Der elterlichen Aufklärung kommt dabei eine neue Rolle zu: Anstatt „die Wunder des Lebens“ zu erklären, müssen Mama und Papa heute vor allem Bilder und Vorstellungen, die durch die Medien entstanden sind, korrigieren.

Ein Wiener Gymnasium. Sex steht auf dem Stundenplan. Genauer gesagt reden über Sex in Form einer „Aufklärungs-Stunde“ mit Olaf Kapella. Der Sexualpädagoge führt seit über 20 Jahren sexuelle Beratungsgespräche mit Jugendlichen. Die Kids von heute wissen viel, und haben noch mehr offene Fragen. Kevin, knappe 13 Jahre alt, zeigt auf.  Der 13jährige räuspert sich, er ist gerade im Stimmbruch und seine Stimme kippt ein paar Mal, als er seine Frage stellt: „Bitte, bei welcher Stellung kommen Frauen am besten zum Orgasmus?“
Kapella weiß: Solche Fragestellungen führen viele Erwachsene zu der Überlegung: Ist die Aufklärung durch die Eltern überhaupt noch notwendig, oder erledigen das heute ohnehin Fernsehen, Internet, Magazine und Freunde?

Sex im Cyberspace
Tatsächlich holen sich die Kids sehr viele Informationen über die „natürlichste Sache der Welt“ aus dem Cyberspace und anderen Medien, die elterliche Aufklärung kann dadurch aber nicht ersetzt werden. „Viele Informationen im Internet stellen für Kinder und Pubertierende eine Überforderung dar, wenn man sie nicht nachbearbeitet,“ weiß Kapella. Vor allem Buben werden häufig über Pornofilme „aufgeklärt“ – was oft zu Selbst-Zweifeln und zu Fragen wie der besten „Orgasmus-Stellung“ führt. „Das Halbwissen, das sich die Kids heute aneignen, führt zu vielen Unsicherheiten. Diese zu beseitigen, ist heute die primäre Aufgabe der Eltern.“ Das eine, große „Aufklärungsgespräch“ hilft dabei allerdings nicht weiter und sorgt höchstens für eine peinliche Situation; Aufklärung ist ein kontinuierlicher, dynamischer Prozess. Manche Experten meinen, dieser Prozess beginnt bei der Geburt des Kindes, andere meinen, er beginnt bereits davor.

„Ich wasche dir die Augen, die Arme, und das Glied“
Aufgabe von Aufklärung und Sexualerziehung ist es auf jeden Fall, den Kindern möglichst früh zu lernen, sich mit ihrem Körper auseinanderzusetzen – und auch über ihren Körper zu reden. Deshalb empfiehlt Dr. Kapella, zum Beispiel beim Baden oder Anziehen schon bei Babys auch die Geschlechtsorgane zu benennen. Verniedlichungen sollten dabei vermieden werden: „Wenn Eltern immer nur Lulu oder Spatzi zum Glied sagen, wenn die Geschlechtsorgane als komisch oder sehr speziell behandelt werden, wird auch vermittelt, dass Sexualität etwas Komisches, Anrüchiges ist.“ Wichtig ist aber auch, dass die Erwachsenen eine Wortwahl finden, bei denen sie sich selbst wohl fühlen. Denn: Wer beim Thema Geschlechtsorgane oder Fortpflanzung plötzlich anfängt, ungewöhnlich „wissenschaftlich“ zu reden und mit Fachausdrücken um sich wirft, schafft erst recht eine Distanz. Also: reden Sie, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist – aber achten Sie darauf, dass Sie nicht öfter „Spatzi“ als beispielsweise „Augi“ sagen. Kinder sollen wissen, dass kein  Körperorgan außergewöhnlicher ist als die anderen – und dass es für alle Koseworte und „korrekte“ Bezeichnungen gibt.

Wie kommt das Baby in den Bauch?
Für eine „gelungene“ Aufklärung ist es wichtig, dass Eltern von Anfang an mit ihren Kindern kontinuierlich Gespräche über den Körper und körperliche Veränderungen, über Gefühle und Sexualität führen. Die Inhalte richten sich nach dem Entwicklungsstand des Kindes, die Antworten sollen dabei nie weiter gehen, als die Fragen der Kinder. Wolfgang Kostenwein vom Österreichischen Institut für Sexualpädagogik weiß, dass das für viele Eltern nicht leicht ist: „Wenn ein dreijähriges Kind fragt: Wie bin ich auf die Welt gekommen, denken viele Eltern – oh Gott, jetzt muss ich meinem Kind den Sexualakt beschreiben. Das ist aber gar nicht angebracht. Dreijährige leben in einer Welt, in der die Antwort „du bist aus dem Bauch von der Mami gekommen,“ vollkommen genügt. Wenn Kinder mehr wissen wollen, fragen sie nach.“ Immer und von Anfang an auf alle Fragen zu antworten, ist auch ein gutes Training: Mit kleinen Kindern über „unschuldige“ Aspekte der Sexualität zu reden, fällt den meisten Eltern relativ leicht – wer diese Übung regelmäßig absolviert, meistert auch vor-pubertäre Sex-Gespräche mit wesentlich deutlicheren Inhalten souverän und in entspannter Atmosphäre. Mit dem Beginn der Pubertät werden dann ohnehin eher Freunde oder anonyme Internetplattformen zu Rate gezogen: Bis zu 16.000 Jugendliche holen sich täglich Infos über „das erste Mal“, Verhütung & Co auf der Website des Österreichischen Instituts für Sexualpädagogik. Die Eltern sollen in dieser Phase signalisieren, dass sie immer als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, sich aber nie „aufdrängen“. „Die Sexualität ist entwicklungspsychologisch gesehen das erste große Thema, das sich für die Abgrenzung von den Eltern eignet,“ meint Kostenwein. „Deshalb wird es in der Pubertät besonders wichtig, dass Eltern die Intimsphäre ihrer Kinder achten – und keine Themen ansprechen, die die Kids lieber mit anderen besprechen. Es ist nun mal so, dass es sehr vielen Teenagern peinlich ist, mit ihren Eltern über Sex zu sprechen – und das ist zu respektieren.“

Infos:

Österreichisches Institut für Sexualpädagogik:
01/328 66 30
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
, www.sexualpaedagogik.at

Österreichisches Institut für Familienforschung
01/535 14 54
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.oif.ac.at



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