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Keine Chance für Wohnzimmer-Hooligans

„Erlebe Emotionen.“ So lautet einer der Slogans, mit denen die Fußball-Europameisterschaft, die vom 7. bis 29. Juni in Österreich und in der Schweiz stattfindet, beworben wird. Der Slogan ist nicht unproblematisch. Schließlich werden während der EM leider auch Gewalttätigkeiten dramatisch ansteigen. Wut, Frust, Aggression, Angst – das sind dann die Emotionen, die von den Opfern der Gewalt erlebt werden müssen.

Brutalität, unbemerkt von der Öffentlichkeit

Wer sich die Gewaltszenen der letzten Fußball-Weltmeisterschaft, die 2006 in Deutschland stattgefunden hat, vor Augen ruft, sieht wohl vor allem die Bilder der Schlägereien und Straßenschlachten, die sich Hooligans aus Deutschland, England und Polen in mehreren deutschen Städten geliefert haben, vor sich. Dabei ist die WM 2006 eher als eine der friedlicheren Fußball-Großveranstaltungen in die Sportgeschichte eingegangen. Das liegt auch daran, dass die Veranstalter sehr darauf bedacht waren, dass das positive Image des „deutschen Sommermärchens“ nicht von Gewaltbildern ramponiert wird. Das ist im Großen und Ganzen gelungen – auch, weil das Gros der Gewalttaten abseits der Fernsehkameras stattgefunden hat. Gemeint sind hier nicht die „Wald-und-Wiesen-Treffen“ internationaler Hooligan-Fraktionen. Nein, der dramatischste Anstieg der Gewalt fand zuhause statt. Innerhalb der Familie. Und weitgehend unbemerkt.

Bis zu 30 % mehr Gewalt an Matchtagen!

Einer deutschen Studie zufolge gab es während der Weltmeisterschaft 2006 an Matchtagen bis zu dreißig Prozent mehr familiäre Gewaltfälle. Auslöser ist oft eine fatale Kombination aus enttäuschten Erwartungen, Frust, Wut und übermäßigem Alkoholkonsum. Bei vierzig Prozent aller Verdachtsfälle von häuslicher Gewalt während dem „deutschen Sommermärchen“ war der Täter alkoholisiert! So gab es Tausende Einzelfälle mit relativ identischen Abläufen: Die Männer sitzen stundenlang vor dem Fernseher, trinken – es findet ja ein Fußballfest statt – Unmengen Bier, fiebern mit, und lassen den Frust  schlussendlich an ihren Frauen aus. Während der Europameisterschaft 2008 werden solche Szenen leider auch in Österreich vermehrt stattfinden. Dabei sind die Zahlen der Gewalt- Statistik von Amnesty International auch ohne den Einfluss eines Fußball-Großereignisses schockierend: Jede fünfte Frau in Österreich wird demnach Opfer häuslicher Gewalt. Das sind bis zu 300.000 Frauen jährlich. Sie werden geschlagen, bedroht, beschimpft, und zu sexuellen Handlungen gezwungen. In den eigenen vier Wänden, von den eigenen Männern.

Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der EM

Frauen, die bereits erfahren mussten, dass Gewaltpotenzial in ihren Männern nicht nur schlummert, sondern durchaus auch zum Ausbruch kommen kann, sollten im Vorfeld der Europameisterschaft alle Vorbereitungen treffen, die ihnen nützen können, falls ihr Partner tatsächlich gewalttätig werden sollte.  Tipp: Überlegen Sie, wo Sie im Krisenfall mit Ihren Kindern hingehen könnten. Legen Sie Geld zur Seite, damit Sie im Ernstfall auch ein Taxi und Hotel  bezahlen können. Und sorgen Sie dafür, dass Sie die Nummer der österreichweiten Frauenhelpline gegen Männergewalt griffbereit haben. Die Nummer lautet: 0800/222 555 (österreichweit). Und vergessen Sie nie: Wenn Sie mit Ihrem Partner in einem gemeinsamen Haushalt leben und er Sie bedroht oder schlägt, sollten Sie sofort die Polizei rufen. Die Beamten können dann einschreiten und dafür sorgen, dass der Gewalttäter sofort die Wohnung verlassen muss. Sie können dabei auch ein „Betretungsverbot“ verhängen. Dann werden dem Mann die Schlüssel zur Wohnung beziehungsweise zum Haus abgenommen und er darf die Wohnung oder das Haus sowie die nähere Umgebung bis zu zehn Tage lang nicht betreten.

Die trügerische Hoffnung auf ein Happy End

Wenn die betroffene Frau, die Opfer der häuslichen Gewalt wurde, innerhalb dieser zehn Tage beim zuständigen Bezirksgericht einen „Antrag auf  Erlassung einer Einstweiligen Verfügung“ stellt, kann das Betretungsverbot auf maximal 20 Tage verlängert werden. Außerdem kann das Gericht dem  Gewalttäter durch eine „Einstweilige Verfügung“ für bis zu drei Monate das Betreten der Wohnung, des Hauses und auch der näheren Umgebung  verbieten. Leider nutzen aber viel zu wenige der betroffenen Frauen ihre rechtlichen Möglichkeiten aus. Eine fatale Mischung aus Angst, Scham- und Schuldgefühlen und der trügerischen Hoffnung, dass der Partner sich bessern könne, sorgt oft dafür, dass die Opfer von häuslicher Gewalt nichts  unternehmen, was zu einer Verbesserung ihrer Situation führen könnte. Meist ist die Tatenlosigkeit der Opfer ein verhängnisvoller Fehler. Schließlich zeigen sich die Täter nur in den seltensten Fällen wirklich einsichtig. Auch auf reuevolle Lippenbekenntnisse folgt meistens bald wieder ein gewalttätiger Übergriff. Statt einer Verbesserung gibt es leider in den meisten Fällen sogar eine Verschlimmerung der Situation: Die Misshandlungen werden oft immer brutaler, die Abstände zwischen den Gewaltausbrüchen immer kürzer.

Im Teamwork aus der Krise

Damit die betroffenen Frauen ihrer Opferrolle entkommen können, ist in vielen Fällen auch die Hilfe von Freunden, Bekannten, Verwandten oder  Arbeitskollegen notwendig. Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Frau geschlagen oder auf andere Arten misshandelt wird, sollten Sie auf keinen Fall wegschauen und schweigen. Sprechen Sie die Frau vorsichtig darauf an und vermitteln Sie ihr das Gefühl, dass sie Ihnen vertrauen kann. Bleiben Sie dabei auch hartnäckig, wenn erste Anfragen mit abweisenden Reaktionen („Das geht dich nichts an.“) oder Lügen („Ich bin gestürzt.“) beantwortet werden. Dabei sollten Sie der Betroffenen aber immer das Gefühl geben, dass Sie sie ernst nehmen – auch, wenn manche Reaktionen wie etwa das Schützen-Wollen des Täters für Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar sind. Machen Sie nicht den Fehler, zu viele Ratschläge zu erteilen. Für die Opfer von häuslicher Gewalt ist es immer auch sehr wichtig, dass sie sich – sobald sie zu jemandem das notwendige Vertrauen gefunden haben – endlich aussprechen können. So können Sie am ehesten dafür sorgen, dass die oft kaum vernehmbaren Hilferufe der Opfer nicht im Lärm der Fußball- Europameisterschaft untergehen.

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