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Shit happens!

Diese Frage haben wir an Teenager weitergegeben, die für den Baby- Express beichten gegangen sind.

Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Mit diesen Worten wird man in der katholischen Kirche nach einer Beichte von seinen Sünden „losgesprochen“. Baby- Express hat einige Jugendliche befragt, wann sie das letzte Mal beichten waren. „Ich glaube, in der Volksschule.“ „Kann mich nicht erinnern.“ „Puh, das ist schon lange her.“ Diese Statements repräsentieren den Großteil der Antworten, die den Schluss zulassen, dass das Sakrament der Beichte bei sehr vielen Teenagern nicht unbedingt der große Bringer zu sein scheint. Zu Unrecht? Das wollten wir wissen. Und haben einige Jugendliche
eingeladen, Beichten zu gehen, und uns danach – wenn sie wollen – von ihren Eindrücken und Erlebnissen zu erzählen. Einige dieser Eindrücke stellen wir Ihnen hier vor, die Namen der beichtenden Teenager wurden von der Redaktion geändert.

Die Eindrücke waren vielfältig

„Shit happens“ – nicht alle Priester haben so „cool“ und im Sprachjargon der beichtenden Teenager auf die „Sünden“ reagiert wie der Geistliche in der Michaelerkirche. Generell lässt sich aber sagen, dass viele der Teenager von „ihrer“ Beichte positiv überrascht waren. „Der Pfarrer ist voll auf mich und meine Probleme eingegangen,“ meint etwa Daniel. „Die Beichte war einfach so, wie wenn man einem netten Menschen etwas erzählt,“ berichtet Samuel.
„Oft weiß man ja nicht, mit wem man reden soll. Es gibt ja Dinge, die ich meinen Freunden oder Eltern nicht erzählen will.“ Weniger gut angekommen sind „altmodische“ Pfarrer, einige Jugendliche haben auch bemängelt, dass der Pfarrer nicht auf sie eingegangen sei. „Der hat mich mit seinem null-acht-fünfzehn-Programm abgefertigt,“ meint etwa Evi. „Bete drei ‚Vater unser‘, und fertig. Also für mich hat es das nicht wirklich gebracht.“ Bemängelt wurde auch, dass die Pfarrer in manchen Kirchen nicht leicht zu finden waren oder gar nicht dort waren, obwohl die Teens zu den „offiziellen“ Beicht-Zeiten gekommen sind. Ebenfalls ein Schwachpunkt: In den großen „Tourismus“-Kirchen kann man im Beichtstuhl teilweise hören, was die Fremdenführer in der Kirche erzählen. „Da fragt man sich dann schon, ob einem die Leute draußen beim Beichten zuhören,“ meint dazu Florian. Ein Beichtstuhl mit „Sichtgitter“ oder Trennwand wurde von den meisten auch angenehmer empfunden als ein Raum, in dem sich Beichtender und Priester einfach gegenüber sitzen. Fazit: Viele der Kids waren schon lange nicht mehr beichten – und einige meinten nach dieser für sie mehr oder weniger neuen Erfahrung sinngemäß: Eigentlich ist das gar nicht so übel, vielleicht gehe ich bald wieder beichten. Julia meinte dazu noch: „Schlecht war das Beichten auf gar keinen Fall. Und gratis war es ja außerdem auch.“

 

Otto, 15, hat in der Barnabitenkirche gebeichtet „In meiner Klasse wird ein Schüler fertiggemacht!“

„Ich klopfe an die Kirchentüre. Ein Mann öffnet, ich bin aber nicht sicher, ob er der Pfarrer ist. Auf meine Frage, ob ich bei ihm beichten könne, nickt er stumm und führt mich in den Beichtstuhl. Dort erzähle ich ihm, dass es in meiner Klasse einen Schüler gibt, der schon seit Jahren von den meisten Kindern verarscht und richtig gemein gemobbt wird. Schließlich gebe ich zu, dass ich mich auch hin und wieder daran beteilige und deswegen ein schlechtes Gewissen habe. Er rät mir, die anderen zu überreden, den Schüler in Ruhe zu lassen. Wenn das nichts nützt, soll ich ihn gegen ihre Angriffe in Schutz nehmen. Er spricht mich von meinen Sünden frei, und ich verlasse die Kirche.“

