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Teenies kaufen Alkohol

DieMiniMucha hat mit 10 bis 15jährigen Testkindern überprüft, ob das Gesetz in den Supermärkten befolgt wird. Das Ergebnis ist mehr als bedenklich.


Der Test

Ein neunjähriger Bub, der im Bezirk Waidhofen an der Ybbs mit fast zwei Promille Alkohol im Blut bewusstlos ins Krankenhaus gebracht wird. Eine 12jährige, die sich im Bezirk St. Pölten auf einem öffentlichen Fest mit Campari niederschüttet, bis die Rettung kommen muss. Ein 15jähriger Tiroler, der im Vollrausch in einem 40cm tiefen Bach nahe seinem Elternhaus ertrinkt. Jedes Wochenende liefern neue Horrormeldungen den Beweis, was Alkohol bei Kindern und Jugendlichen anrichten kann. Dabei dürfen unter 16jährige laut Jugendschutzgesetz eigentlich überhaupt keinen Alkohol erwerben. Die MiniMucha hat einige Buben und Mädchen im Alter zwischen 10 und 15 Jahren losgeschickt um zu überprüfen, welche Supermärkte sich an das Jugendschutzgesetz halten – und welche nicht.

 

Das hochprozentige Ergebnis

Das Erfreuliche zuerst: Einige der Frauen und Männer an den Supermarktkassen scheinen tatsächlich für das Thema sensibilisiert zu sein. Sie fragten unsere Testkinder, die mit Bier, Wein oder Alkopops an die Kasse kamen, nach einem Ausweis – und akzeptierten keine Ausreden. Statt dessen schenkten sie unseren Testkindern reinen Wein ein: „Wenn du nicht beweisen kannst, dass du schon 16 bist, kann ich dir keinen Alkohol verkaufen.“ Leider hat sich weniger als die Hälfte des Personals in den getesteten Supermärkten korrekt verhalten und den Test bestanden. Fazit: In 61% der knapp 60 getesteten Supermärkten wurde unseren Testkindern Alkohol verkauft! Sogar unser 10jährigen Tester konnte sich in einem Supermarkt ohne Probleme Alkohol besorgen! Wir haben Experten mit dem schockierenden Ergebnis konfrontiert. Ihr Fazit: Dass nach all den Diskussionen, die es jetzt zum Thema gegeben hat, so ein Ergebnis zustande kommt, ist wirklich erschütternd. Hoffentlich bringen die von den Supermarktbetreibern angestrebten Maßnahmen á la „Pieps-System“ tatsächlich eine Verbesserung. Geschehen muss auf jeden Fall etwas.

 




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Teenies kaufen Alkohol

Statements

 

„Das Test-Ergebnis ist erschütternd, aber das war leider zu erwarten. Das große Problem ist, dass wir einerseits kein Risikobewusstsein bei den Jugendlichen, und andererseits kein Problembewusstsein bei den Erwachsenen haben. Alkohol und seine Wirkungen werden einfach bagatellisiert. Gesetze zu haben, ist zu wenig. Die Menschen brauchen Verständnis für diese Gesetze und müssen wissen, warum es sinnvoll ist, ein Gesetz wirklich einzuhalten.“

Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, ärztlicher Leiter Anton Proksch Institut

 

„Das Ergebnis ist sehr schlecht und wundert mich, weil ich immer wieder höre, dass die Supermarktbetreiber bemüht sind, hier das Jugendschutzgesetz zu befolgen. Im Kampf gegen das Binge-Trinken ist es ganz wichtig, dass die Abgabeverbote eingehalten werden. Es ist hier sehr wichtig, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten, zu kontrollieren und – wenn notwendig – rigoros zu bestrafen – bis hin zum Konzessionsentzug.“

Dr. Anton Schmid, Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien

„ Tests sind ein probates Mittel, um die Öffentlichkeit auf solche Missstände aufmerksam zu machen. Das Ergebnis ist unglaublich. Jugendschutz ist Aufgabe der Erwachsenen – und auch ein wichtiges Mittel zur Suchtprävention. Es kann nicht sein, dass ein Jugendschutzgesetz, das ein sehr wichtiges Gesetz ist, nicht eingehalten wird. In meinen Augen besteht dringend Handlungsbedarf.“

Christoph Lagemann, Leiter Institut Suchtprävention


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Teenies kaufen Alkohol

DieMiniMucha bestanden

„Ohne Ausweis keine Chance“

Die Supermarktmitarbeiter, die das Jugendschutzgesetz befolgt und an unsere Testkinder keinen Alkohol verkauft haben, waren leider in der Minderheit. Das bittere Ergebnis: Nur aus 31% aller getesteten Geschäfte mussten unsere Testkinder mit leeren Händen abziehen. Ist es wirklich so schwer, korrekt zu handeln? Wir haben bei den Leitern der Supermärkte, die unseren Test bestanden haben, nachgefragt.

