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Goldene Zukunft durch Lehre mit Matura

Lieber Doktor als Dachdecker – noch immer wünschen sich viele Eltern, dass ihre Kinder eine AHS besuchen und nach acht Jahren die Reifeprüfung ablegen. Mit dieser Ausbildung, so der weit verbreitete Glauben, wären die Zukunftschancen des Nachwuchses am besten gesichert. Ein Irrtum, den es zu korrigieren gilt, denn ein solides Handwerk hatte nicht nur in der Vergangenheit goldenen Boden, sondern auch noch heute. Doch Lehrberufe leiden unter einem schlechten Image. Zu Unrecht, wie der akute Fachkräftemangel verdeutlicht. Warum also nicht ein Handwerk erlernen und die Matura ablegen? Und danach vielleicht sogar zum Studieren auf die Universität? Alles ist heute möglich. Leichter als jemals zuvor. Die Berufsreifeprüfung gibt es seit Jahren, doch bürokratische Hürden und hohe finanzielle Belastungen schreckten bisher die meisten engagierten Lehrlinge ab. Nun arbeitet man an einer bundesweiten Lösung, die sich am Erfolgsmodell Niederösterreich orientiert, welches Anfang des Jahres umgesetzt wurde und auf viel Interesse seitens der  Auszubildenden stößt. Mehrere Expertentreffen haben bereits stattgefunden, das Thema wird auf höchster Ebene diskutiert. Schließlich geht es nicht nur um unsere Jugend, sondern auch darum, dass die Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt. In Österreichs größtem Bundesland wurde ein Meilenstein gesetzt, der sich europaweit sehen lassen kann. Seit Jänner 2008 können Auszubildende parallel zur Lehre die Matura absolvieren – und zwar kostenlos. Land und Wirtschaftskammer übernehmen die vollen Kosten von rund 4.000 Euro. Möglich wird die neue „Lehrlingsmatura“ durch begleitende Kurse, die nicht nur Lehranfänger, sondern auch in Ausbildung stehende Menschen sowie Lehrlinge mit Abschluss belegen dürfen.

Niederösterreich-Modell hat Vorbildfunktion

Für die Berufsmatura aller drei bis vier Jahre dauernden Lehrberufe sind einzelne Module in Deutsch und Mathematik (160 Einheiten), Englisch (180 Einheiten) sowie ein Fachbereich – beispielsweise Betriebswirtschaft oder Bautechnik (120 Einheiten) – zu absolvieren. Danach öffnen sich, sofern gewünscht, die Tore für einen Besuch der Hochschule.

Die ersten Kurse haben bereits begonnen

Am 19. Februar starteten an den Berufsschulen die ersten Kurse für die Lehre mit Matura: An den Berufsschulen St. Pölten, Wiener Neustadt, Eggenburg, Pöchlarn und Stockerau begann die Vorbereitung mit dem Unterrichtsgegenstand Deutsch. Nach rund 700 Anfragen haben sich 150 Schüler fix angemeldet, vielfach wird mit dem Einstieg in die Maturavorbereitung noch ein wenig zugewartet, um die Lehrlinge im 1. Berufsschuljahr nicht zu  überfordern. Informationsveranstaltungen haben aber gezeigt, dass das Interesse enorm ist. Im Herbst beginnen dann weitere Kurse, auch ein  Unterrichtsgegenstand wird neu hinzukommen und das Ausbildungsspektrum erweitern. „Lehrlinge bekommen damit die Möglichkeit, gleichzeitig zu ihrer Lehrausbildung die Berufsreifeprüfung zu erlangen, zusätzlich wird die Ausbildung durch die Förderung des Landes auch kostenlos sein“, hält dazu Landesrätin Dr. Petra Bohuslav fest. Dieses Angebot sollten junge Menschen daher schon bei der Berufswahl in ihre Überlegungen mit einbeziehen, regt die Landesrätin an. Von der neuen Ausbildungsschiene erwartet man sich auch einen Gesamtimpuls für den Lehrstellen- und Facharbeitermarkt. Zurzeit verfügt Niederösterreich mit fast 20.000 Lehrverhältnissen über den Höchststand seit dem Jahr 2000. Das sei ein Zeichen dafür, dass der Konjunkturaufschwung auch auf den Lehrstellenmarkt mitgenommen werde, so Bohuslav. Vor allem in den Bereichen Metall, Elektro und Chemie habe es Zuwächse bei den Lehrstellen gegeben.

