kindergarten

Gut aufgehoben in den ersten Lebensjahren

Die aktuelle politische Diskussion zur Thematik der Fremdbetreuung von Kleinst- und Kleinkindern ist ebenso kontrovers wie die Meinungen der Fachwelt dazu. Von zentraler Bedeutung für die weitere emotionale, kognitive und soziale Entwicklung eines Kindes ist die emotionale Sicherheit in den ersten Lebensjahren und somit die frühesten Beziehungen. Ein bislang wenig erforschter Inhalt ist, unter welchen Voraussetzungen Eltern ihr Kleinstkind mit gutem Gefühl in die Obhut einer Kinderkrippe geben. Eine Studie, an der mehr als 600 Eltern teilnahmen, ergab: Kinderkrippen sind eine von den Eltern durchaus gewünschte und akzeptierte Form der Fremdbetreuung von Kleinstkindern, wenn die Eltern das Vertrauen haben, dass das Kind dort gut aufgehoben ist.

Eltern erwarten zu viel

Eine Kindergrippe braucht vor allem:
• BetreuerInnen, die über entwicklungspsychologische Kenntnisse verfügen und bereit und imstande sind, Kindern emotional verlässliche Zuwendung zu bieten
• Kleine Gruppen von optimalerweise nicht mehr als fünf Kindern pro Betreuerin.

Die Wünsche der Eltern an die Kinderkrippe stimmen in diesen Punkten mit den kindlichen Bedürfnissen dieses Lebensalters überein. Wenngleich die Wünsche der Eltern an die Kinderkrippe durchaus mit den kindlichen Bedürfnissen dieses Lebensalters kongruent sind, ergab die Studie auch, dass Eltern in ihrer Einschätzung, woran sie das Wohlbefinden des Kindes erkennen können, Verhaltensweisen und Fähigkeiten von den Kindern (und damit auch von den Auswirkungen der Betreuung in der Kinderkrippe) erwarten, die für Kinder dieses Alters noch nicht verfügbar sind und daher eine Überforderung darstellen. Notwendig erscheint daher die Information der Eltern über psychische Reifestadien von Kleinstkindern, um sie und ihre Kinder vor Überforderung zu schützen.

Kinderkrippen im Trend

Die institutionelle Betreuung von Kleinst- und Kleinkindern wird zunehmend in Anspruch genommen: Betrug die Quote der Kinder im Alter von null bis zwei Jahren, die institutionell betreut wurden, im Jahr 1995 österreichweit 4,6%, so stieg die Quote im Jahr 2006 auf 10,8%. In Kenntnis um die Bedeutung der frühesten Beziehungen eines Kindes für seine weitere emotionale, kognitive und soziale Entwicklung gewinnen daher die Kinderkrippen zunehmend an sozialpolitischer, bildungspolitischer und gesundheitspolitischer (im Sinne der seelischen Gesundheit) Bedeutung – auch als Einrichtungen zur Primärprävention von Entwicklungsstörungen. Die aktuelle politische Diskussion zur Thematik der Fremdbetreuung von Kleinstund Kleinkindern ist ebenso kontrovers wie die Meinungen der Fachwelt, die sich zwischen folgenden beiden Polen spannt: Die Unterbringung in einer Kinderkrippe sei für Unter-Dreijährige gänzlich abzulehnen bis hinzu: Es sei für die kindliche Entwicklung gänzlich unbedenklich, wenn das Kind in den ersten Lebensjahren in einer Kinderkrippe betreut wird. „Eine Diskussion, ob fachlich oder politisch, über die Betreuung von Kindern in ihren ersten Lebensjahren in der Kinderkrippe, die die Befindlichkeit der Eltern dazu nicht mit einbezieht, ist zu kurz gegriffen“, so Studienleiterin Dr. Brigitte Sindelar.

