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Soft-Skill Gurus auf vier Beinen

Dennoch sollte die Anschaffung eines tierischen Familienmitglieds genau hinterfragt werden.

Mami, ich will einen Hund!“ „Nein, das geht leider nicht.“ „Ich will aber einen Hund!“ „Und ich habe ‚nein‘ gesagt!“ „OK. Dann verklage ich dich, bis du mir einen Hund kaufst.“ In Österreich bräuchte dieses Kind, wenn es denn seine Drohung wirklich wahr machen würde, wohl einen besonders ausgefuchsten
Rechtsanwalt, um mit seiner tierischen Klage vor Gericht durchzukommen. In Amerika hätte es das Recht von Anfang an auf seiner Seite und könnte theoretisch wegen „sozialer Vernachlässigung“ klagen. Ein weiterer skurriler Auswuchs des berüchtigten Rechtsystems im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Hunde als Empathie- Aufputschmittel

„Also ich finde das nicht skurril, es wäre eigentlich gerechtfertig,“ meint Univ. Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie. Der Wissenschafter erforscht seit mehr als sechs Jahren die verschiedenen Aspekte der Mensch-Tier-Beziehung und hat dabei auch die Auswirkungen von Haustieren auf Kinder untersucht. „Es hat zwar natürlich keine traumatischen Auswirkungen, wenn ein Kind ohne Tier aufwächst. Aber verschiedene Studien belegen die positiven Auswirkungen eines Haustieres auf die Fähigkeiten des heranwachsenden Kindes.“ So wurde im Rahmen einer US-Studie die Beliebtheit von Vorgesetzten bei ihren Mitarbeitern erhoben. Das Ergebnis: Jene Chefs, die in ihrer Kindheit mit Haustieren aufgewachsen sind, waren signifikant beliebter als jene, die ohne einen vierbeinigen Freund groß werden mussten. Besonders Hunde scheinen diesbezüglich eine besonders positive Wirkung zu haben. „Wenn man bedenkt, dass viele Reibungsverluste in Wirtschaft und Gesellschaft durch soziale Inkompetenz entstehen, würde es im Umkehrschluss eine enorm positive Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft haben, wenn mehr Kinder mit Hunden aufwachsen würden,“ meint Kotrschal.

Eine WeGe mit Tieren

Acht Kinder, zwei Hunde, zwei Hamster und mehrere Fische in einem Aquarium. In der “WeGe mit Tieren”, einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft von „Pro Juventute“ in Laa/Thaya, sollen die Zweibeiner von ihren tierischen Mitbewohnern profitieren. „Es sind Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihrer Lebensgeschichte unter einer psychischen Belastungen stehen, und wieder ein grundsätzliches Urvertrauen erlangen müssen. Dabei können Tiere eine große Unterstützung sein,“ meint Gerhard Mitterer, Direktor der Pro Juventute Kinderdorfvereinigung. Mag. Sabine Waldhuber leitet die „WeGe mit Tieren“. Ihre Erfahrungen: „Das Zusammenleben mit Tieren bereichert nicht nur den Alltag, sondern fördert Kinder und Jugendliche auch auf emotionaler und kognitiver Ebene. Die Tiere regen Phantasie und Erlebnisfähigkeit der Kinder und Jugendlichen an, gleichzeitig fordern sie auf, aktiv zu werden, Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu tragen.“ Und weil verschiedene Tierarten verschiedene Auswirkungen auf den Homo Sapiens haben, besuchen die Kids der „WeGe mit Tieren“ einmal pro Monat auf einem Reithof Pferde.

Welches Tier passt zu meiner Familie?

Vor allem bei Mädchen galoppieren Pferde sehr oft auf die Spitzenplätze diverser Wunschlisten und gehören zu den Hauptdarstellern in fantastischen Tagträumen. Den Wunsch nach einem eigenen Pferd können die meisten Eltern ihren Töchtern – oder Nachwuchs-Cowboys – in der Regel aber kaum erfüllen. In solchen Fällen sollten Sie sich nach einem Reitclub in Ihrer Nähe umschauen. Aber auch vor der Anschaffung von gängigeren Haustieren sollten Sie sichergehen, dass Sie und Ihre gesamte Familie das Tier auch wirklich wollen – und ob Sie auch die organisatorischen und zeitlichen Herausforderungen meistern können, die ein Haustier mit sich bringt (siehe Kasten). Und dann stellt sich die Frage: Passt das Haustier, das die Kinder so gerne möchten, auch wirklich zur Familie? Und wollen wirklich alle Familienmitglieder dieses Tier?

