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Krieg im Paradies

Nicht weit von den Hotels entfernt tobt der Bürgerkrieg. Viele Kinder sind Opfer der Kämpfe. Sie leiden an den Folgen des Konflikts. Doch die Hilfsbereitschaft hält sich in Grenzen.

Ein ganz normaler Schultag für Sathees Kumar(10). Er konzentriert sich aufmerksam auf den Unterricht, in den Pausen hat er Spaß mit seinen Klassenkameraden. Doch als nachmittags der Unterricht zu Ende ist, ändert sich sein Leben schlagartig: Das Dorf wird bombardiert, verletzte Menschen schreien um Hilfe. Überall Verzweiflung, Chaos und Entsetzen.  Der Bub läuft nach Hause. Seine Eltern und die beiden Geschwister sind nicht mehr da. Weinend begibt er sich zu seiner Großmutter, rettet sich mit ihr in ein Flüchtlingslager. Er überlebt den Angriff und ist hier vor den Zwangsrekrutierungen der Kriegsparteien geschützt. Denn diese haben eine unstillbare Gier nach neuen Soldaten. Ob Kind oder Greis – „Kanonenfutter“ kennt keine Altersgrenze. Wer eine Waffe halten kann, muss kämpfen. Bis zum bitteren Ende. Rund 3.800 Kinder wurden, entgegen der vereinbarten UN-Konventionen, bereits in den Krieg geschickt. Die meisten kommen nicht mehr zurück…

Urlaub im Kriegsgebiet

Sri Lanka – die Perle des indischen Ozeans. Für die einen ein traumhaftes Urlaubsparadies mit weißen Sandstränden und Ayurveda- Kuren im Luxushotel, für andere, wie Sathees, die Hölle auf Erden. Nur wenige hundert Kilometer trennen die Touristen von Not und Elend. Alles wird getan, um den „reichen” Gästen ein gutes Gefühl zu vermitteln. Sie residieren in den feinen Häusern im Süden und Westen des Eilandes und erholen sich bei bestem Service. Kaum einer von ihnen denkt beim Dinner unter Palmen daran, dass hier seit Jahren ein blutiger Krieg tobt. Niemand lässt sich die Stimmung vom Wissen verderben, dass das Leben von Kindern im Norden und Osten der Insel nicht nur durch Bombenangriffe und Landminen gefährdet ist, sondern – aufgrund der Trennung von Eltern und älteren Geschwistern – auch durch sexuelle Gewalt oder heimtückische Krankheiten wie das gefürchtete Dengue Fieber (Anm.: Wie bei Ebola kann es zu inneren Blutungen kommen). Seit 2002 gilt auf der einstmalig britischen Insel ein Waffenstillstandsabkommen. Es wird immer wieder gebrochen. „Im neuen Jahr hat die Regierung ihre Luftangriffe fortgesetzt. Auch auf Flüchtlingslager”, berichtet ein engagierter Seelsorger. „Am zweiten Jänner sind bei einem Angriff auf ein Lager 22 Menschen getötet worden. Darunter sechs Kinder. 40 Menschen wurden schwerst verletzt”, weiß der Pfarrer. Nach aktuellen Informationen sind 800.000 Menschen auf der Flucht, rund ein Drittel davon sind Kinder. Viele kommen aus entlegenen Regionen, müssen lange durch den Urwald wandern, um sich in Sicherheit zu bringen. Sie drängen sich in die Flüchtlingslager. Teilweise verletzt, mit unversorgten Wunden. Bevor sie die Lager erreichen gilt es, die Schikanen der Regierungssicherheitskräfte über sich ergehen zu lassen. Flüchtlingshelfer
L.R. David von der Kindernothilfe- Partnerorganisation JDCSI: „Wir tun, was wir können. Bis heute sind 22.500 Flüchtlinge aus dem Vaharai-Gebiet zu uns gekommen. Wir verteilen warme Mahlzeiten an die Familien. Außerdem gibt es für die Betroffenen Hygiene-Päckchen, Bettdecken, Kleidung und Baby-Milchpulver.”

