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Achtung! Atmen kann Ihre Gesundheit gefährden!

Am Anfang war das Husten. Stundenlang wurden Marie, 5, und Nikola, 8, in den Nächten der letzten Winter von Hustanfällen gequält. Weil sie so oft und so intensiv husten mussten, haben die Kinder oft wochenlang viel zu wenig geschlafen. Dann haben auch die Eltern kaum ein Auge zugebracht. Im Winter 2004 hat der Vater der beiden Mädchen, Christian Wabl, 58, schließlich beschlossen, etwas gegen die Auslöser der Hustanfälle zu tun. Wabl gründete die Initiative „Feinstaub ade“ – und ging vor Gericht. Dort brachte er eine Klage gegen die Republik Österreich und gegen das Land Steiermark ein. Marie und Nikola wohnen nämlich in Graz, der Stadt mit der höchsten Feinstaubbelastung Österreichs.

Löst der Feinstaub einen juridischen Erdrutsch aus?

„Die Beklagten haben es unterlassen, wirksame administrative oder legislative Maßnahmen gegen die Überschreitung der Feinstaubgrenzwerte zu setzen,“ lautet ein Teil von Wabls Feststellungsklage sinngemäß. 2005 war die Klage in erster Instanz abgewiesen worden, im Frühjahr 2006 wurde sie aber doch zugelassen. Das Urteil wird für November dieses Jahres erwartet – und könnte gewaltige juridische Auswirkungen haben, weil Länder oder Republik erstmals für etwas haften müssten, was sie unterlassen haben. „Ich tue das, weil ich für die Gesundheit meiner Töchter und die der anderen Kinder kämpfe,“ meint Wabl. „Obwohl der Feinstaub natürlich auch meine Lungen angreift. Aber wenn ich nicht durch das schlimme nächtliche Husten meiner Mädchen hautnah mitbekommen hätte, welche Auswirkungen der Feinstaub auf die Gesundheit von Kindern hat, könnte ich wahrscheinlich gar nicht so hartnäckig kämpfen.“

Umweltbundesamt: Feinstaub kostet neun Lebensmonate

Feinstaubpartikel haben einen Durchmesser von weniger als einem Tausendstel-Millimeter. Gerade diese geringe Größe macht sie laut Expertenmeinung so gefährlich, weil sie dadurch besonders tief in die Lungen gelangen können. Die gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung nimmt in Österreichseit Jahren zu und hat im Frühjahr 2006 ein alarmierendes Rekordniveau erreicht: Bereits Mitte Februar wurde das erlaubte Jahreslimit (!) von 30 Tagen Grenzwertüberschreitung in Wien, Graz, Innsbruck und Klagenfurt überschritten! Hauptverantwortlich für die enorme Feinstaubbelastung in den Ballungsräumen sind Industrie, PKWs, teilweise auch „Hausbrände“ sowie LKWs. Die höchsten Belastungen gibt es in den kalten Wintermonaten, die möglichen Auswirkungen wurden für eine aktuelle Studie vom Umweltbundesamt (UBA) berechnet: Demnach kostet die Feinstaubbelastung im Durchschnitt jeden Österreicher neun Lebensmonate. Trauriger Spitzenreiter ist Graz: In der Metropole an der Mur kann die Feinstaubbelastung laut UBA die Bewohner bis zu 17 Lebensmonate kosten! Die Studie des Umweltbundesamtes ist freilich nicht unumstritten, weil sie auf theoretischen Berechnungen, und nicht auf einer tatsächlich geringeren, statistisch ablesbaren Lebenserwartung beruht. Als gesichert gilt allerdings, dass in Österreich jedes Jahr tausende Kinder wegen der zu hohen Feinstaubbelastung an Asthma oder Bronchitis erkranken. Die Weichen dafür werden oft schon vor der Geburt gestellt: Feinstaub greift auch Embryos im Mutterleib an.

