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Zigaretten für Kinder

Offiziell dürfen sie Zigaretten erst an junge Menschen ab 16 verkaufen. Außerdem sind sie dazu angehalten, das Alter der Jugendlichen mittels Ausweiskontrolle zu ermitteln. Halten sie sich daran? Leider nein – hat unser Test gezeigt.

Rauchen ist cool, findet Markus (13). Mit 11 Jahren hat er seine ersten Lungenzüge gemacht, damals nicht mehr als eine Mutprobe. Heute ist es für ihn selbstverständlich, immer ein Zigarettenpäckchen eingesteckt zu haben. „Fast alle meine Freunde rauchen. Da ist doch nichts dabei.“ Über die gesundheitlichen Folgen seines Lasters denkt der Schüler nicht nach und auch nicht darüber, dass er, aufgrund seines Alters, noch gar nicht rauchen dürfte. Schwer wird ihm der Kauf seiner Glimmstengel nicht gerade gemacht. „Bisher hat noch niemand einen Ausweis von mir verlangt. Wenn es wirklich Probleme geben sollte, dann schicken wir eben einen Älteren zum Einkaufen in die Trafik.“ Machen es die Zigarettenverkäufer unseren Kids wirklich so leicht, an das gefährliche Gift zu kommen? Wir wollten es nicht so recht glauben, schließlich betonen die Sprecher der Trafikanten immer wieder, dass sie sich zu 100 Prozent zum Schutz der Jugend bekennen. Mit kostenintensiven Selbstverpflichtungen, wie etwa der Umrüstung von Zigarettenautomaten, die verhindernsoll, dass unter 16-Jährige leichten Zugang zu Nikotin haben, sorgen sie für ein sauberes Image. Selbstverständlich wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Jugendliche, deren Alter unklar ist, einen Ausweis vorlegen müssen. Natürlich werde auch Jugendlichen, die Zigaretten für ihre Eltern kaufen wollen, keine Ware ausgehändigt. Klingt gut. Klingt vorbildlich. Und wie sieht es tatsächlich im Alltag aus? DieMiniMucha wollte es wissen und ging mit zwei Mädchen (13 und 14 Jahre alt) auf „Einkaufstour“ durch Wien. Zwölf Trafiken wurden von den beiden überprüft. 


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Zigaretten für Kinder

Das Gesamtergebnis ist alles andere als erfreulich: Nur ein einziger Trafikant handelte vorbildlich und verlangte Ausweise. Als er diese nicht zu sehen bekam, verweigerte er den Verkauf von Zigaretten. Ironie am Rande: Das sprichwörtlich „Goldene Wienerherz“ war besonders gnädig, wenn es darum ging, „Tschick“ an Kinder zu verkaufen. Alle „schwarzen Schafe“ zeigten deutliches Lokalkolorit. Die positive Ausnahme der Tabak-Zunft bildete ein Mann mittleren Alters, dessen Geburtsland eindeutig südlicheren Gefilden zuzuordnen ist und der äußerst verantwortungsbewusst argumentierte. Erstaunt zeigten sich auch die beiden Testerinnen. „Natürlich kennen wir viele Jugendliche, die rauchen. Dass es aber so einfach ist, sich eine Packung Zigaretten zu besorgen, hätten wir uns nicht gedacht.“ Im Anschluss an die gelungenen Einkäufe wurden die Trafikanten von uns mit der Tatsache konfrontiert, dass sie es mit dem Jugendschutz nicht unbedingt genau nehmen. Bis auf wenige Ausnahme glichen sich die Antworten und waren der Kategorie „schwache Ausreden“ einzuordnen: „Normalerweise kontrollieren wir immer. Ausgerechnet heute haben wir vergessen, nach einem Ausweis zu fragen ...“ Bedauerlich der Umstand, dass viele ihre Verfehlung offenbar nicht ernst nahmen. Getreu dem Motto „Wir wollen Geschäft machen, sollen sich doch die Eltern um ihre Kinder kümmern“, mussten wir uns nicht selten grantige Aussagen anhören. Vergessen sollte abschließend nicht werden, dass Trafikanten, die an Kinder unter 16 Zigaretten verkaufen, mit einer Geldstrafe in der Höhe von bis zu 15.000 Euro rechnen müssen.