Kevin, 17, hat in der Barnabitenkirche gebeichtet „Ich streite extrem mit meinen Eltern und befolge ihre Verbote nicht.“

„Ich kniee mich im Beichtstuhl nieder und beichte, dass ich extrem oft und ziemlich heftig mit meinen Eltern streite, was ja gegen eines der Gebote verstößt. Der Pfarrer schweigt, also spreche ich weiter. ‚Letzte Woche haben sie mir verboten, in die Disco zu gehen. Ich hab mich rausgeschlichen und bin erst am nächsten Tag wiedergekommen. So etwas passiert ständig.‘ Er antwortet, dass ich zwar gegen ein Gebot verstoße. Viel schlimmer sei aber, dass ich meine Eltern mit meinem Verhalten ziemlich verletzen würde, und dass ich mir deshalb viele Vorwürfe machen werde, wenn ich erwachsen bin.
Dann hat er mich von meinen Sünden los gesprochen.“

Florian, 13, hat im Stephansdom gebeichtet. „Ich habe heimlich Geld aus der Börse meiner Mutter genommen.“

„Der Stephansdom ist eher eine Touristenattraktion, als ein Gebetshaus. Der Beichtstuhl ist aber ein angenehmer Raum mit viel hellem Holz. Durch eine Milchglasscheibe ist man optisch vom Pfarrer abgeschirmt. Ich habe ihm erzählt, dass ich mich manchmal bei den Geldbörsen meiner Eltern bediene, wenn mein Taschengeld knapp wird. Der Pfarrer hat gemeint, ich soll meinen Eltern wenigstens symbolisch etwas zurückgeben und den Vorsatz fassen, mit dem Stehlen aufzuhören. Dann hat er gesagt: ‚Und vielleicht betest du als Draufgabe noch ein Vater unser.‘ Dann hat er mich von meinen Sünden losgesprochen, und mir zum Abschied alles Gute gewünscht. Es war ein nettes, angenehmes Gespräch. Ich habe meiner Mutter danach auch schon heimlich etwas Geld in ihre Börse gegeben. Ich glaube, in Zukunft werde ich es meinen Eltern einfach sagen, wenn mein Taschengeld knapp wird.“

Julia, 15, hat in der Kapuzinerkirche gebeichtet „Ich bin eine notorische Lügnerin.“

„Der Beichtstuhl ist ein ziemlich alter Holzstuhl. Eine Lampe signalisiert, ob man ‚Eintreten‘ kann oder ‚Warten‘ muss. Das hat mich ein bisschen an eine Toilette in einem Flugzeug erinnert. Der Pater war schon ordentlich alt, inklusive Glatze, weißem Bart und Hornbrille. Ich habe gebeichtet, dass ich immer wieder lüge. Ich lüge, um gut dazustehen, oder um manche Dinge leichter zu bekommen, ich lüge einfach viel zu viel, und weiß nicht, was ich tun soll. Der Pater ist auf mein Problem aber nicht wirklich eingegangen, er hat nur gemeint, ich solle täglich beten, ich soll Gebete in mein Leben fix einplanen – und die Dauer meiner Gebete kontinuierlich steigern. In dieses Thema hat er sich dann ziemlich festgefahren. Er hat gesagt, das Problem der heutigen Menschen wäre, dass das Gebet keine Rolle mehr spielt. Zum Schluss meinte er immerhin, es ist gut, dass ich beichte, weil ich damit meine Sünde eingestehe. Zur Buße sollte ich ein ‚Vater unser‘ und 4-5 Mariengebete beten, die ich nicht kenne. Dann hat er noch seinen Spruch aufgesagt und mich ‚sündenfrei‘ entlassen – Amen.“

