formula-mathotolia-kopie

Wie viel Mathematik brauchen wir wirklich?

Grob berechnet muss sich ein AHS-Schüler 2.000 Stunden mit all den komplexen mathematischen Themen beschäftigen, die im Lehrplan seit Jahrzehnten fast unverändert in Stein gemeißelt sind: Nichtlineare Funktionen, Multiplizieren von Vektoren, Logarithmusfunktionen und besonders schön: „Definieren des Differentialquotienten ausgehend vom Differenzenquotienten“. Das Studium dieses Lehrplans erweckt wohl bei nicht wenigen so manchen Albtraum an die Mathe-Matura.

Mathematik wird im Job kaum gebraucht
Jede Stunde wäre berechtigt gewesen, wenn man dieses Wissen jemals brauchen würde. Das ist allerdings keineswegs der Fall, wie MMag.Victor Mihalic aus eigener Erfahrung bestätigen kann: „In meinem gesamten beruflichen als auch privaten Leben habe ich gerade einmal die vier Grundrechnungsarten sowie Prozent- und Zinsrechnungen angewendet.“ Das klingt erstaunlich, denn Mihalic ist Gründer und Geschäftsführer von mehreren Unternehmen, international tätiger Managementtrainer und Autor mehrerer Betriebswirtschaftsbücher. Er steht damit allerdings nicht alleine da, wie seine Recherchen ergeben haben: „Ich habe mittlerweile wohl hunderte Leute gefragt, wie viel Mathematik sie anwenden würden. Darunter waren Vorstände, Universitätsprofessoren, Journalisten, Lehrer, Ärzte, aber auch Techniker. Kein Einziger konnte angeben, dass er mehr Mathematik anwenden würde als ich.“

Damit stellt sich natürlich die Frage der Wirtschaftlichkeit, die auf folgender einfachen Formel beruht: Mit möglichst wenig Input einen möglichst großen Output zu erzielen. Dass der Mathematik-Unterricht dabei keine guten Werte erzielen wird, ist offensichtlich: 2.000 Stunden Input stehen wenig nutzbarer Output gegenüber.
Kann sich ein Land wie Österreich, das seine Stellung im globalen Wettbewerb behaupten will, ein Vergeuden dieser wertvoller Ressourcen noch leisten?

Radikale Lösung erforderlich
An die Wurzel gehend, soll heißen radikal, muss die Lösung sein. Sie muss mit folgender Fragestellung beginnen, die sich wohl jeder stellen würde, der heute von Null weg einen Lehrplan erstellen müsste: „Warum braucht man überhaupt Mathematik? Und wie viel Mathematik ist für wen notwendig?“
Es bedarf keiner großen Studien um feststellen zu können: Für den allergrößten Anteil der Bevölkerung (etwa 70 Prozent) reichen grundlegende Rechenkenntnisse, die natürlich auch logisches Verständnis, Schlussrechnungen, einfache Flächenberechnungen und ein Gefühl für Zahlen und Verhältnisse beinhalten sollen. Für diese würde somit das Unterrichtsfach "Rechnen und Hausverstand" genügen.
Die mathematisch Begabten sollen sich hingegen bereits in der Schule jene mathematischen Kenntnisse aneignen, die es Ihnen ermöglicht einen technischen Beruf oder aber auch ein Technikstudium mit einem sehr hohen Eingangsniveau beginnen können (was wiederum wertvolle Ressourcen an den Unis einsparen würde). Diese (30 Prozent) können dann auch den Technik-Standort Österreich sichern und uns als Draufgabe bei diversen internationalen Mathematik-Wettbewerben würdig vertreten.
Gilt das nur für den Gegenstand „Mathematik“? Natürlich nicht! Der gesamte Lehrplan sollte nach dem Prinzip: „Kernwissen für jeden, erweitertes Spezialwissen für die Begabten“ gestaltet werden.
Das Einsparungspotential an Zeit, Geld und Nerven ist gewaltig. Der Phantasie, was man mit den frei werdenden Ressourcen Sinnvolles machen könnte, sind keine Grenzen gesetzt. Victor Mihalic würde da beispielsweise folgendes einfallen: neben der Aneignung der Sozialkompetenzen, wirtschaftliches Know how, ein grundlegendes medizinisches- als auch rechtliches Wissen, einen Haushalt führen, Kochen, Kreativität ausleben, ein Musikinstrument lernen uvm. Nicht zuletzt würde auch genug Geld zur Verfügung stehen um heutige Fachprofessoren zu Weltklasse-Pädagogen zu machen, die hochkompetente Lernbegleiter sind und das wichtigste „Lernwerkzeug“ ihrer anvertrauten Schüler grundlegend verstehen lernen: das Gehirn.

