Boeller

Damit es zu Silvester sicher knallt

Ein Expertengremium im Europäischen Komitee für Normung CEN arbeitet laufend an der Weiterentwicklung von Regelwerken, die das Verletzungsrisiko für Pyrotechnik-Liebhaber minimieren sollen. Mit der ÖNORM EN 15947 wurde unter österreichischer Beteiligung ein einheitlicher europäischer Standard geschaffen, der die unterschiedlichsten Arten von Feuerwerkskörpern nach Grad der Gefährdung kategorisiert, Prüfverfahren festlegt und somit Verkauf und Anwendung klar reglementiert. Die ÖNORM bietet verlässliche Qualität und Sicherheit, was gerade im Bereich der Pyrotechnik einen maßgeblichen Beitrag zur Unfallprävention darstellt. 

Jeder vierte Österreicher lässt es zu Silvester kräftig krachen. Raketen, Böller und andere Feuerwerkskörper bescheren dem Fachhandel alljährlich einen Umsatz von rund zehn Millionen Euro. Ein strengeres Pyrotechnikgesetz, das seit 2010 in Kraft ist, verbietet seit dem Vorjahr in Österreich den Verkauf von Blitzknallsätzen, deren Spitzen-Lautstärke mehr als 120 Dezibel (vergleichbar mit dem Start eines Düsenjets) ausmacht. Damit sind auch die klassischen Schweizerkracher – dazu zählen auch die beliebten „Piraten“ – nicht mehr käuflich zu erwerben, da deren Knall-Laustärke die erlaubten Dezibel bei weitem überschreiten. Besitz und Verwendung von Piraten sind aber aufgrund einer eingeräumten gesetzlichen Übergangsfrist noch bis 2017 erlaubt. Pyrotechnische Gegenstände, die entgegen den gesetzlichen Bestimmungen verkauft oder verwendet werden, können von der Polizei beschlagnahmt werden. Laut Information der Landesdirektion Wien werden jährlich etwa drei Tonnen Material sichergestellt, das vom Entschärfungsdienst vernichtet wird.  

Kennzeichnung legaler Produkte
Feuerwerkskörper, die seit Jänner 2010 erhältlich sind oder neu auf den Markt kommen, müssen ein CE-Kennzeichen aufweisen. „Dieses Zeichen ist das verlässliche Merkmal dafür, dass dieses Produkt allen gesetzlichen Anforderungen entspricht und auf Herz und Nieren geprüft wurde“, erklärt Dagmar Schermann, zuständige Komitee-Managerin von Austrian Standards. Als tragende Säule für die Sicherheitskriterien, die pyrotechnische Gegenstände erfüllen müssen, fungiert die ÖNORM EN 15947.

Standardisierte Prüfungs- und Zulassungsverfahren


Die europaweit harmonisierte ÖNORM EN 15947 trägt als klar definiertes Regelwerk zur Minimierung des Gefahrenrisikos im Umgang mit Pyrotechnik bei. Das Explosions- und Brandverhalten der jeweiligen Feuerwerkskörper wurde im Zuge der Normenentwicklungsphase mehrfach erprobt und im Detail festgeschrieben. Die Norm legt aber auch Prüf- und Zulassungsverfahren fest und definiert damit Mindeststandards, die die Produkte der jeweiligen Gefahrenkategorie einhalten müssen, um einen gefahrlosen Einsatz der Feuerwerkskörper zu gewährleisten.

