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Meine Tochter soll nicht in Reichtum aufwachsen

Im BabyExpress-Interview spricht sie über ihr Familienleben im Tenniszirkus und verrät, was es für sie bedeutet, dass sie künftig ohne Tina auf Tour gehen muss.

BabyExpress: Wird eine Profi-Tennisspielerin Mutter, ist es mit dem Spitzensport meist vorbei. Bei Ihnen war es genau umgekehrt: Seit der Geburt Ihrer Tochter im Jahr 2001 geht es für Sie in der Weltrangliste steil bergauf. So etwas hat es noch nie gegeben...
Sybille Bammer: Ich war nach der Geburt gar nicht sicher, ob ich überhaupt nochmal anfangen soll oder nicht. Weil Tennis ist ja doch sehr kostenintensiv. Aber mein Lebensgefährte Christoph hat damals gesagt, dass ich mit 21 zu jung bin, um mit dem Tennis aufzuhören. Er hat auch fest daran geglaubt, dass ich den Sprung in die Top 100 schaffen kann. Also haben wir gesagt: OK, probieren wir es noch einmal.

Warum sind Mütter im Tenniszirkus so selten?
Ich glaube, dass es sehr, sehr schwierig ist, das unter einen Hut zu bringen. Weil es ja den meisten Müttern ein Bedürfnis ist, so viel Zeit wie möglich mit ihren Kindern zu verbringen. Und ich glaube, dass Männer wie mein Lebensgefährte Christoph eher die Ausnahme sind. Er hat für meine Karriere seinen Job aufgegeben. Ich weiß nicht, ob das viele Männer machen. Außerdem ist man nach so einer Schwangerschaft – für die Maßstäbe einer Spitzensportlerin – ja konditionell am Boden. Deshalb bedeutet ein Kind für eine Spitzensportlerin eben sehr oft das Karriereende.

War Tina geplant?
Nein, sie war nicht geplant. Im ersten Moment als feststand, dass ich schwanger war, war ich auch ziemlich geschockt. Aber es war immer klar, dass ich die Tina haben will.

Und als Mutter waren Sie dann unglaublich erfolgreich: Schon wenige Monate nach Tinas Geburt haben Sie das prestigeträchtige Turnier in Grenoble gewonnen...
(lacht). Naja, nach der Pause war ich wieder so richtig siegeshungrig. Ich habe sehr viel Spaß am Tennisspielen gehabt und war einfach wieder total frisch im Kopf. Und natürlich glücklich. Wenn man Mutter ist und eine Tochter hat, ist man glücklich. Das hat mir sicher auch einiges an Euphorie gebracht. Und da spielt man dann auch besser.

Auch heuer waren Sie ziemlich erfolgreich. Im Tennis bedeutet das auch: Preisgelder. Alleine 2007 haben Sie schon über 250.000 $ an Preisgeldern gewonnen...
Ja. Das stimmt in etwa. Man muss halt dann immer Minus 30 Prozent Taxen wegrechnen. Und dann muss man ja auch die Flüge und den Trainer bezahlen. Da kommt schon auch eine große Summe zusammen, die man an Fixkosten hat. Aber natürlich ist uns da in letzter Zeit schon auch einiges übriggeblieben.

Was sind für Sie Vor- und Nachteile, wenn Kinder in Reichtum aufwachsen?
Die Tina wachst in keinem Reichtum auf. Ich finde es nämlich sehr wichtig, dass Kinder bescheiden aufwachsen. Damit sie dann später, wenn sie selber erwachsen sind, mit Geld umgehen können. Man muss ja jetzt einmal davon ausgehen, dass Tina einmal durchschnittlich verdient, und sie kann ja dann nicht immer sagen: Ich brauch jetzt da und da Geld. Kinder müssen lernen, mit Geld umzugehen. Man kann sich nicht alles leisten. Man muss auf etwas hinsparen und dann schauen, ob man es sich leisten kann. Viele Jugendliche nehmen sich ja einfach Kredite, und haben dann Schulden, Schulden, Schulden. Das finde ich nicht richtig und nicht gut.