Und plötzlich will das Tier keiner mehr haben...

„Die Frage, ab welchem Alter und für wen ein Tier geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab,“ meint der Wiener Tierschutzombudsmann Hermann Gsandtner. „Der Reifegrad des Kindes, die Anwesenheit von Geschwistern und die allgemeinen Erfahrungen mit Tieren sind nur einige Aspekte, die hier eine Rolle spielen.“ Tipp: Möglichst viele Informationen über das potentielle neue Familienmitglied sammeln, auf Erfahrungen von Freunden und Bekannten zurückgreifen, und mit erfahrenen Züchtern sprechen. Besonders wichtig ist es auch, dass wirklich alle Familienmitglieder der Anschaffung des Tieres positiv gegenüber stehen, und dass der Schritt, ein Tier zu kaufen, wohl überlegt und mit allen Konsequenzen ins Bewusstsein der potentiellen „Herrln“ und „Frauerln“ vorgedrungen ist. Was passiert, wenn der Kauf eines Tieres eine unüberlegte Schnellschuss-Handlung ist, zeigt sich besonders in
den Sommermonaten. „Auch heuer wurden wieder während der Urlaubszeit viele Tiere ausgesetzt oder in Tierheimen abgegeben,“ meint Gsandtner. „Aus Gesprächen mit den Leitern von Tierheimen haben wir den Eindruck bekommen, dass es anscheinend noch nie so schlimm wie heuer war.“

So ein Hundeleben!

„In den Monaten Juli, Juni und August haben wir 263 herrenlose Hunde aufgenommen. Von ihren Besitzern wurden außerdem noch 173 Hunde bei uns abgegeben,“ berichtet Lucie Loubé, die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins. 591 herrenlose Katzen und 251 vom Besitzer gebrachte Katzen fanden in diesem Zeitraum im Wiener Tierschutzverein eine vorübergehende Herberge. Auch rund 1.100 Kleintiere wurden von ihren Besitzern nicht mehr gewollt. „Wer die Anschaffung eines Tieres überlegt, sollte immer bedenken, dass Hunde, Katzen & Co sensible Lebewesen sind, die an ihren  menschlichen Bezugspersonen hängen, und die ein Recht auf würdevolle Behandlung haben,“ fordert Loubé. Auch Wissenschafter, die von der positiven
Wirkung von Tieren auf Kinder überzeugt sind betonen, dass es in machen Fällen besser sein kann, auf einen tierischen Mitbewohner zu verzichten. Wenn nicht genügend Platz, Zeit und Geld vorhanden ist, um ein Tier sein Leben lang artgerecht zu versorgen, kann das übrigens nicht nur für den pelzigen oder gefiederten Freund zum Verhängnis werden: Für die Menschen wird das Tier dann zum zusätzlichen Stressfaktor und zum Ausgangspunkt für immer wiederkehrende Streitigkeiten. Auch daran sollten Sie denken, wenn Sie Ihrem kleinen Liebling den Wunsch nach einem eigenen Haustier prinzipiell erfüllen wollen. Wenn die „Ich will einen Hund“-Diskussion nämlich nahtlos in regelmäßigen „Ich will heute nicht mit dem Hund gassigehen“-Streit übergeht, wäre es vermutlich besser gewesen, dem Verlangen nach einem eigenen Wauwau ein finales „Nein!“ entgegenzusetzen. Bislang sind in Österreich ja noch keine Fälle bekannt, in denen der Disput um einen Haustierwunsch ein gerichtliches Nachspiel gehabt hätte..

Ist Ihre Familie bereit für Rex, Minka oder Fipsi?