 „Jedes Jahr gibt es leider immer wieder Verletzte durch fahrlässige, unsachgemäße Handhabung von Raketen und Böllern. Speziell der Kauf von illegalen pyrotechnischen Gegenständen etwa in Webshops   birgt ein enormes Sicherheitsrisiko“, warnt Helmut Szagmeister, Pyrotechnikhändler und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Pyrotechnik und Sprengmittel“ bei Austrian Standards. „Bei diesen illegal verkauften Artikeln weiß man nie, woher sie kommen und was wirklich drin ist. Ein falsches Sprengpulvergemisch oder zu kurze Raketen-Leitstäbe können fatal enden. Deswegen sollte man Feuerwerkskörper nur bei offiziellen Verkaufsstellen und im Fachhandel erwerben und sich immer ganz genau an die Gebrauchsanweisungen halten“, so der Appell des Pyrotechnik-Experten.
CE-Kennzeichnung als Qualitäts- und Sicherheitsmerkmal 
Erkennen kann man legale, geprüfte pyrotechnische Artikel an der CE-Kennzeichnung, die an der Verpackung gut sichtbar (mind. 5 mm große Schriftzeichen) angebracht sein muss. Neben einer vierstelligen Zahlenkombination sollten auch Name und Adresse des Herstellers, Typ und Gefahrenkategorie des Gerätes (F1 - F4) angeführt werden. Die vierstellige Kennzahl bezeichnet die Prüfstelle, die das Produkt zugelassen hat. Die Prüfstelle vergibt dann noch zusätzlich eine eigene Registrierungsnummer, die ebenfalls am Produkt vermerkt wird. Jeder pyrotechnische Gegenstand, den ein Hersteller, Importeur oder Händler auf den europäischen Markt bringen will, muss in „benannten“ Prüfungsstellen der EU – sogenannten Notified Bodies – einem strengen Kontrollverfahren unterzogen werden. In mehreren Modulen werden dort u a. die korrekte chemische Zusammensetzung sowie technische Parameter, wie z. B. Brenndauer der Zündschnur, Standfestigkeit, Steighöhe (je nach Produkt unterschiedlich, jedoch mindestens 30 Meter), sowie Kälte-, Hitze- und Erschütterungstests durchgeführt. Erst dann kann die CE-Kennzeichnung und die Freigabe für den regulären Verkauf erfolgen. So können Verbraucher und Anwender darauf vertrauen, dass der pyrotechnische Gegenstand den Prüfnormen für die jeweilige Gefahrenkategorie entspricht und er bei Einhaltung der Gebrauchsanweisung nur dem geringstmöglichen Risiko ausgesetzt ist. Der Händler wiederum kann sichergehen, dass er nur gesetzeskonforme Produkte verkauft, die beispielsweise keine verbotenen Schadstoffe wie Arsen- oder Bleiverbindungen enthalten. 

EU-weit harmonisierte Kategorisierung  


Um die mit den unterschiedlichsten Arten von Feuerwerkskörpern verbundenen Gefahren richtig abschätzen zu können, legt die Norm auch das entsprechende Ordnungssystem fest, das im zweiten Teil der Norm (ÖNORM EN 14035-2 „Feuerwerkskörper; Teil 2: Einteilung“) beschrieben wird. „Hier kann man sich einen Überblick über Typen und Hauptwirkungen von mehr als 30 unterschiedlichen Arten verschaffen“, erklärt die Komitee-Managerin bei Austrian Standards. So ist beispielsweise die Knallerbse per definitionem ein schlagempfindlicher pyrotechnischer Satz und körniger Inertstoff, umhüllt mit Seidenpapier oder Folie. Wenn sie auf den Boden geworfen wird, erzeugt sie einen Knall. Ein Knallfrosch wiederum ist eine Papierhülse, die mit Schwarzpulver gefüllt, mehrfach gefaltet und zusammengebunden ist; die aufeinander folgenden Knalle sind mit hüpfenden Bewegungen verbunden. Beide Juxartikel werden laut ÖNORM der Kategorie F1 zugeordnet, da sie nur eine sehr geringe Gefahr darstellen. Mit dem neuen strengen Pyrotechnikgesetz dürfen sie erst ab dem 12. Lebensjahr erworben werden und sind – sofern dies in der Gebrauchsanweisung dezidiert angegeben wird – auch für die Verwendung in Wohnräumen zugelassen.
Laut Pyrotechnikgesetz ist die Verwendung von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 im Ortsgebiet generell verboten. Das betrifft Feuerwerkskörper, die eine geringe Gefahr darstellen und die zur Verwendung in beengten Bereichen im Freien bestimmt sind. Dazu zählen auch alle Arten von Silvesterraketen, Fontänen, Vulkane, Feuerräder etc. Allerdings kann der Bürgermeister zu besonderen Anlässen, wie z.B. zu Silvester, eine Sondergenehmigung erteilen. 
Zur Gefahrenkategorie 3 zählen laut ÖNORM Feuerwerkskörper, die eine mittlere Gefahr darstellen und zur Verwendung in großen, offenen, freien Bereichen im Freien bestimmt sind. Feuerwerkskörper der Kategorie 4 sind besonders gefährlich und nur zur Verwendung durch Personen mit Fachkunde bestimmt. Artikel der Kategorie  III und IV gehören ausschließlich in die Hände befugter Personen.

Eines sollten sich alle Hobby-Pyrotechniker am Silvesterabend jedoch immer bewusst machen: „Beim Einsatz pyrotechnischer Gegenstände wie etwa Silvesterraketen hat man es mit sensiblen Sprengstoffen zu tun. Dementsprechend sorgfältig sollte man dabei auch vorgehen“, resümiert Pyrotechnikexperte Szagmeister. Daher: Einkauf nur bei offiziellen Verkaufsstellen und im Fachhandel, Gebrauchsanweisung lesen und Anweisungen genau befolgen. Dann steht einer unbeschwerten Silvesternacht nichts im Wege.

Bild: Christian Schwier

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