dicker junge © Vasiliy Koval - Fotolia.com Kopie

Dick macht depressiv

Sie naschen zu viel und bewegen sich zu wenig – eine Studie belegt, dass Kinder immer dicker werden, jedes vierte Kind in Österreich ist bereits übergewichtig. Auch sind heute Kinder mit Übergewicht dicker als übergewichtige Erstklässler aus früheren Studien. Das Gewicht bei Normalgewichtigen stieg im Vergleich zu Ergebnissen aus dem Jahr 1996 durchschnittlich bei Buben um 1 kg auf 24,1, bei Mädchen um 1,3 kg auf 23,8 kg. Übergewichtige Kinder wiegen heute sogar 4,1 kg mehr als in einer früheren Studie aus dem Jahr 1996. Demnach liegt das Gewicht eines 7-Jährigen Jungen heute bei durchschnittlich 32,8 kg.

Babyspeck ist bald weg

„Das wächst sich spätestens in der Pubertät aus“, vertrösten viele Erwachsene dicke Kinder und Jugendliche. Ein schlechter Rat – gerade jetzt, wo die Sonne lockt und die Kleidung immer weniger wird. Die jungen Dicken leiden erheblich unter der sozialen Stigmatisierung: „Bei Altersgefährten rangieren dicke Gleichaltrige in der Beliebtheit hinter Behinderten“, macht Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. med. Marlene Marthaler auf die psychosoziale Belastung aufmerksam. Acht Prozent der Buben und Mädchen sind adipös (Adipositas = Fettsucht). Während sich Erwachsene alljährlich im Frühjahr mit allerlei Ratgebern aus Büchern oder Zeitschriften fit für die Badesaison machen, wissen sich Kinder und Jugendliche oft nicht zu helfen. Sie schämen sich ins Freibad oder an den Strand zu gehen, wollen ihren Körper vor den Blicken Gleichaltriger verbergen.

Gefahr der Depression wächst ab einem BMI über 30

Seelische Belastungen sind für die Adipositas in der Regel nicht der Auslöser: „Psychische Störungen spielen bei der Entstehung der Adipositas kaum eine Rolle. Die Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie werden aber mit den psychosozialen Folgen konfrontiert“, weiß Dr. Marthaler. Die sozialen Kontakte der jungen Dicken verringern sich, die Außenaktivitäten nehmen ab und die Gefahr, sich mit Essen zu trösten, nimmt zu. „Mit dem BMI Anstieg nehmen auch die psychosozialen Belastungen zu. Übergewichtige Kinder ziehen sich verstärkt zurück und haben infolge der verminderten Außenaktivitäten weniger altersentsprechende Kontakte. Damit sinkt Selbstwertgefühl und die Zufriedenheit. Die Folge: das reaktive Aggressionspotenzial steigt oder es erfolgt ein Rückzug in die Depression. Gegessen wird nicht weniger, sondern mehr“, beschreibt Dr. Marthaler den Teufelskreis. Bei einem Body-Mass Index (BMI) über 30 häufen sich bereits die depressiven Störungen“, warnt die Expertin. Normal ist ein BMI zwischen 18,5 und 25. Ab 28 spricht man von Übergewicht und über 30 von Adipositas. Der BKJPP warnt: Die Behandlungserfolge verringern sich mit dem Anstieg des BMI: „Je adipöser Kinder und Jugendliche sind, umso langwieriger und weniger erfolgversprechend ist die Therapie. Denn je dicker, desto weniger schnell sind die Erfolge beim Abnehmen sichtbar“, erläutert Dr. Marthaler. Deshalb raten die Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie zur Prävention: Essgewohnheiten, Fernsehkonsum und die damit verbundene Unbeweglichkeit sowie die Lebensräume für Kinder müssen kritisch unter die Lupe genommen werden. Wie ist es um das eigene Wohnviertel bestellt – gibt es genügend Spiel- und Tobeflächen statt der „Spielen-verboten“ Schilder? Und: Wie ist es um das Angebot der Sportvereine bestellt – welche Angebote halten sie den Altersstufen entsprechend vor?

Das sollten Eltern tun

Nicht jedes adipöse Kind ist psychisch gefährdet. Sind aber z.B. Anzeichen des sozialen Rückzugs sichtbar und mehren sich Hinweise, dass Essen eher der Problemkompensation als dem Genuss dient, sollten Eltern mit ihren Kindern sprechen. Ermuntern ins Schwimmbad zu gehen – und als Eltern mitgehen: „Dem Kind den Rücken zu stärken ist besonders wichtig“, so Dr. Marthaler. Das Kind ist in erster Linie das Kind und nicht der Übergewichtige. In jedem Fall ist es wichtig, dem Kind oder Jugendlichen Selbstbewusstsein zu geben und es ihm nicht zu nehmen – dies gilt selbstverständlich auch für Kinder, die aufgrund genetisch bedingter Veranlagung dick sind. Druck – „Du bist zu fett“ – ist fehl am Platz. Ein ‚Du musst’ oder der ständige Verweis auf andere, schlanke Altersgenossen weckt nicht die Einsichtsfähigkeit eines Kindes oder Jugendlichen. „Eltern sollten in ihren adipösen Kindern den Wunsch und die Einsicht wecken, dass sie von sich aus und vor allem für sich abnehmen wollen“, empfiehlt Dr. Marthaler. Im Kind auch die positiven Eigenschaften bemerken und darauf aufmerksam machen. Bei zusätzlichen psychischen Störungen ist es aber dringend geboten einen Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie aufzusuchen.


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