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Wer hat an der Uhr gedreht?

Jemand dreht im Uhrwerk die Zeiger und deshalb läuft die Zeit weiter? Aber was ist, wenn der Uhrenkastenmann einschläft? Muss jeder von uns aufpassen, dass die Zeit ihren Weg geht? Ein ähnliches Problem beschäftigt den fünfjährigen Jordan: „Wenn ich um acht ins Bett gehe und um sieben morgens aufstehe, wie kann ich dann feststellen, ob der kleine Zeiger der Uhr tatsächlich einmal rundum gelaufen ist? Muss ich die ganze Nacht wach bleiben und die Uhr beobachten? Und wenn ich nur einen kurzen Moment weggucke, vielleicht dreht sich dann der kleine Zeiger zweimal.“ Welches Problem beschäftigt den Fünfjährigen? Meint er, die Zeit vergeht nur, wenn er die Uhr kontrolliert? Ist es die Angst, die Zeit könnte stehen bleiben? Oder vermutet er, die Zeit wird von jedem selbst hervorgebracht?

Die Bildung des Zeitbegriffs
 „Kleinkinder haben kein Zeitgefühl! Die Fähigkeit des Erwachsenen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden, entwickelt sich spät. Kleinkinder leben im Hier und Jetzt. Sie kennen nur die Gegenwart.“ So resümieren viele Entwicklungspsychologen, wenn sie das Zeitverständnis der Kinder behandeln. Es war in erster Linie der Entwicklungspsychologe Jean Piaget, der mit Hilfe von Experimenten, Beobachtungen und kniffeligen Fragen herausfand, wie Kinder eine Vorstellung über die Zeit entwickeln. Es lassen sich folgende Stufen unterscheiden:

1. Stufe: der sensomotorische Zeitbegriff
Der sensomotorische Gebrauch von Zeit findet sich vom Säuglingsalter bis ins dritte Lebensjahr. Eine Vorstellung von Zeit bei Kindern in diesem Entwicklungsabschnitt hat nichts zu tun mit dem Zeitbegriff von Erwachsenen. Jedoch können Beobachtungen nahe legen, dass Kinder allererste Ahnungen von Zeitabfolgen besitzen. Beispielsweise kann der Säugling eine Hand zum Mund führen und sogar seinen Mund zum Daumen bevor er ihn zwischen die Lippen schiebt. Ein Experiment zeigt, Kinder können sich einen Bewegungsablauf zeitlich strukturiert vorstellen. Ein Einjähriger beobachtet einen Erwachsenen, wie er eine Puppe unter einer Decke versteckt. Kurze Zeit darauf kann er die Puppe problemlos finden, auch wenn er sie nicht direkt sehen kann. Piaget folgert aus diesen Beobachtungen: Das Kind in diesem Entwicklungsabschnitt bildet sinnvolle Reihen von Vorgängen und Zeitschemas. Es kann die Handlungsabläufe nacheinander ordnen, aber Vorstellungen über Zeitdauer sind noch nicht entwickelt.

2. Stufe: der anschauliche Zeitbegriff
 Ein Kind muss sich im Raum orientieren können und anfanghafte Kenntnisse über Zahlen besitzen, bevor es die Zeit richtig einschätzen kann. Beobachtungen an Kindern zwischen drei und sieben Jahren lassen bereits erste Zeitvorstellungen erkennen. Aussagen der Kinder über die Zeit sind in diesem Entwicklungsabschnitt mit der direkten Anschauung verknüpft. So behaupten Kinder in diesem Alter: Steine, die größer sind, seien auch älter als kleine Steine. Ebenso beurteilen sie das Alter von Kindern und Erwachsenen: Wer größer ist muss älter sein! Sehr deutlich wird das Verhaftetsein in der Anschauung beim Autorexperiment: Zwei Autos werden vor den Augen der Kinder bewegt. Ein Auto fährt schneller und legt im gleichen Zeitraum eine längere Strecke zurück. Anschließend behaupten die Kinder, das Auto, das eine längere Strecke zurückgelegt hat, sei auch länger gefahren.