Natascha, 14, hat in der Peterskirche gebeichtet. „Ich gehe nie in die Kirche.“

„Ich habe mich auf die gepolsterte Bank in dem Beichtstuhl gekniet und gesagt, dass ich kaum bete, fast nie in die Kirche gehe und auch schon lange nicht beichten war. Der Pfarrer ist hinter einem Gitter und einer Milchglasscheibe gesessen und hat mir einen Vortrag darüber gehalten, dass ich öfter beten und in die Kirche gehen soll. Leider hat er sehr undeutlich gesprochen, und ich habe nicht alles verstanden. Zur Buße sollte ich das ‚Vater unser‘ beten, außerdem hat er mir nahe gelegt, eine Broschüre mit Tipps zur Beichte zu lesen. Er hatte eine angenehme, beruhigende Stimme, deshalb habe ich mich wohlgefühlt. Das mit dem ‚Vater unser‘ und der Beicht-Broschüre kommt mir aber etwas altmodisch vor.“

Kevin, 14, hat in der Annakirche gebeichtet „Ich will Sex mit meiner Freundin!“

„Ich bin dem Pfarrer direkt gegenüber gesessen. Von Angesicht zu Angesicht. Er war aber sehr sympathisch, und es ist mir nicht schwer gefallen, ihm zu erzählen, dass ich gerne mit meiner Freundin Sex haben würde, aber nicht weiß, ob das richtig ist. Der Geistliche hat mich gefragt, wie alt ich bin. Auf meine Antwort, dass ich 14 bin, hat er gemeint, dass die Kirche das natürlich falsch findet, noch dazu in meinem Alter, ich sollte unbedingt warten. Außerdem könnten durch Sex ja Kinder entstehen und damit jede Menge Probleme. Auf Verhütungsmittel ist er nicht eingegangen, wahrscheinlich, weil die Kirche die ja eher verbietet. Er hat dann noch gemeint, dass er hofft, ich befolge seinen Rat und hat mir dann seinen Segen erteilt.“

Alexander, 13, hat in der Annakirche gebeichtet. „Ich schummle bei Schularbeiten.“

„Dieser Pfarrer war sehr sympathisch! Ich habe gebeichtet, dass ich manchmal die Lehrer in der Schule anlüge und bei Schularbeiten schummle. Der Pater, dem Akzent nach zu urteilen ein Mann aus Osteuropa, meinte, das wäre zwar nicht in Ordnung, aber das Schlimmste ist es auch nicht. Das Wichtigste ist, dass man bereut. Ich soll halt ein ‚Vater unser‘ beten und ein Lied zur Heiligen Maria singen. Dann hat er mich von meiner Sünde freigesprochen.“

Oskar, 16, hat in der Peterskirche gebeichtet „Meine Freundin ist nicht getauft.“

„Der Pfarrer hat sich sehr viel Zeit für mich genommen. Am Anfang hat er mich freundlich gefragt, welche Sünde ich habe. Ich habe gesagt, dass ich ein gläubiger Mensch bin, dass mir aber etwas passiert ist: Ich habe nämlich etwas in einem Geschäft gestohlen und kann es nicht mehr zurückgeben, weil sonst die Polizei kommen würde. Der Pfarrer wollte wissen, um welchen Wert es sich gehandelt hat. Etwa 1,50 Euro. Er gab mir den Rat, diesen Betrag an eine wohltätige Organisation zu spenden, damit kann man mit sich selbst wieder Frieden schließen. Dann fragte er, wann ich denn zuletzt gebeichtet habe. Vor fünf Jahren, sagte ich. Da meinte der Geistliche, ob in der langen Zeit nicht mehr gewesen sei. Bei den meisten Jugendlichen wären nämlich Selbstbefriedigung und Sex ein wichtiges Thema. Ich sagte, dass ich eine Freundin habe, die aber nicht getauft und nicht gläubig ist. Woraufhin der Pfarrer vorschlug, dass ich versuchen kann, sie auf den „richtigen Weg“ zu bringen.“