Haben Sie Ihrer Tochter schon „schonend“ beigebracht, dass sie sich zu einer echt reichen Familie entwickeln?
Nein. Ich habe meinen Lebensstil auch nicht verändert. Wir leben ganz bescheiden, ganz normal, wie alle anderen Leute auch. Ich bin ja selbst auch ganz bescheiden aufgewachsen.

Aber etwas wird es ja geben, was Sie sich und Ihrer Familie jetzt gerne gönnen...
Nein. Eigentlich gar nichts.

Auch nicht hin und wieder ein gutes Steak oder so...?
(lacht) OK, ja, wir gehen jetzt ab und zu einmal essen. Nicht oft, aber öfter als früher. Aber sonst leben wir genau wie vor drei Jahren.

Sie sind auf einem Bauernhof aufgewachsen, Ihr Vater war Schlosser. Was möchten Sie Ihrer Tochter bieten, was Sie damals vermisst haben?
Ich habe eigentlich überhaupt nichts vermisst. Ich habe eine super Kindheit und Jugend gehabt. Ich habe nichts versäumt. Was ich Tina unbedingt bieten will, ist die Möglichkeit, eine gute Schulausbildung zu machen. Ja, und falls sie einmal studieren möchte, werden wir sie dabei natürlich unterstützen. Das
muss sie dann aber selber entscheiden. Man kann ja die Kinder zu nichts zwingen. Wer weiß, was sie einmal machen möchte.

Anfang Juli waren sie in London und haben in Wimbledon gespielt. Dann hat es die knapp vereitelte Terror-Anschlagsserie gegeben. Sind Sie da beim
Rückflug mit einem mulmigen Gefühl ins Flugzeug gestiegen?

Ja, natürlich hat man da ein bisschen ein mulmiges Gefühl. Normalerweise fährt man eine Stunde zum Flughafen. Wir haben zwei gebraucht. Am Flughafen selber war ganz wenig los. Und wir sind ganz genau kontrolliert worden.

Wäre es für Sie denkbar, ein Turnier zu canceln, weil Ihnen ein Austragungsort oder ein Flug zu riskant ist?
Ja. Auf jeden Fall. Ich habe eine Familie und würde da nichts riskieren.

Wie viele Tage im Jahr sind Sie als Tennis- Profi eigentlich unterwegs?
Ich bin in Summe etwa ein halbes Jahr pro Jahr unterwegs. Fix daheim bin ich nur im November und Dezember. Sonst bin ich immer wieder weg, dann komme ich kurz für ein paar Tage nach Hause, dann bin ich wieder weg. Tina war seit ihrer Geburt ungefähr bei 80 bis 90% der Turniere dabei. Am  Anfang war das schon sehr schwierig für uns. Allein das ständige Reisen mit einem Kleinkind ist hart für alle Beteiligten. Dass sie zum Beispiel in den Flugzeugen so lange angeschnallt still sitzen musste, war nicht einfach. Jetzt hat sie sich aber schon so ans Reisen gewöhnt, dass das für sie überhaupt kein Problem ist, sondern etwas ganz Normales.

Welche Staaten hat Tina schon gesehen?
Sie war schon auf jedem Kontinent und in sehr vielen Ländern. Sie hat Australien gesehen, Amerika, China, Japan. In Europa war sie schon fast in allen Ländern. Und sie spricht mittlerweile auch schon ziemlich gut Englisch. Sie mag das Tourleben, es gehört für sie einfach dazu. Aber jetzt, wo sie größer ist, hat sie zu Hause auch schon viele Freundinnen, die sie vermisst, wenn sie unterwegs ist. Manchmal sagt sie dann nach vier Wochen: Mama, ich freu mich schon auf daheim und auf den Kindergarten.

