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Wien - Hauptstadt der Badekultur

Dafür sorgen 49 Bäder und das riesige Freizeitareal der Donauinsel. Das Angebot an Bädern wird von den Bürgerinnen und Bürgern mit Begeisterung angenommen. Es gibt mittlerweile auch einen Badetourismus auf die Donauinsel mit ihren vielfältigen Angeboten. An heißen Tagen kann man den Eindruck haben, die Hauptbestimmung der Wienerinnen und Wiener sei, sich der Kleidung zu entledigen, den Staub des Alltags abzustreifen und sich in schicker Badekleidung oder ohne diese in den Bädern oder an den Gestaden der Insel zu erfrischen.

"Sündhaftes" und "lebensbedrohendes" Baden
Die Suche nach den historischen Gründen für die Lust am Sonnen, Planschen, Schwimmen ergibt einen durchaus widersprüchlichen Befund. Die "Natur" war bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine gefährliche und bedrohliche, ungebärdige und anarchische Gegenwelt zur städtischen Zivilisation. Baden in freien Gewässern war im 17. Jahrhundert hierorts gesellschaftlich geächtet und gesetzlich verboten. Zahllose Erlässe, Dekrete und Verordnungen vom Bürgermeister, vom Magistrat und von anderen obrigkeitlichen Instanzen argumentieren mit Begriffen wie "sündhaft" und "sittenwidrig" (wegen der Entledigung der Kleider) oder "gefährlich" und "lebensbedrohend" (wegen der gefährlichen Naturgewalt) gegen das Baden.

Trotz der Strafandrohung beugten sich die Wienerinnen und Wiener an heißen Tagen diesen Verboten nicht immer:

Obwohlen das oeffentliche Baaden in der Donau und Wien ... zur Verhuettung aller Aergernussen ... zu unterlassen zum oefftern anbefohlen worden, ... thuet man solches Baaden ohne Scheuch aller Orthen treiben.
(Wiener Stadt- und Landesarchiv, Alte Registratur 80/1715)

Erste Bäder
Seit dem 18. Jahrhundert setzten sich, was das Baden und die Natur betrifft, die Ideen der Aufklärung durch: Schwimmen wurde als Maßnahme zur physischen Erholung, Sauberkeit, Gesundheit und Krankheitsvorsorge anerkannt.

Im Mai 1781 wurde das Ferro-Bad an einem Donauarm nahe dem Augarten eröffnet. Pascal Joseph de Ferro propagierte den Gesundheitswert kalter Bäder. Ein Bad kostete 40 Kreuzer. Das sogenannte Freybad war eines der ersten Strandbäder in Wien. Legendär war und ist bis heute das Gänsehäufel. Florian Berndl, ein Wiener Original, pachtete um 1900 das "Gänsehäufel", eine durch die Donauregulierung entstandene Insel in der Alten Donau. Dort hielten sich lebensreformerisch bewegte Nonkonformistinnen und Nonkonformisten sowie Sonnenanbeterinnen und -anbeter auf. Es wurde auch bereits nackt gebadet. 1906 übernahm die Gemeinde Wien das Areal zuerst in Pacht und dann in ihr Eigentum. Das Gänsehäufel wurde zum Lieblingsbad der Wienerinnen und Wiener. An schönen Sommertagen musste bald die "blaue Fahne" gehisst werden, Signal, dass alle Badeplätze bereits vergeben waren. Heute bietet die Bäderstadt Wien scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten, den Traum von Arkadien zu verwirklichen.

Quelle: Stadt Wien

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