Messdienergruppe_-001-

Wir glauben an Gott

„Vor zwei Wochen bin ich von einer Party früher gegangen, weil ich für meinen Auftritt in der Sonntagsvormittags-Messe fit sein wollte,“ erzählt Conny, 16. „Da haben einige Partygäste schon blöde Bemerkungen gemacht.“ Auch die Ministranten Lukas und Dominik bekommen in der Schule und im Fußballklub hin und wieder zu hören, dass ihre Begeisterung für die Kirche nicht von allen Alterskollegen geteilt wird. „Na und,“ meint Dominik, „jeder soll tun, was er für richtig hält.“

Alles an dir ist schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.“ So lautet Conny Hubers Lieblings-Bibelstelle. Die 16- Jährige hat auch einen besonderen Bezug zu der romantischen Passage aus dem vierten Kapitel des Hoheliedes von König Salomon. „Ein Freund hat mir die Bibelstelle per SMS geschickt,“ erzählt Huber. Ein Liebesbrief an sie sei das „höchstwahrscheinlich nicht“ gewesen. „Es war einfach nur total nett.“

Kirchenaustritt & streng katholisch – in Connys Familie gibt es beides

Conny Huber beschreibt ihre Mutter als „streng katholisch“. Ihr Vater ist aus der Kirche ausgetreten. Sie selbst ist seit ihrer Firmung in der Pfarre  Stammersdorf St. Nikolaus in Wien Floridsdorf aktiv, leitet Firmgruppen und ist Teil einer Jugendgruppe. In der Pfarrband spielt sie Gitarre und singt. „Im Moment ist die Gemeinschaft für mich wichtiger als die spirituelle Seite,“ erzählt Conny Huber. „Ich habe manchmal Zweifel, oder besser gesagt: Ich bin mir phasenweise einfach nicht sicher. Hin und wieder kommt mir die Kirche schon ein bisschen sektenartig vor. Vieles ist einfach zu rituell.“ Keine Zweifel hat sie, was die Kraft des Gebets betrifft. Sie betet mindestens ein Mal pro Tag – manchmal für eigene Wünsche, oft auch für andere Menschen. „Ja, ich bete natürlich auch vor Schularbeiten,“ beantwortet sie von einem kurzen Lachen begleitet die entsprechende Frage. Dann wird sie wieder ernst. „Das Gebet bringt sicher viel. Es bringt Ruhe, man kann runterkommen. Das finde ich immer ganz gut. Auch wenn man nicht sicher sagen kann, ob Gott dann auch wirklich hilft.“

Die Ministranten: Mittendrin, statt nur dabei

„Wenn irgendwo großes Unheil ist, schaut Gott schon, dass er es richten kann,“ ist Dominik überzeugt. „Zum Beispiel lässt er es regnen, wenn wo eine Dürre ist.“ So wie Dominik, 12, ist auch Lukas, 11, seit seiner Erstkommunion in der Pfarre Baumgarten im 14. Wiener Bezirk Jungschar-Mitglied und Ministrant. „Es war am Anfang schon sehr spannend, alles hautnah erleben zu dürfen. Das Ministrieren macht mir Spaß, weil man da in der Messe mehr machen kann,“ sagt Lukas. Und der regelmäßige Gottesdienst-Besuch wäre für Lukas und Dominik auch ohne ihre Ministranten-Tätigkeit an den meisten Sonntagen so sicher wie das Amen im Gebet. In den Familien der beiden Buben ist der Kirchgang ein „ziemliches Muss,“ Eltern und Großeltern sehen es außerdem gerne, wenn die beiden im Altarraum an der Messgestaltung mitwirken. „Wenn ich jetzt zu ministrieren aufhören würde, müsste ich meinen Eltern schon einen guten Grund nennen,“ meint Lukas. Der Gedanke ans Aufhören ist im Moment aber noch ausschließlich theoretischer Natur – Lukas und Dominik wollen weiter ministrieren, so lange es Spaß macht. „Wenn wir mit der Schule fertig sind, ist aber ganz sicher Schluss,“ meinen die beiden Gymnasiasten übereinstimmend.

„Nein“ zu Verboten, an die sich „ohnehin niemand hält.“

Nicht alle bleiben so lange dabei. In vielen Fällen markiert der Anfang der Pubertät das Ende der Ministranten-Karriere. „Mitacht Jahren ist es noch cool, wenn man vorne am Altar stehen kann und selbst mitmachen darf. Aber das vergeht, und es kommt dann immer mehr auf die Priester und die Kirche an, wie sehr die Kinder und Jugendlichen mitgerissen werden, und ob sie dann auch gerne dabei bleiben,“ weiß Rafael Riedler. Mit 26 Jahren ist er der älteste Ministrant in der Pfarre Baumgarten, Riedler ist außerdem auf Diözesaner Ebene für die Organisation von großen Ministranten- Events zuständig. Er wünscht sich von der Kirche manchmal mehr Vertrauen in die Eigenständigkeit der Laien. Zur Zukunft der Ministranten meint er: „In unserer Pfarre in Baumgarten gibt es jetzt drei Mal so viele Ministranten wie vor zehn Jahren. Wie es weitergeht, wird sehr stark von der Kirchenführung abhängen. Sie sollten lieber eine liebende Kirche präsentieren als eine Kirche der Verbote, an die sich ohnehin keiner hält.“

„Man muss jede Beziehung pflegen, auch die zu Gott. Und das geht in der Kirchengemeinschaft eben recht gut.“ Conny, 16, Firmbegleiterin und Sängerin in der Pfarrband Stammersdorf St. Nikolaus - „Sex vor der Ehe ist voll OK!“

„Es war am Anfang schon spannend, alles hautnah miterleben zu können. Man bekommt auch mehr von der Messe mit, wenn man ministriert, weil man nicht so gut tratschen kann.” Lukas, 11, Ministrant - „Einmal bei einer Papstmesse ministrieren, das wäre cool!“

„Ich glaube, dass Jesus so ausgeschaut hat wie auf dem Turiner Grabtuch. Gott schaut genauso aus, nur älter und weiser. Ich bete für gute Schulnoten, oder wenn Verwandte Operationen haben. Wenn alles gut geht, bedanke ich mich dann bei Gott.“ Dominik, 12, Ministrant - „Ich bedanke mich oft bei Gott.“

„Meiner Erfahrung nach ist es nicht gut, wenn Eltern ihre Kinder zu sehr zum Kirchenbesuch zwingen. Der Zwang kann sehr viel zerstören und Trotzreaktionen und eine feindselige Einstellung gegen die Kirche auslösen. Es liegt an der Kirche, attraktive Angebote für Jugendliche zu machen, damit sie gerne und freiwillig kommen.“ Rafael Riedler, 26, Pfarre Baumgarten - „Die Kids sollen gerne kommen!“

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