Wie wird sie von den anderen Tennisprofis wahrgenommen?
Unterschiedlich. Die Tina war mit der Martina Hingis (ehemalige Weltranglisten-Erste, Anm.) schon einmal auf einen Kaffee und Kuchen – Tina hat Kuchen gegessen, Martina Hingis Kaffee getrunken. Mit manchen Tennisprofis spielt die Tina auch Uno. Die freuen sich teilweise, wenn sie die Tina sehen und begrüßen sie wie eine Freundin.

Im Herbst kommt Tina in die Schule...
Richtig. Sie fängt im September in Ottensheim mit der Schule an.

Und Sie sehen sie plötzlich viel weniger?
Ja. Leider. Am 10. September ist Schulbeginn. Da werde ich die ganze Woche bei Tina sein. September und Oktober spiele ich dann einige Turniere in Europa. Christoph wird zuhause bei Tina bleiben. Ich werde also alleine reisen, aber nicht so lange weg sein. Im Jänner geht’s dann nach Australien, nach Sidney und Melbourne. Das ist dann die erste längere Reise ohne Tina. Da werde ich sie drei Wochen nicht sehen. Das wird eine große Umstellung. Bisher waren es nur manchmal 10,12 Tage, wo ich sie nicht gesehen habe. Und das ist mir schon lange vorgekommen.

Haben Sie ein bisschen Angst vor der Trennung?
(überlegt lange). Ich lasse das einmal auf mich zukommen. Genau planen kann man das eh nicht. Ich glaube, dass Tina beim Papa daheim gut  aufgehoben ist. Und ich komme ja immer wieder zurück (lächelt).

Haben Sie während einem Match oft auf die Tribüne zu Tina geschaut?
Am Platz bin ich eher auf das Spiel fokussiert und schaue nicht so viel herum. Aber hin und wieder ein kurzer Blickkontakt zu Tina und Christoph war schon drinnen. Und es hat mich schon immer motiviert, wenn sie mich angefeuert haben. Es wird sicher seltsam, wenn das jetzt dann nicht mehr so ist. Aber ich habe dafür mehr Ruhe und Zeit für die Regeneration, wenn ich alleine unterwegs bin. Andererseits werde ich meine Familie sicher vermissen.

Ist für Sie vor dem Ende Ihrer Profi- Karriere noch ein Kind denkbar?
Eher nicht. Es ist zwar möglich, jetzt noch ein Kind zu bekommen und dann noch ein Comeback zu starten. Aber ich würde mir das nicht mehr antun. Nach einem Jahr Schwangerschaft ist man konditionell am Boden. Da braucht man dann zwei Jahre, bis man wirklich wieder hundertprozentig fit für den Spitzensport ist. Dann wären wieder drei Jahre vergangen. Da ist es mir lieber, dass ich jetzt noch so lange wie möglich spielen kann und dann vielleicht nach meinem Karriereende noch ein Kind bekomme.

Aber wenn man sich Ihre Erfolgsbilanz so anschaut, könnte man schon sagen: Vielleicht würden Sie als zweifache Mutter ja überhaupt Weltranglisten-
Erste werden...

(lacht) Ja, wenn ich das wüsste, würde ich natürlich sofort ein zweites Kind bekommen. (lacht)

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Biographie

Sybille Bammer, geboren am 27.04.1980 in Linz, hat mit 11 Jahren mit dem Tennisspielen begonnen. Schon ein halbes Jahr später hat sie ihr erstes Turnier gewonnen. Seit 1997 spielt sie als Profi auf der WTA-Tour. Die großen Erfolge kamen aber erst nach der Geburt ihrer Tochter Tina (28. 7. 2001). Derzeit ist Bammer die Nummer 1 in Österreichs Damentennis und die Nummer 22 der Weltrangliste. Sybille Bammer lebt mit ihrer Tochter Tina und ihrem Lebensgefährten Christoph Gschwendtner in Ottensheim, Oberösterreich.

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