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Cosplay – die Verkleidungskunst

Schrille Outfits, farbenfrohe Frisuren und perfektes MakeUp – obwohl am 11. November offiziell der Fasching begonnen hat, handelt diese Geschichte nicht vom fröhlichen Narrentreiben, sondern von einem Trend aus Japan, der auch im kleinen Österreich immer mehr Anhänger findet. Die Rede ist von Cosplay. Noch nie gehört? Dann wollen wir Ihnen Durchblick verschaffen. Bei Cosplay, das Wort setzt sich aus den Begriffen „costume“ and „play“ zusammen, handelt es sich um einen Verkleidungstrend aus dem Land der aufgehenden Sonne, der seine Geburtsstunde in den 1990er Jahren hatte. „Junge Leute, zwischen 15- und 25 Jahre alt, versuchen Charaktere aus Computerspielen, Mangas (Anm.: japanische Comics) oder Animationsfilmen möglichst perfekt darzustellen“, erklärt Studentin Lydia, Cosplayfan seit mittlerweile fünf Jahren. 2009 begleitete sie eine Freundin auf die AniNite – die größte Anime und Manga Convention Österreichs und fing sofort Feuer. „Wir haben uns Vorlagen ausgedruckt und damit begonnen, Kostüme zu nähen. Natürlich haben wir auf kleinste Details geachtet um den Mangavorbildern möglichst perfekt zu gleichen.“ Fasziniert ist Lydia vor allem von der erforderlichen Kreativität und der Freude darüber, selbst etwas zu schaffen. „Wir alle investieren sehr viel Zeit und Nerven, um möglichst tolle Kostüme zu schneidern. Der schönste Lohn für diese Arbeit ist das Interesse anderer Leute, wenn sie uns gratulieren oder sogar fotografieren. Hinzu kommt, dass die Community aus so vielen netten Leuten besteht. Es stimmt einfach das Gesamtpaket, deshalb bin ich dabei.“

Mehr als 10.000 junge Menschen sind hierzulande bereits Cosplayer, der Erfahrungsaustausch findet nicht in Clubs oder Vereinen statt, sondern vorwiegend in sozialen Netzwerken. So mancher Cosplayer ist in der heimischen Szene ein richtiger Star. „Ein Mädchen hat bereits die magische 3.000-Likes-Grenze auf Facebook geknackt. Sie hat Fans in Deutschland und sogar in Mexiko“, so Lydia. Männer, stellt die begeisterte Fotografin klar, würden in der Rollenspieler-Szene eher zur Minderheit gehören. „Es dominieren eindeutig Frauen, denn nur wenige Burschen begeistern sich für stundenlange Näharbeiten.“ Dazu kommt, dass die aus Japan stammenden Comics-Charaktere fast ausschließlich feminine Gesichtszüge und sehr schlanke Körper haben. „Für Männer wird die Darstellung ziemlich schwierig, Frauen tun sich da wesentlich leichter. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch bei uns männliche Cosplayer, die sehr beliebt sind.“ In Japan ist die Geschlechterfrage kaum ein Thema, aus gutem Grund: Die meisten Inselbewohner sind klein und eher zierlich.

Mann oder Frau, wie auch immer – für richtige Cosplayer zählt ohnehin nur das Outfit. Aber worauf kommt es bei den Kostümen an? „Ziel ist es, den Charakter möglichst genau zu treffen, durch die Wahl der Kleidung, Schuhe und Accessoires sowie durch farbige Kontaktlinsen, Schminke und die richtige Perücke.“ Lydia hat an einem ihrer 25 Cosplay-Outfits sechs Stunden genäht – wohlgemerkt 14 Tage hintereinander. Bis MakeUp und Haare passen, vergehen dann nochmals bis zu zwei Stunden. Ihre Kostüm-Kunstwerke trägt die Studentin nicht öfter als dreimal – zweimal auf Conventions, einmal beim abschließenden Foto-Shooting, auf welches zum Zweck der Outfit-Archivierung aber auch Veröffentlichung auf Facebook nicht vergessen werden sollte. „Wir bemühen uns, für die Aufnahmen besondere Locations zu finden. Erst vor wenigen Tagen habe ich eine Gruppe Cosplayer fotografiert, wir haben für das Shooting einen halben Tag gebraucht, dafür können sich die Ergebnisse sehen lassen.“

Zumeist im Sommer ist Lydia, aus Studienzwecken, in Japan. Verspürt sie die Lust, in der Wiege von Cosplay einen Charakter darzustellen? „Das reizt mich gar nicht. Bei uns geht die Gesellschaft damit lockerer um. In Japan ist Cosplay zwar kein Tabu, dennoch gibt es für die Fans eigene Ort und Veranstaltungen, wo sie sich treffen müssen. Eine Freundin hat eine Convention besucht, durfte das Gebäude aber nicht verlassen.“ Dafür genießen die „Ausländer“ aus Europa und den USA in der Szene höchste Bewunderung, nicht wegen ihrer langen Nasen, sondern wegen ihrer großen Augen. Warum für Lydia Conventions in Japan kein Thema sind liegt auch daran, dass in Österreich Shows und Wettbewerbe geboten werden. Anders in Japan: „Die Menschen treffen sich in einer riesigen Halle, müssen sich dort auch umziehen und dann stehen sie herum und lassen sich fotografieren. Das war´s.“ Nüchtern und eher kühl ist die Stimmung, Händchenhalten oder Bussis – jede Art von öffentlich gezeigter Körperlichkeit – sind verpöhnt. Zu viel Nähe ist im Land der Geishas unerwünscht.


Berührungsängste mit dem Phänomen Cosplay dürften auch so manche Eltern haben. Lydias Vater war von der Maskerade seiner Tochter nicht sonderlich angetan, meinte, diese entspreche nicht ihrem Alter. Zustimmung gab es dafür von der Mama. „Sie war begeistert und hat mich auch unterstützt.“ Apropos Alter: Lydia wird demnächst 25, gilt man da in der Szene nicht schon als Oldie? „Ja, genau. Cosplayer sind zwischen 15- und 25 Jahre alt. Auf den Conventions gehöre ich schon zu den Älteren. Ich habe leider viel zu spät damit angefangen, mit 19. Und erst mit 21 Jahren habe ich mich bemüht, richtig gute Kostüme zu nähen. Es tröstet mich aber, dass die meisten Stamm-Cosplayer in Österreich noch etwas älter sind als ich.“ Und wann ist für die Wiener Studentin Schluss mit lustig, wann sieht sie das Cosplay-Ende kommen? „Ich habe mir vor zwei Jahren eine Grenze gesetzt – bis 25, dann ist Schluss. Ehrlich gesagt werde ich aber solange weitermachen, solange es meine Zeit zulässt. Neben dem Studium klappt es ganz gut, wenn ich dann zu arbeiten beginne, werden wir weitersehen.“   

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