Jugendlichen soll bundesweit Startvorteil ermöglicht werden

Das Bildungsministerium und die Sozialpartner wollen das blau-gelbe Erfolgsmodell nun auf ganz Österreich ausweiten. Den Verantwortlichen ist klar: Die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen dem dualen Ausbildungssystem und sonstigen Schulen erfordert konkrete Maßnahmen, die bisherigen  Mindeststandards müssen gründlich überarbeitet werden. Wer für die Kosten der bundesweiten Lösung aufkommen soll, ist derzeit leider noch nicht klar. Gefordert wird zudem eine fundierte Ausbildung der Lehrer für Berufsorientierung und Bildungsberatung, und zwar in konsequenter Vernetzung mit der Wirtschaft. Denn: Die Berufsentscheidung ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben eines jungen Menschen. Sie sollte keinesfalls leichtfertig getroffen werden und braucht professionelle Begleitung.

„Lehrlinge bekommen die Möglichkeit, gleichzeitig zur Lehrausbildung kostenlos die Berufsreifeprüfung zu erlangen.“ Landesrätin Dr. Petra Bohuslav freut sich über die neuen Möglichkeiten für Lehrlinge.

 

Gymnasium abgebrochen: Lehre war ihm wichtiger

Er verzichtete auf die Matura und wurde Friseur. Seine Entscheidung hat er bis heute keine Sekunde bereut.

Matthäus Höller (26) ist glücklich. Seit April 2007 ist der junge Mann aus Breitenfurt (NÖ) Unternehmer und hat seinen eigenen Friseursalon. Und die Geschäfte laufen gut. Kaum verwunderlich, denn sein bisheriger Werdegang ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Bis 1996 besuchte der Arztsohn das Kollegium Kalksburg, danach zwei Jahre das Sportgymnasium Maria Enzersdorf. Doch plötzlich war da der Wunsch, ein Handwerk zu erlernen. „Als Friseur schafft man es, mit einigen wenigen Handgriffen wahre Wunder zu vollbringen und Menschen zufriedenzustellen“, schwärmt Höller von seinem Job. Aus dem Traum wurde bald Wirklichkeit. Anfängliche Widerstände waren rasch überwunden. „Natürlich hatte nicht jeder in der Familie Verständnis dafür, dass ich das Gymnasium nicht beenden wollte. Vor allem so kurz vor der Matura. Doch was hätte ich nachher für Alternativen gehabt? Studium und Jobsuche.“ Schließlich setzte sich der Schüler durch und konnte die Eltern von seinem Entschluss überzeugen. 1999 begann der Jungunternehmer seine Lehrzeit bei Intercoiffeur Strassl. Die Berufsschule war für ihn ein Kinderspiel. Rückblickend betrachtet blieb nur die Verwunderung über das zum Teil katastrophale Wissensniveau der Kollegen. Probleme hatte der ehemalige Gymnasiast trotz seiner guten Noten aber nie. „Ich hatte nicht den Ruf eines Strebers, habe mir nur leichter als die anderen getan“, erinnert sich Höller. Mit seiner freundlichen und offenen Art gewann er viele Freunde und wurde rasch zum Liebling der Kunden. Im Februar 2002 legte er seine Gesellenprüfung ab, 2005 Unternehmer- und Meisterprüfung. Im selben Jahr wechselte er von Intercoiffeur Strassl zu Szene- Figaro Erich. Nach einem Jahr wurde er gewerberechtlicher Geschäftsführer bei Hair-Factory. Der Wunsch, selbst ein Geschäft zu führen, Lehrlinge auszubilden und Karriere zu machen, war geweckt und wurde immer stärker. Ein Jahr später erfüllte sich Matthäus Höller seinen Traum. Von Dienstag bis Freitag hält er nun die Schere in der Hand, eine Teilzeit-Mitarbeiterin und zwei Lehrlinge unterstützen ihn bei der Arbeit. Sein Erfolgstipp: „Wer wirklich will, schafft es auch.“

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