Erwachsene bedienen sich des anschaulichen Zeitbegriffs, wenn sie Kindern erklären: „Der Zeiger der Uhr muss dort stehen, dann ist die Fahrt zu Ende ...“ Differenzierte Untersuchungen konnten jedoch zeigen: Wenn Kinder die Zeitbegriffe richtig verwenden, so fehlt ihnen weiterhin eine genaue Vorstellung über die Zeitdauer. „Selbst wenn ein Kind die Uhr lesen kann, hat es überhaupt noch keine Vorstellung davon was eine Minute oder eine Stunde darstellt.“

3. Stufe: der operative Zeitbegriff
Auf dieser Entwicklungsstufe können Kinder Zeitabschnitte handhaben, ohne dass sie in der konkreten Anschauung fixiert bleiben. Es bildet sich das Bewusstsein heraus: Zeit hat an allen Orten die gleiche Gültigkeit und die Zeitdauer setzt sich aus gleichen Zeiteinheiten zusammen. Dadurch wird es Kindern im Grundschulalter möglich, die Dauer unterschiedlicher Zeitabschnitte zu erkennen und Zeitintervalle miteinander vergleichen zu können. Wobei zu beachten ist, dass die Einschätzung von Zeitabschnitten und Zeitintervallen erst am Anfang steht. Eine Mutter erzählt: Als mein Sohn in die 4. Grundschulklasse ging und wegen Krankheit eine Schulwoche versäumt hatte, in der die Kinder über die Ritter gelernt hatten, versuchte ich den versäumten Lehrstoff nachzuholen, indem ich ihm sehr anschaulich über das Leben der Ritter im Mittelalter erzählte. Er hörte gespannt zu und fragte dann: "Warst du damals dabei?"

4. Stufe: der metrische Zeitbegriff
 Ein weiterer Entwicklungsfortschritt der kindlichen Zeitvorstellungen ist darin zu sehen, wenn es gelingt, die Dauer von Handlungen genauer zu schätzen und vorherzusagen, wie viel Zeit eine Handlung beanspruchen wird. Nach Untersuchungen von Piaget sind Kinder erst mit neun Jahren dazu fähig.

Die Entwicklungspsychologin Elisabeth Hurlock verweist auf Experimente, die zeigen, dass auch Erwachsene Schwierigkeiten haben, Zeitabschnitte richtig einzuschätzen. Hurlock konnte beobachten: Kleinkinder wiesen große Unterschiede in ihren Zeitvorstellungen auf, wenn es sich um neutrale oder persönlich bedeutsame Zeiten handelte. Kleinkinder finden sich sehr schnell in der emotionalen Zeit zurecht: Die meisten Kinder können mit drei Jahren ihr Alter angeben, wissen mit vier, wann der nächste Geburtstag ist. Sie haben konkrete Vorstellungen, wenn sie auf ein Ereignis warten, z.B. noch viermal schlafen und dann ist Weihnachten.
Das Kleinkind interessiert demnach zunächst, wie die Zeit sein Handeln und Leben lenkt. Daher sind die meisten bedeutsamen Zeitintervalle: die Stunden am Tage und die Stunden der Nacht. „Mami, wie lange muss ich noch schlafen?“ ist eine häufige Frage eines unruhig schlafenden Kleinkindes. Deutliche Unterschiede erkennt das Kind in den Jahreszeiten. Jahreszeiten und Festzeiten strukturieren den Zeitablauf.
Kritisiert werden die entwicklungspsychologischen Erkenntnisse zum Zeitverstehen der Kinder, weil sie einerseits von der linearen Zeitvorstellung der Erwachsenen ausgehen und zum anderen die emotionalen und sozialen Einflüsse kaum berücksichtigen.

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