Maedchen Klavier

Ein ganz besonderes Festival

Samstag-Nachmittag, 16. November 2013, Wiener Minoritenkirche: Kaum jemand verirrt sich in das altehrwürdige Bauwerk. Zwar tummeln sich tausende Menschen auf den weihnachtlich illuminierten Straßen der Innenstadt, doch der Gedanke von den touristischen Trampelpfaden abzuweichen, kommt niemandem. Zu groß scheinen die Verheißungen der bunten Warenwelt zu sein, zu getrübt der Blick auf die wahren Kostbarkeiten. Dabei wären es von der belebten Herrengasse nur wenige Schritte zum mittelalterlichen Gotteshaus, das an diesem Tag, sowie auch an den beiden vorangegangene, Schauplatz ganz besonderer Kunstfertigkeit ist.

Zum dritten Mal findet das Internationale Piano-Festival für Menschen mit Beeinträchtigungen statt. Kaum jemand weiß davon, einige Randnotizen in wenigen Medien wiesen darauf hin – mehr nicht. Dabei hätten diese Menschen, deren einmalige Begabungen nicht hoch genug gewürdigt werden können, mit höchsten Ehrungen von einem großen Publikum empfangen werden müssen. Und zwar an jedem Tag und zu jeder Stunde des Wettbewerbs. Uns bietet sich ein eher bescheidenes Bild: Nicht mehr als zwei Dutzend Zuhörer, die sich in den Bankreihen verlieren, vorwiegend Japaner, Mitglieder der Jury, Organisatoren des Festivals oder Begleitpersonen der anwesenden Künstler. 

Vor dem Altar steht ein schwarzer Bösendorfer-Flügel, ein zierliches Mädchen in weißem Spitzenkleid spielt Chopins Scherzo Nr. 1 op. 20 in h-Moll. Ein gerade erst 18-jähriges Musikgenie, das jede Tastenberührung virtuos beherrscht. Das Mädchen heißt Fang-Chen Chung und ist blind. Ihre körperliche Beeinträchtigung löst kein Mitleid aus sondern tiefsten Respekt vor ihrer musikalischen Leistung. Wenn doch nur mehr Menschen dieses Kind beim Klavierspielen gesehen hätten, wie erfüllt und bereichert hätten sie die geheiligten Hallen verlassen. Die wenigen Zuhörer applaudieren artig, kaum hörbar, das Mädchen verneigt sich, wird am Arm genommen und aus dem Kirchenraum geführt. Sie ist glücklich, hadert nicht mit ihrem Schicksal: "Wenn der Strom ausfällt, dann bin ich allen anderen Menschen überlegen", sagt sie lächelnd.

Insgesamt haben 48 junge, körperlich- und geistig beeinträchtigte Menschen aus allen Teilen der Welt an diesem einmaligen Festival teilgenommen. Die ersten Piano Paralympics fanden 2005 in Yokohama statt, 94 Musiker aus 14 Ländern waren dabei. Der zweite Wettbewerb wurde vor tief beeindruckten Zuhörern in Vancouver abgehalten. Dazwischen gab es ein viel umjubeltes Konzert der Künstler in der New Yorker Carnegie Hall.

Und nun das dritte Festival in der weltberühmten Musikstadt Wien, der Wirkungsstätte von Beethoven und Mozart, der Heimatstadt der begnadetsten Komponisten. Wenn nicht hier, wo sonst hätte diesen Künstlern ein entsprechender Rahmen geboten werden müssen: Konzerthaus, Musikverein, oder gar Opernhaus, allesamt Kulturstätten mit großartigem Ruf, haben die einmalige Chance vertan sich aufgeschlossen als Speerspitzen der Kunst – auch abseites des Mainstreams – zu präsentieren. In der Wiener Minoritenkirche, zweifellos ein schöner Rahmen, traten die begnadeten Musiker auf. Leider kaum bemerkt und viel zu wenig beachtet. Dabei weiß jeder von uns: Der wahre Lohn eines Künstlers ist der Applaus, die Anerkennung des Publikums. Wir verbeugen uns mit diesen Zeilen vor den großartigen Teilnehmern des Festivals.

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