Kollateralschäden des Mathematik-Unterrichts
- Mathematik ist ein maßgeblicher Grund für die hohen Schulabbruchsraten.
- Damit gehen einher zig Tausende ohne Schulabschluss, deren Weg als Langzeitarbeitsloser mit wenig Hoffnung vorgezeichnet ist.
- Gravierende Benachteiligung der unteren Bildungsschichten, deren Eltern die Kompetenz oder Zeit fehlen ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen und die sich auch nicht 30 Euro für eine Stunde Nachhilfeunterricht leisten können.
- Mitleidende Eltern, die ihre wertvolle Freizeit opfern müssen um mit ihren Kindern zu lernen ("wir haben morgen Mathe-Schularbeit") oder Erspartes für Nachhilfeunterricht ausgeben müssen.
- Spannungen und Streitigkeiten in der Familie aufgrund schlechter Schulleistungen
- Maßgeblicher Anteil daran, dass Frauen, die sich mit Mathematik aus noch nicht ganz erklärbaren Gründen schwerer tun, Technikberufe meiden.
- Ein Erschlagen aller wunderbaren Begabungen und Talente, die in der Mathematik schlecht aber in anderen Bereichen genial sein können.
- Ein vermindertes Selbstbewusstsein der mathematisch weniger begabten, die maßgebliche Persönlichkeitsstörungen nach sich ziehen können.
- Ein Ausbrennen der Lehrer, die gegen Schüler anrennen müssen, denen Sie auf die Frage nach dem Sinn: "Wozu brauchen wir das?" keine plausible Antwort geben können.
- Insgesamt somit eine Vernichtung von unheimlich viel intellektuellem und kreativem Potential, das in den Köpfen unseres Landes steckt sowie Verursachung von Leid in enormem Ausmaß.

Foto: © willypd/Fotolia

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

JInput Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( [Itemid] => 179 [option] => com_content [view] => article [catid] => 76 [id] => 3263 ) [inputs:protected] => Array ( [cookie] => JInputCookie Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( ) [inputs:protected] => Array ( ) ) [request] => JInput Object ( [options:protected] => Array ( ) [filter:protected] => JFilterInput Object ( [stripUSC] => 0 [tagsArray] => Array ( ) [attrArray] => Array ( ) [tagsMethod] => 0 [attrMethod] => 0 [xssAuto] => 1 [tagBlacklist] => Array ( [0] => applet [1] => body [2] => bgsound [3] => base [4] => basefont [5] => embed [6] => frame [7] => frameset [8] => head [9] => html [10] => id [11] => iframe [12] => ilayer [13] => layer [14] => link [15] => meta [16] => name [17] => object [18] => script [19] => style [20] => title [21] => xml ) [attrBlacklist] => Array ( [0] => action [1] => background [2] => codebase [3] => dynsrc [4] => lowsrc ) ) [data:protected] => Array ( [Itemid] => 179 [option] => com_content [view] => article [catid] => 76 [id] => 3263 ) [inputs:protected] => Array ( ) ) ) )