fastfoode © Andrey Armyagov - Fotolia.com Kopie

Der Burger-Fluch

Das ist die Meinung von Forschern der Universitäten Las Palmas, Granada und Navarra. „Fastfood löst keine Depressionen aus. Doch der Lebensstil, zu dem auch die Ernährung gehört, kann ein Faktor der Krankheit sein“, betont Psychiater Manfred Wolfersdorf von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.

Pizza und Donut ungünstig

Die spanischen Forscher analysierten Daten einer groß angelegten Studie zu 9.000 Menschen, bei denen nie zuvor Depression diagnostiziert worden war und die auch bisher keine Antidepressiva eingenommen hatten. Ein halbes Jahr lang wurden Lebensstil und Gesundheit der Probanden regelmäßig untersucht, wobei bei 493 von ihnen in diesem Zeitraum eine Depression festgestellt wurde. „Im Vergleich konsumierten die mit Depression Diagnostizierten deutlich mehr Fastfood oder industrielle Backwaren als der Rest“, berichtet die Studienautorin. Ganz allgemein waren die Ernährungsgewohnheiten bei Depressiven schlechter als beim Schnitt, was etwa den Obst-, Gemüse- oder Fischkonsum betraf. Doch auch andere typische Merkmale der Lebensführung wurden sichtbar: Depressive waren öfters Single, machten weniger Bewegung, rauchten eher oder arbeiteten oft über 45 Stunden die Woche. Wenngleich der Zusammenhang zwischen Ernährung und Depression noch besser erforscht werden müsse, verweisen die Forscher auf Studien, die für manche Ernährungsweisen eine gewisse Schutzwirkung vor Depression behauptet hatten. Dazu gehören die Mittelmeer-Diät, Nahrung mit Vitamin B und Omega-3-Fettsäuren sowie Olivenöl.

Rituale beim Essen wichtig

Jede Rückführung der Depression nur auf die Ernährung greift zu kurz, warnt Wolfersdorf. „Depression ist ein multifaktorielles Geschehen, in dem vor allem die genetische Biologie, die eigene Lebensgeschichte sowie belastende Ereignisse eine Rolle spielen können. Die Ernährung geht meist mit anderen Einflussfaktoren einher wie etwa dem Bildungsstand. Viele Berufsgruppen sind auf Fastfood fast angewiesen“, so Psychiater Wolfersdorf. Die Form, wie Nahrung aufgenommen wird, hat dennoch ihren Einfluss auf die Psyche. „Der Mensch braucht Rituale, mit denen er Beziehungen pflegt und auch den eigenen Selbstwert fördert. Aus diesem Grund ist es etwa für Verwitwete so wichtig, dass sie weiterhin selbst kochen statt nur noch zum Würstelstand zu gehen.“ Für Menschen in Gefahr einer Depression sei es wichtig, die Welt als überschau- und beherrschbar zu erleben, und Rituale seien eben ein derartiger Schutz vor Orientierungsverlust. „Kommen derartige Abläufe abhanden, kann sich das depressionsfördernd auswirken“, so der Experte.

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