Wenn Sie nicht auf alle Fragen mit einem überzeugten „Ja“ antworten können, sollten Sie besser kein Familienhaustier anschaffen.
• Haben wir die notwendige Zeit, uns jeden Tag in ausreichendem Umfang unserem Tier zu widmen?
• Haben wir uns ausreichend über den mit der Betreuung des Tieres verbundenen Zeit- und Geldaufwand informiert?
• Haben wir uns ausführlich über die Lebensweise des Tieres, über seine Haltungsansprüche, über Lebensdauer und gesetzliche Auflagen informiert?
• Können wir aufgrund unserer Wohnsituation und Lebensumstände auf Dauer die artgerechte Betreuung des Tieres sicher stellen?
• Sind wir bereit, unsere eigenen Bedürfnisse unter Umständen denen des Tieres unterzuordnen (Stichwort Urlaub)?
• Sind alternative Betreuungsmöglichkeiten für das Tier gegeben, wenn die ganze Familie verhindert (z.B. im Urlaub) ist?
• Ist wirklich die ganze Familie mit der Anschaffung des Tieres restlos einverstanden?

„Tiere dürfen keine Modeartikel sein, die man nach Farbe, Größe oder Trend auswählt und nach kurzer Zeit dann wieder ablegt. Hund, Katze und Co. sind sensible Lebewesen mit einem Anrecht auf würdevolle Behandlung. Ein Tier anzuschaffen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Man muss Vorsorge treffen, für die alltäglichen Dinge wie Futter, Pflege und Beschäftigung, genauso wie für den Krankheitsfall oder wenn man auf Urlaub fährt.“ Lucie Loubé, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins

„Viele Eltern sagen: Wir legen uns den Hund zu, wenn das Kind alt genug ist, Verantwortung zu übernehmen. Das ist grundfalsch! Ein Welpe sollte idealerweise angeschafft werden, kurz nachdem der Säugling geboren wurde. Wenn ein Kind zu krabbeln und gehen beginnt und dabei gleich einen Welpen als Kamerad dabei hat, ist das – im Hinblick auf die positiven Auswirkungen des Hundes – ein ganz andere Geschichte, als wenn der Hund erst kommt, wenn das Kind schon in die Volksschule geht. Wichtig ist natürlich, dass es ein geeigneter Familienhund ist. Und man darf einen Hund und ein Kind niemals alleine lassen.“ Univ. Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal, Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie

„Das Zusammenleben mit Tieren bereichert nicht nur den Alltag, sondern fördert Kinder und Jugendliche auch auf emotionaler und kognitiver Ebene. Die Tiere regen Phantasie und Erlebnisfähigkeit der Kinder und Jugendlichen an, gleichzeitig fordern sie auf, aktiv zu werden, Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu tragen.“ Mag. Sabine Waldhuber, Leiterin der ProJuventute „WeGe mit Tieren“

„Goldhamster sind vollkommen ungeeignet für Kinder. Syrische Goldhamster sind nachtaktive Tiere und ausgesprochen aggressive Einzelgänger. Während des Tages reagieren Goldhamster auf Störung sehr empfindlich und mit Stress. Weibchen sind in der Regel aggressiver als Männchen, Jungtiere gewöhnen sich leichter an menschliche Bezugspersonen.“ Mag. Hermann Gsandtner, Wiener Tierschutzombudsmann

 

Tierische Sozialpartner

Kinder profitieren auf vielfältige Weise von Tieren. Neben gesundheitlichen Aspekten betrifft das vor allem die psychologische Entwicklung. Kinder,
die mit Tieren aufwachsen, werden in der Regel zu sozial kompetenteren Erwachsenen. Hier eine Auswahl der wichtigsten Auswirkungen:
• Kinder lernen, Verantwortung zu tragen
• Kinder lernen die eigenen Grenzen kennen
• Tiere fördern den Beziehungsaufbau
• Hunde, Katzen und Pferde gelten als die Top-Sozialpartner. Auch zu Kleintieren oder Vögeln wie Wellensittichen kann eine soziale Bindung aufgebaut werden, die allerdings meist von geringerer Intensität ist
• Hunde sind die Top-Förderer von Empathie (Einfühlungsvermögen)
• Auch Ratten gehören laut Expertenmeinung zu den nettesten, klügsten und sozialsten Haustieren, die man haben kann
• Im Umgang mit Kleintieren lernen Kinder Behutsamkeit
• Fische haben eine beruhigende Wirkung auf Kinder

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