Mehrheit spricht sich für Fremdbetreuung aus

Dieser Überlegung folgend hat sich die Sigmund Freud Privat-Universität Wien in Kooperation mit der Firma Fisher Price entschlossen, eine repräsentative Erhebung unter Eltern durchzuführen, was deren Wünsche und Erwartungen an eine Kinderkrippe sind – ein bisher wenig erforschter Inhalt. In einem Fragebogen wurden Eltern zu ihren Wünschen bezüglich der Ausstattung, des Personals, der Kooperation zwischen Betreuerinnen und Eltern befragt. Einige Ergebnisse: 611 österreichische Eltern beantworteten den Fragebogen, sie haben insgesamt 706 Kinder unter drei Jahren, wobei den größten Anteil (52,41%) die ein- bis zweijährigen Kinder ausmachen. Nur 9,5% der Befragten sprachen sich grundsätzlich gegen Fremdbetreuung aus. Bei der Art der Unterbringung von Kindern unter drei Jahren geben 51,5% der Eltern der Betreuung durch ein Familienmitglied in der Wohnung den Vorzug, auf Platz zwei liegt mit 20,2% bereits die Betreuung in einer Kinderkrippe, noch vor der Tagesmutter oder dem Familienangehörigen in dessen Wohnung. Die Kinderkrippe, der Eltern ihr Kleinstkind mit gutem Gefühl anvertrauen würden, muss vor allem sauber sein, einen Garten haben, ausreichend Spielzeug zur kognitiven Förderung bieten. Im Umgang mit dem Kind ist den Eltern vor allem wichtig, dass eine ausreichende Zahl von BetreuerInnen zur Verfügung
steht (eine Betreuungsperson für drei bis fünf Kinder), das Kind bei Kummer getröstet wird, Vertrauen zur Betreuungsperson hat und diese  Betreuungspersonen konstant bleiben – in letzterem Punkt sind sich die Eltern nahezu einig. Einen hohen Stellenwert nimmt der Wunsch nach enger Kooperation zwischen Eltern und Betreuungspersonal ein, 93 Prozent der Eltern wünschen sich auch kinderpsychologische und kinderpsychotherapeutische Supervision und Fortbildung für das Betreuungspersonal.

Emotionale Sicherheit für das Kind

Aus den Ergebnissen der Studie ist abzuleiten, dass den Eltern die zentrale Bedeutung der emotionalen Sicherheit des Kindes sehr wohl bewusst ist. Allerdings wird bei der Erhebung, an welchem Verhalten der Kinder die Eltern zu merken meinen, dass sich ihr Kind in der Krippe wohlfühlt, deutlich, dass die Erwartungen der Eltern an die Kinder unerfüllbar sind: daran, dass sich das Kind leicht von Mutter oder Vater trennt, mit anderen Kindern spielt und wenig Aggression zeigt, keine Eifersucht zeige, Enttäuschungen ertragen kann, ohne sich zurückzuziehen – Fähigkeiten, die bei einem Kind unter drei Jahren entwicklungsmäßig noch nicht erwartet werden können. Aus den Antworten der Eltern ist zu erkennen, dass in die Kinder die Erwartung einerseelischen Stabilität gesetzt wird, die diese im Alter von ein bis zwei Jahren noch nicht erworben haben können.

Gutes Gewissen versus Wissen

Es ist zu hinterfragen, ob Eltern ausreichend aufgeklärt sind, welche Verhaltensmöglichkeiten einem Kind zwischen 0–3 Jahren zur Verfügung stehen, womit man nicht rechnen kann und was daher unbedingt seitens einer Fremdbetreuung zu beachten und zu fordern ist. Gefragt wurde im Fragebogen nach den Kriterien, die es Eltern möglich machen, ihr Kleinstkind der Kinderkrippe mit gutem Gewissen anvertrauen zu können, also danach, was sie sich wünschen, um Vertrauen haben zu können – denn Vertrauen haben zu dürfen und zu können, sich geborgen und gut aufgehoben zu fühlen, ist das Fundament jeder Beziehung und jedes Wachstums, für Menschen jeden Alters und in jeder Lebensphase, aber besonders unabdingbar für Kleinst- und Kleinkinder.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

JInput Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( [Itemid] => 164 [option] => com_content [view] => article [catid] => 62 [id] => 1794 ) [inputs:protected] => Array ( [cookie] => JInputCookie Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( ) [inputs:protected] => Array ( ) ) [request] => JInput Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( [Itemid] => 164 [option] => com_content [view] => article [catid] => 62 [id] => 1794 ) [inputs:protected] => Array ( ) ) ) )