800.000 Flüchtlinge

Doch das Elend kennt kein Ende. Jüngst versuchten einige Menschen mit zehn Booten über das Meer in die von der Regierungsarmee kontrollierten Gebiete zu fliehen. Während der Überfahrt gingen zwei Boote mit 16 Flüchtlingen unter. Alle Insassen der „Nussschalen” kamen ums Leben. Darunter die Eltern und ein Sohn einer achtköpfigen Familie. Die übrigen Kinder überlebten, weil sie in einem anderen Boot saßen. „Sie hockten den ganzen Tag am Strand und weinten. Niemand kümmerte sich um die Kleinen. Unser Team hat sie gefunden und aufgenommen. Am nächsten Tag haben wir den Strand nach den Ertrunkenen abgesucht. Ohne Erfolg. Erst am dritten Tag fanden wir die toten Eltern. Wir haben sie beerdigt. Jetzt kümmern wir uns um die fünf Kinder und versuchen, Verwandte ausfindig zu machen”, so David. Ein Schicksal von vielen, die sich tagtäglich auf der Urlaubsinsel ereignen. Manche hat es besonders schlimm getroffen. So etwa Retnayaka (41) und ihre Tochter Renuka (10 Monate). Sie flüchteten vor den blutigen Kämpfen durch den Dschungel, konnte nichts von ihrer Habe retten, als die Kleider, die sie trugen. Schon einmal hat die Familie alles verloren: durch den schrecklichen Tsunami, der Teile der Insel verwüstete. Noch sind die Hilfsprojekte, welche nach der Flutwelle gestartet wurden, nicht ernsthaft durch den Bürgerkrieg gefährdet. 80 Prozent konnten bereits realisiert werden. „Unter anderem der Bau von 200 Häusern, zwei Schulen und Kindertagesstätten”, berichtet Kindernothilfe- Koordinator Ruben Wedel. Damals war die Spendenbereitschaft groß. Doch das Interesse an Hilfe für Kriegsflüchtlinge hielt sich schon immer in Grenzen. „Die Menschen scheinen die Situation zur Kenntnis genommen zu haben oder wissen nicht, wie viel Not der Konflikt verursacht”, so Helfer Jörg Denker. Er kennt die Insel schon lange und ist immer wieder verwundert, wie ahnungslos die meisten Touristen sind. „Ich habe zu viel gesehen und erlebt, als dass ich hier einen geruhsamen Urlaub verbringen könnte.” Ende Jänner wird er wieder in das Krisengebiet aufbrechen und sich vor Ort um die Betroffenen kümmern. Über 60 Projekte werden von der Kindernothilfe unterstützt. Dank guter Kontakte zur Kirche, können selbst entlegene Gebiete mitten im Kampfgebiet erreicht werden, die für andere Hilfsorganisationen nicht zugänglich sind. Trotzdem: Die Versorgung der Kriegsopfer ist mehr als mangelhaft. „Es fehlt an allem. Nahrung, sauberem Wasser und Unterkünften. Und nun ist auch noch Regenzeit.” Doch an Aufgeben denkt niemand. Solange sich die Situation nicht bessert, gilt für die Hilfskräfte: Hoffen und helfen, wo es geht.

Das „Trostbuch“ – Hilfe für Kinder

Viele Mädchen und Buben in den Flüchtlingslagern sind durch den Krieg und die Flutwelle schwer traumatisiert. Im Zuge eines Kindernothilfe- Projekts wurden 600 geeignete Personen (Lehrer, Sozialarbeiter, Seelsorger) vor Ort zu Notfallhelfern ausgebildet. Mittels so genannter „Trostbüchlein” sollen die Kinder ihre Emotionen in Worten und Bildern beschreiben. Sie sehen dadurch, dass es anderen Kindern ähnlich geht und fühlen sich mit ihren Ängsten und Schmerzen nicht so alleine. Das Erlebte soll auch durch Singen, Tanzen und Gruppenspiele verarbeitet werden.

Sri Lanka - Die Ursachen des Krieges

Das Konfliktpotential zwischen Singhalesen und Tamilen stammt aus der Kolonialzeit. Die schriftkundigen Tamilen wurden als Verwaltungsbeamte herangezogen und von den Singhalesen mit der Kolonialmacht identifiziert. Mit der Unabhängigkeit sollte dieser Machtvorsprung beseitigt und Sinhala Amtssprache werden. Für die Mehrheit der Tamilen nicht akzeptabel. Bewaffnete Konflikte waren vorprogrammiert. 1956 gewann die Sri Lanka Freedom Party die Wahl. Sie betrieb eine pro-singhalesische Politik. Ab 1970 schlossen sich mehrere tamilische Parteien zusammen und forderten einen eigenen Tamilenstaat. Kurzfristig konnten Kompromisse gefunden werden. 1981 wurde die Verfassung geändert und den tamilischen Abgeordneten ihre quotenmäßig zugesicherten Parlamentsplätze verweigert. Ab 1983 eskalierte der Konflikt. 1986 eroberten die Tamilen die Jaffna-Halbinsel und weite Teile
der Nordzentral- und Ostprovinzen. Indische Friedenstruppen wurden entsandt, aber bald vertrieben. 1995 eroberten Regierungstruppen die Jaffna-Halbinsel zurück. Großoffensive der Tamilen. 2002 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der leider immer wieder gebrochen wird.

 

„Ich habe zu viel gesehen und erlebt, als dass ich hier in Sri Lanka einen geruhsamen Urlaub verbringen könnte. Wir helfen, wo es nur geht“ Jörg Denker, Kindernothilfe

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