Unterversorgung wie im Krieg

Verschiedene Studien zeigen, dass eine hohe Feinstaubbelastung in der Frühschwangerschaft zu einem verzögerten Wachstum des Embryos führen kann. Die Folge: „Diese Kinder kommen dann oft zu früh und zu klein zur Welt, und sie sind auch gefährdeter, zu erkranken oder dem plötzlichen Kindstod zum Opfer zu fallen,“ meint Dr. Hanns Moshammer, Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien. Später in der Kindheit sei die Allergieanfälligkeit größer, auch Stoffwechselstörungen würden bei diesen Kids häufiger auftreten. „Es gibt sogar Hinweise, dass Kinder, die unreif zur Welt kommen, bis ins Erwachsenenalter anfälliger sind, zum Beispiel für Zuckererkrankungen,“ meint Moshammer. „Offenbar führt der Feinstaub bei den schwangeren Frauen nämlich auch zu einer Unterversorgung der Gebärmutter. Diese Kinder sind dadurch auf ein Hungerleben programmiert. Das heißt: Die Gebärmutter gibt den Kindern weniger Fett, und in Folge haben ihre Fettzellen weniger Reflektoren, die auf Insulin reagieren. Die Folge: Erhöhtes
Zuckerkrankheits-Risiko!“ Diese Zusammenhänge belegen übrigens auch internationale Studien mit Kindern und Erwachsenen, die in Kriegs- und Mangelzeiten Embryos waren.

Und was tun die Verantwortlichen dagegen?

Die Tatsache, dass die zulässigen Belastungsgrenzen jedes Jahr in vielen österreichischen Städten um ein Vielfaches überschritten werden, stellt den verantwortlichen Bundes- und Landespolitikern kaum ein gutes Zeugnis aus. Dr. Eva Glawischnig, stv. Bundes- und Umweltsprecherin der Grünen, verfolgt das Problem seit Jahren und meint: „Das zentrale Feinstaubgesetz wurde auf das Betreiben des Umweltministers hin stark verwässert. In einigen Ländern wurden Maßnahmen umgesetzt, wie beispielsweise in Oberösterreich, Tirol und Salzburg oder auch in Graz, wo Tempolimits in stark belasteten Gebieten
eingeführt wurden. Einige Bundesländer sind noch säumig. Es besteht jedenfalls dringender Handlungsbedarf.“ Vielleicht führt ja die Klage von Christian Wabl endlich zu dem längst fälligen Umdenken bei den Verantwortlichen.

 

„Im ersten Lebensjahr korrelieren höhere Feinstaubwerte mit einer erhöhten Sterberate und Erkrankungsrate. Zum Glück sterben in Österreich so wenig Kleinkinder, dass der Anstieg in absoluten Zahlen nicht besonders erschreckend ist. Aber beim Anstieg in Prozent sieht man, dass ein Anstieg der  Sterblichkeit bei Kleinkindern und Säuglingen an Tagen mit hohen Feinstaubwerten gegeben ist. Dieser Anstieg ist sogar deutlich höher als bei alten Leuten, die ja ebenfalls eine Risikogruppe sind.“ Dr. Hanns Moshammer, Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien

„60.000 Kinder sind in Österreich auf Grund der hohen Feinstaubbelastung in medizinischer Behandlung. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Die wichtigsten
Maßnahmen gegen die Feinstaubbelastung sind Tempolimits in belasteten Gebieten, Aus- und Nachrüstung aller Dieselfahrzeuge mit Partikelfiltern sowie Finanzierung und Ausbau des öffentlichen Verkehrs vor allem in Ballungsräumen.“ Dr. Eva Glawischnig, stv. Bundes- und Umweltsprecherin der Grünen

Feinstaub-Facts:

- Die gesundheitsgefährdene Feinstaubbelastung nimmt in Österreich seit Jahren zu und hat im Frühjahr 2006 neue Rekordwerte erreicht.
- Für den Winter 2006 wird ein weiterer gefährlicher Anstieg befürchtet.
- Kinder – und alte Menschen – sind besonders gefährdet.
- Bereits im Mutterleib kann es zu Schädigungen des Embryos kommen. Kinder in den ersten Lebensjahren sind besonders

So schützen Sie Ihre Kinder:

-Die Gefahr nimmt mit der Nähe zur Schadstoffquelle zu. Es kann bereits einen Unterschied machen, wenn Sie mit Ihren Kindern z.B. in weniger befahrenen Nebenstraßen spazieren gehen.
-Nach Möglichkeit auch Parks bzw. Spielplätze meiden, die an stark frequentierten Straßen liegen.
-Vermeiden Sie unnötige Autofahrten.
-An kalten Inversionswettertagen (häufig auch an „Nebeltagen“), wenn die Städte regelrecht in ihren eigenen „Abgaswolken“ dünsten, sind die Feinstaubwerte meist am höchsten.
-Das „im Haus bleiben“ bietet gegen Feinstaub so gut wie keinen Schutz: Die Fenster können das Eindringen des Feinstaubs zwar verzögern, im Wesentlichen gibt es aber laut Expertenmeinung kaum einen Unterschied zwischen den Werten „drinnen“ und „draußen“.

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