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Aufwachsen ohne Vater – so leiden die Töchter

Vaterentbehrung ist mit steigender Tendenz Realität für viele Kinder. Baby Express sprach mit Jeannette Hagen, systematischer Coach und Autorin, darüber, wie wichtig der Vater für die eigene Identitätsfindung und Bindungsfähigkeit ist und welche Folgen es hat, wenn er fehlt – nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern für die gesamte Gesellschaft. Denn Vaterentbehrung betrifft uns alle. Sie prägt die Art, wie wir miteinander umgehen, und ist gleichzeitig Ursache und Folge einer zunehmenden Geschlechterentfremdung.

Welche Folgen hat die „Vaterentbehrung“ für Kinder – speziell für Töchter?

Das Spektrum an Auswirkungen umfasst schwere bis leichte Traumatisierungen, die sich unmittelbar, aber auch später im Erwachsenenalter im gesundheitlichen, psychosozialen, privaten aber auch im beruflichen Kontext bemerkbar machen können. Übertriebener Ehrgeiz, Versagerängste, Beziehungsprobleme, Narzissmus, mangelndes Selbstbewusstsein, Manipulierbarkeit, fehlendes Urvertrauen sowie ein mangelndes Ich-Bewusstsein sind nur einige Folgen, die sich aus der Konstellation "fehlender Vater" entwickeln können. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, in welchem Umfeld das Kind aufwächst, wie die Bezugspersonen - speziell die Mutter - über den Vater sprechen und ob noch weitere Belastungen (Armut, Mobbing) hinzukommen. Allgemein reagieren Mädchen mehr "nach innen", während Jungs ihren Frust durch aggressives Verhalten nach außen zeigen. Mädchen, die ohne Vater oder mit einem Vater, der seine Rolle nicht einnimmt, großwerden, haben oft Schwierigkeiten, in eine wirklich gereifte Frauenrolle zu wachsen. Sie bleiben häufig das kleine Mädchen, das in jedem Mann oder Partner den „Prinzen“ sucht, der sie retten und sie von jeglicher Verantwortung befreien kann. Oder sie werden zur „Amazone“, ziehen sich symbolisch die Rüstung an, verschließen ihre Gefühle und setzen stattdessen auf Leistung und Macht. Allgemein lassen sich Frauen, die ohne Vaterbindung aufgewachsen sind, später wesentlich häufiger scheiden, oder sie gehen gar nicht erst langfristige Bindungen ein, weil sie Angst haben, wieder verletzt zu werden.
Wissenschaftlich belegt ist, dass viele Mädchen mit Vaterentbehrung dazu neigen, früh sexuelle Kontakte aufzunehmen, so die Gefahr von Teenagerschwangerschaften signifikant erhöht ist. Das ist allerdings wiederum stark vom Milieu abhängig. Da dem Vater in den ersten Lebensjahren im Mutter-Vater-Kind-Dreieck (Triangulierung) die Aufgabe zukommt, dem Kind die Ablösung von der Mutter zu erleichtern, es sozusagen in die Welt zu führen, ihm aber gleichzeitig auch Grenzen aufzuzeigen und damit maßgeblich zur Gewissensbildung beizutragen, lässt sich leicht ablesen, was passieren kann, wenn diese Parameter nicht erfüllt werden. Der Vater spiegelt im besten Fall einem Mädchen ihre Weiblichkeit, zeigt ihr aber auch, dass es noch andere Qualitäten braucht, um sich in der Welt zu behaupten. Mädchen, die von einem - im übertragenden Sinne - starken und liebevollen Vater ins Leben begleitet wurden, haben es wesentlich leichter, sich später fraulich/weiblich zu fühlen und zu zeigen und sich beruflich durchzusetzen.
Bei mir war es so, dass ich durch die Vaterentbehrung und die dadurch entstandene ungesund starke Bindung an meine Mutter Schwierigkeiten hatte, mich selbst kennenzulernen, herauszufinden, wer ich denn eigentlich bin und was ich aus meinem Leben machen möchte. Ich war quasi in ihrem Leben gefangen, die Nabelschnur war nicht durchgetrennt und so fiel es mir extrem schwer, wirklich Verantwortung für mich und meinen Weg zu übernehmen. 

Warum fällt es so schwer, sich von einer real nicht gegenwärtigen Vaterfigur zu lösen?

In jedem Kind ist das Bedürfnis nach der Liebe und Zuneigung von Mutter und Vater angelegt. Ebenso der Wunsch auch beide Elternteile zu lieben, sich in ihnen zu spiegeln. Ist der Vater abwesend, entwickelt sich ein inneres Vaterbild, das sich aus dem speist, was das Kind aus den Erzählungen der Mutter oder der Bezugspersonen heraus entnimmt, auch aus Gesten und Bemerkungen. Gleichzeitig entsteht ein Wunschvater im Inneren. Ein idealisiertes Vaterbild, das durch Idole und Vorbilder geprägt wird. Das will man nicht aufgeben, weil man Angst hat, dadurch einen Teil des eigenen Selbst zu verlieren. Aber etwas anderes kommt auch noch hinzu. Für mich war das Schlimmste immer die Erfahrung, dass ich nicht gewollt war. Dass der eigene Vater mich ablehnt. Das will man einfach nicht wahrhaben, weil man damit zwangsläufig den eigenen Wert infrage stellen müsste und es auch real tut. So geht es leider auch vielen Scheidungskindern, die die Erfahrung machen müssen, dass sich der Vater irgendwann abwendet, weil er herausgedrängt (entsorgt) wird und eben nicht kämpft, weil ihn das vielleicht schmerzt. Kinder fühlen sich verlassen und geben sich dafür selbst die Schuld. Und diese Schuld, verbunden mit den Gefühlen von Wut und Scham, ist es auch, die man mit ins Erwachsenenalter nimmt und die die energetische Bindung zum abwesenden Vater aufrecht erhält, gleichzeitig auch identifiziert. Man sehnt sich, aber man fühlt sich auch nicht wert - das ist ein Teufelskreis, der viel Leid verursacht, wenn er nicht angeschaut und aufgelöst wird.

Lesen Sie das ganze Interview in der aktuellen Ausgabe BabyExpress – jetzt erhältlich im Kiosk und Zeitschriftenhandel.

Foto: Fotolia

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