Kleine Kinder nicht erwünscht, 1

Engel oder Bengel? Zahlreiche Berichte auf www.diemucha.at zeichnen ein düsteres Bild unserer familienfeindlichen Gesellschaft.

Kinder, besonders die ganz kleinen, genießen in der Werbung einen hohen Stellenwert: Sie lachen von Plakatwänden, tollen fröhlich durch Werbespots und sind der Blickfang vieler Zeitschriftentitel. Die Abbildungen von Babys appelieren an unseren Beschützerinstinkt, rufen tiefe Sehnsüchte wach, sind ein Versprechen für eine bessere Zukunft. Kinder sind Sympathieträger, auf die kein ernst zu nehmendes Unternehmen verzichten will. Leider hört sich die
Sympathie oft sehr schnell auf, wenn sich Erwachsene mit „realen“ Kindern konfrontiert sehen. Dann sind die Kleinen vielfach Auslöser für lautstarke Auseinandersetzungen, für Beschwerden und Zurechtweisungen. Täglich müssen sich Eltern rechtfertigen, weil ihr Sprössling wieder einmal zu laut war, im Restaurant gekleckert hat, unerlaubt einen Rasen betreten oder Ware im Supermarktregal durcheinandergebracht hat. Manchmal genügt schon die reine Existenz des Nachwuchses, um sich abfällige Bemerkungen von Nachbarn, Passanten oder sogar Bekannten anhören zu müssen.

Vorurteile gegen Großfamilien

Mit Vorurteilen konfrontiert sehen sich vor allem Familien mit mehreren Kindern, wobei eine Obergrenze von zwei das äußerste Maximum an Toleranz darstellt. Sind es drei oder mehr, gilt die Familie bereits als „asozial“ oder als „typische Ausländer“. Ist unsere Gesellschaft kinderfeindlich?

Urlaub mit Hindernissen

Andrea hat diesbezüglich keine Zweifel. Die zweifache Mutter berichtet auf diemucha.at, dass sie einen Urlaub online buchen wollte. Das Problem: Mit mehr als einem Kind ist das fast unmöglich. „Egal, wie man es handhabt, bei zwei Kindern, viele Formulare lassen nur eine begrenzte Anzahl an Kindern zum Eintragen zu, oder andere Reisebuchungen. Die Auswahl ist hier schwierig und dürftig.“ Die Mutter appelliert an alle Online-Reisebüros: „Gerne hätten Eltern die Option, online das Formular auch benutzen zu können. Vielleicht wäre es für die Veranstalter interessant, sich auf Familien mit mehr als einem Kind zu konzentrieren.“

Kinder – nein, danke!

„Wir lieben unsere Kinder, sagen wir“, schreibt Arno Gruen in seinem Buch „Der Verlust des Mitgefühls“. „Aber die Welt, die wir kreieren, ist kinderfeindlich. Kinder können nicht mehr auf der Straße spielen, ohne sich Gefahren auszusetzen. Wo sind die Orte, die ein Kind entdecken kann, um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen? Ein Kind darf nichts mehr ausprobieren, darf nichts mehr verändern, neu beginnen. Sein inneres Leben verkümmert,
weil es sich nur noch nach außen hin orientieren, in vorgegebenen Bereichen bewegen darf!“ Wenn es für diese treffenden Sätze noch eines Beweises
bedurft hätte, dann findet man ihn auf www.diemucha.at. Konzipiert als virtuelle Klagemauer in Konsumentenfragen, ist das Portal auch Anlaufstelle von Familien, Vätern oder Müttern, die ihrem Frust über die allgemeine Kinderfeindlichkeit endlich einmal öffentlich freien Lauf lassen möchten. Da werden schon einmal Anklagen gegen Familienpolitik der Regierung laut, gegen neue Schulgesetze, gegen Verfahrensweisen von Jugendämtern, oder es werden allgemeine Beiträge über die kinderfeindlichen Aspekte in unserer Gesellschaft zur Diskussion gestellt. Vor allem aber zeigt sich, wie wenig sich bisher bei den Unternehmen herumgesprochen hat, dass Familien mit Kindern einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor darstellen. Auch hier zeigt sich: Kinder sind als effektives Werbeinstrument willkommen, im realen Leben betrachtet man sie jedoch bestenfalls als Störefriede, die sich auf das Geschäft negativ auswirken. Ein besonderes Beispiel dafür liefert Nadine. Bei der Suche nach einem passenden Brautkleid landete sie in einem Brautmodengeschäft, das mit seiner Kinderfeindlichkeit schon am Eingang nicht hinterm Berg hält: „An der Eingangstüre findet man ein Schild, das einen durchgestrichenen Kinderwagen zeigt. Hunde dürfen anscheinend rein, das Schild fehlt. Trotzdem reingegangen erntet man böse Blicke, Grüße werden verweigert und die Bedienung bleibt aus.“

Keine Bedienung für Familien mit Kindern

Nicht anders die Situation in der Gastronomie. Als Brigitte gemeinsam mit einer Freundin und ihren zwei Kindern ein bekanntes Wiener Café betritt, wird
sie vom Kellner mit folgenden Worten empfangen: „Die ham´ mir grad no g´fehlt ...“Nach 20-minütigem Warten auf Bedienung sowie der Beobachtung, dass inzwischen mehrere kinderlose Paare bedient wurden, verlässt die kleine Gruppe verärgert das Lokal. Für eine Familie gab es bei einem bekannten Heurigen sogar einen Lokalverweis, weil der kleine Sohn es gewagt hatte, mit dem Zahnstocher herumzuspielen. Auch eine Schulklasse musste ähnliche
Erfahrungen machen. Mühsam hatte man sich das Geld zusammengespart, um gemeinsam ein Eis essen zu gehen. Doch im menschenleeren Salon waren
die Kinder nicht erwünscht. Der Kellner erlaubte nicht, dass sich die Kinder niedersetzen. Die Begründung: Kinder sind zu laut und machen zu viel Schmutz! Die Lehrerin bot daraufhin zehn Euro für das eventuell notwendige Reinigen der Tische zusätzlich zur Konsumation an. Das Lärmargumentwar ohnehin unbegründet, da im Eissalon niemand außer Personal anwesend war. Die Kellner lehnten ab und forderten die Klasse auf, das Lokal zu verlassen. Resümee der Lehrerein „Die rund 20 Kinder gingen schwer enttäuscht, ohne Eis zu kaufen, weg. Wir werden in Zukunft diesen kinderfeindlichen  italienischen Eissalon meiden.“

 

 

 

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