 

„Wir sind zu zweit in dieser Filiale und achten beide sehr genau darauf, dass es nie vorkommen kann, dass Kinder oder Jugendliche Alkohol kaufen. Wir fragen lieber einmal zu oft, als einmal zu wenig.

Daliborka Maksic, stellv. Filialleiterin PLUS Thaliastrasse

 

Mit Alkohol kann immer etwas passieren, da kann man nicht verantworten, Alkohol an Kinder und Jugendliche zu verkaufen. Bei uns in der Nähe sind Schulen, und die Schüler versuchen immer wieder, bei uns Alkohol zu kaufen. Meine Kassiererinnen sind genau angewiesen, die dürfen das nicht.“

Helmut Luibersbäck, Filiallleiter Billa Josefstädter Strasse 78

 

„Wir passen sehr gut auf. Ich hab’ selber ein Kind in dem Alter, und ich will ja selbst auch nicht, dass dem jemand Alkohol verkauft. Wenn ich bei den Wein-, Bier- und Spirituosenregalen Kinder und Jugendliche stehen sehe, stelle ich mich manchmal daneben hin. Meistens gehen sie dann schon freiwillig, da brauch’ ich gar nichts zu sagen.“

Adolf Rehberger, Filialleiter Stellvertreter, Gourmet Spar Nussdorfer Str. 22

Ich freue mich, dass wir bestanden haben, weil das eine Bestätigung für unsere Bemühungen ist. Ich kontrolliere sowieso immer! Auch meine Kollegen sind ganz brav und kontrollieren die Ausweise!”

Michael Lasser, Assitenz d. Filialleiters, Penny Klosterneuburger Straße 23-27, 1200 Wien

 

“Alle unser Mitarbeiter haben den Auftrag zu kontrollieren. Da ist auch die Firma Spar sehr dahinter. Es ist auch ein Sicherheitsprogramm an den Kassen geplant, das daran erinnert, die Ausweise zu kontrollieren.”

Frau Gruber, Marktleiterin Spar Pappenheimg. 54, 1200 Wien

 

„Wir haben anscheinend ein Spitzen-Team und ich bin sehr stolz auf alle Kollegen. Sehr oft kommen zu uns Kinder mit allen möglichen Ausreden. Aber wir haben die Anweisung der Zentrale, dass wir ohne Ausweis keinen Alkohol verkaufen dürfen. Mittlerweile gibt es ja auch schon dieses neue System, dass bei Alkohol piepst. Dann wird man auch in Stresssituationen aufmerksam gemacht. Da wir fast alle selber Kinder haben, legen wir besonders großen Wert darauf. Letzte Woche ist es mir sogar passiert, dass ich von einem 30-Jährigen den Ausweis verlangt habe - das war wirklich peinlich. Aber besser einmal zu viel als zu wenig.“

Fr. Seebacher, Assistenz der Filialleitung Billa Mariahilferstr. 35, 1060 Wien

 

„Wir haben einen neues System, bei dem die Kassierer den Verkauf jedes alkoholischen Getränks gezielt bestätigen müssen. Das hilft, immer ganz genau zu kontrollieren.

Frau Rasipanov, Filialleiterin Billa Mariahilferstr. 144, 1150 Wien

 

"Es ist für uns selbstverständlich, dass wir kontrollieren. Wenn die Jugendlichen keinen Ausweis haben, kann ich ihnen den Alkohol nicht verkaufen. Dann kommen sie oft mit Ausreden, wie ich bin eh schon bald 16. Da muss man hart bleiben.”

Fr. Berger,Mitarbeiterin Billa Wiedner Hauptstr. 31, 1040 Wien

“Jeden zweiten Tag sage ich meinen Mitarbeitern, dass sie streng die Ausweise kontrollieren müssen. Gerade beim Alkohol muss man sehr streng sein. Als Vater von 3 Kindern sowieso.

Hr. Jovanoviz, Filialleiter Zielpunkt Margaretenstr.21, 1040 Wien

 

„Wir kontrollieren immer und verlangen immer Ausweise, egal wie alt die Jugendlichen aussehen. Ich bin stolz auf dieses Ergebnis, meine Mitarbeiter sind immer sehr zuverlässig. Ich werde mein Team gleich loben!“

Hr. Marjanovic, Filialleiter Zielpunkt Wallensteinstr. 3-5, 1200 Wien