Daniel, 16, hat in der Franziskanerkirche gebeichtet „Wir denken immer öfter an Sex.“

„In einem Raum mit hellem Holz sitzt hinter einer halbhohen Wand der Pfarrer. Ich erzähle ihm, dass ich eine Freundin habe, deren Eltern sehr gläubig sind. Trotzdem denken wir immer mehr über Sex nach, obwohl wir in nächster Zeit kaum heiraten werden. Sie ist ja erst 15! Die Kirche sagt zwar, dass man vor der Ehe keinen Sex haben darf, meint der Pfarrer, aber wichtig ist vor allem, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Außerdem kann man ja auch andere Wege finden. Welche, hat er aber nicht gesagt. Ich soll aber mit meiner Freundin eingehend darüber sprechen und die Entscheidung mit ihr gemeinsam treffen. Dieser Weg wird dann der für uns Richtige sein. Der Geistliche hat auch gemeint, dass das ja keine Sünde in dem Sinn war und hat mir einen sehr persönlich gestalteten Segen für mich und meine Freundin gegeben. Fazit: Ein sehr angenehmes Gespräch mit einem älteren, aber sehr weltoffenen Pfarrer, der auf die Probleme der Jugend eingeht.“

Samuel, 15, hat in der Michaelerkirche gebeichtet „In meiner Welt habe ich keinen Platz für Gott!“

„Der Pfarrer und ich haben uns nicht in einem Beichtstuhl getroffen, sondern einfach vorne auf eine Bank gesetzt und von Mensch zu Mensch miteinander gesprochen. In der Kirche war es ruhig und der Priester war sympathisch, deshalb war das angenehm. Ich habe ihm gesagt, dass ich jetzt keine wirkliche Sünde beichten möchte, aber dass ich in dem Leben von heute keinen Platz für Gott sehe. Kirche und Religion, das ist für mich hunderte Jahre entfernt. Der Pfarrer war sehr philosophisch und hat mit vielen Gleichnissen gesprochen. Er hat z.B. gesagt, die Beichte ist eine Träne, ich soll darüber nachdenken. Und Gott ist die Suche nach dem „Mehr“ – die Frage ist aber nun: Die Suche nach den „Mehr“ oder dem „Meer“? Er hat auch viele Anglizismen verwendet und da kam sogar einmal „Shit happens“ vor. Dann hat er mich noch zu einer Vesper eingeladen. Es war wirklich toll, mit diesem jungen und modernen Priester zu sprechen.“

Andreas, 14, hat in der Karlskirche gebeichtet „Ich habe mich betrunen, und dann im Supermarkt gestohlen.“

„Ich habe mich mit Freunden betrunken und dann im Supermarkt etwas gestohlen.“ Nachdem ich das gesagt habe, überlegte der Priester kurz, dann meinte er: „Eigentlich solltest du es zurückgeben.“ „Dann werde ich ja angezeigt!“ „Was denkst du, was man machen könnte?“ „Das weiß ich nicht. Deswegen bin ich bei Ihnen.“ „Du solltest es zurückgeben. Ich weiß aber nicht, ob du mu ig genug bist. Wenn du nicht mutig genug bist zum Zurückgeben, solltest du den Betrag spenden. Vielleicht gibt es ja sogar in diesem Supermarkt eine Sammlung. Kannst du den Rosenkranz?“ „Nein.“ „Na dann bete eben zwei ‚Vater unser‘“. Fazit: Der Pfarrer war ziemlich cool und verständnisvoll. Mit der Frage ‚Bist du mutig genug‘ wollte er mich wohl ein bisschen anstacheln.“


 

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