trauriges kind credit Bitoubi Kopie

Borderline: Kinder im Grenzbereich

Eschreckend, aber leider bestätigt: Bereits einer von 16 Jugendlichen leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). „Die BPS als Krankheit ist erst vor etwa zehn Jahren in der Wissenschaft angekommen“, betont Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Borderline ist eine schwere psychische Störung, die in der Jugendzeit beginnt. Sechs Prozent aller 15-Jährigen verletzen sich selbst, denken an Selbstmord oder beruhigen sich mit Drogen.

Professionelle Hilfe suchen die wenigsten und bei vielen entsteht in der Folge das Vollbild der Störung mit intensiven Gefühlsschwankungen, schweren Störungen des Selbstwerts und Hass gegen sich und den eigenen Körper. Das Eingehen von Beziehungen wie auch das Alleinesein fällt den Betroffenen sehr schwer. Viele verletzen sich wiederholt selbst, versuchen Selbstmord zu begehen, nehmen Drogen oder entwickeln Essstörungen. Der Rückstand im Wissen über BPS hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gebessert. Man vermutet heute, dass bei einem großen Teil der Betroffenen schwerer sexueller Missbrauch oder schwere Vernachlässigung in der Kindheit die Haupt-ursachen sind. Entsprechend zeigen auch veränderte Gehirnstrukturen Spuren früher Gewalterfahrung. Allerdings haben über 40 Prozent der Patienten keine derartigen Erfahrungen hinter sich, was auf ein Mitspielen der Genetik deutet. „Wie die Neurobiologie des Patienten und sein Erleben genau zusammenwirken, muss erst erforscht werden“, erklärt Schneider.  Heute weiß man auch besser, was bei BPS vor sich geht.

Gefühle werden intensiver erlebt
Gestört ist die Regulation der Emotionen, wodurch Betroffene alle Gefühle intensiver, stürmischer und anhaltender erleben als gesunde Menschen. Teilweise sind die Emotionen so stark, dass das Körpergefühl völlig verschwindet, die Realität nicht mehr wahrgenommen wird und die Welt als Nebel erscheint. Die Selbstschädigung soll hier eine kurzfristige Beruhigung herbeizuführen, während jedoch die Mitteilung des Leidens nach außen extrem schwerfällt.
Ein Schwerpunkt für die Zukunft wird das Verhalten der Patienten und die Therapie bleiben. „Man muss weiter erforschen, welche Therapieformen infrage kommen. Bisher sind die psychotherapeutischen Zugänge am vielversprechendsten“, so Schneider. Als erste störungsspezifische Verhaltenstherapie hat sich die dialektisch-behaviorale Therapie etabliert, die sich auch in Studien als wirksam erweisen konnte. Die stationäre Versorgung von BPS spezialisiert sich zunehmend an den Fachkliniken, arge Rückstände bestehen hingegen noch in der ambulanten Behandlung.

Bild: Fotolia, Bitoubi

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