kino

Kopfkino statt ödem Pauken

Andy M., 15, ist verzweifelt. Sein Herzschlag rast, und er spürt, wie seine Handflächen vom Angstschweiß feucht werden. Der Lehrer schaut an Andy vorbei zum Fenster hinaus. Dann wiederholt er seine Frage: „Also, Andreas: Wann war der Fall der Berliner Mauer?“ Andy schließt die Augen. Er versucht, sich sein Geschichte- Buch vorzustellen, aber alles, was er sieht, ist eine weiße Seite mit sinnlosen schwarzen Ziffern und Buchstaben. Dabei hat er gestern vor dem Einschlafen den Abschnitt über die Berliner Mauer wiederholt, in der kurzen Pause vor der Geschichte-Stunde hat er die Seite noch einmal überflogen. Das war vor etwa 10 Minuten. Trotzdem kann er sich nicht mehr an dieses Datum erinnern. War es 1986? 92? 95? In der Klasse ist es ruhig. Ungewöhnlich ruhig. Andy weiß, dass es eigentlich peinlich ist, diese Antwort nicht zu wissen. Und er weiß, dass ihm die Antwort nicht einfallen wird, weil nur mehr ein Satz durch seinen Kopf rast. Andy würde diesen Satz am liebsten laut herausschreien: „Verdammt, ich kann mir einfach keine Zahlen merken!“

Die hübsche Surferin liefert die Antwort

Wenn man Clemens Mayer, 21, fragt, in welchem Jahr der Fall der Berliner Mauer stattgefunden hat, passiert in seinem Kopf Folgendes: Ein hübsches Mädchen klettert auf die Berliner Mauer. Sie betrachtet kurz die bunten Graffitis, dann greift sie sich ein Surfbrett. Sie lächelt und zwinkert einmal wissend, dann gleitet sie mit ihrem Surfbrett über die Mauer, bis diese plötzlich zerrissen wird. Noch bevor der letzte Ziegelstein zu Boden fällt, weiß Clemens Mayer
die Antwort: „1989“. Aber was macht die hübsche Surferin auf der Berliner Mauer? Clemens Mayer hat allen Zahlen von Null bis 100 Symbole zugewiesen. Die 19 ist für ihn ein hübsches Mädchen, die 89 ein Surfbrett. Mit diesem System kann Mayer erstaunliche Gedächtnisleistungen vollbringen: Er hat es etwa geschafft, sich in 30 Minuten 1.040 Zahlen fehlerfrei zu merken – das war genauso Weltrekord wie die Leistung, sich in 15 Minuten 90 Gesichter mit
europäischen Vor- und Nachnamen fehlerfrei zu merken. Und: Mayer ist zweifacher Gedächtnisweltmeister.

Gedächtnissport: Die Tricks der Profis für die Schule

Clemens Mayer hat als Schüler bemerkt, dass er ein „gewisses Talent“ zum Auswendiglernen hat. Als 16-Jähriger begann er mit dem Gedächtnissport – und merkte schnell, dass sich die hier üblichen Techniken auch hervorragend für die Bewältigung des schulischen Lernstoffs eignen. Heute zeigt der zweifache Gedächtnisweltmeister Schülern, Studenten und allen, die ihre Gedächtnis-Power optimieren möchten, auch in Seminaren (Alle Infos zu Seminaren und Anfragen unter: www.clemens-mayer.com) wie man Zahlen, Namen, Personen, Texte und Geschichtsdaten schnell und effizient im Kopf abspeichern kann. „Manche Seminarteilnehmer sind anfangs skeptisch und fragen, ob das wirklich funktioniert,“ erzählt Clemens Mayer. „Ich sage ihnen dann: Klar funktioniert das. Wenn ihr einen Kinofilm seht, könnt ihr ja auch Wochen später noch die Handlung ziemlich genau wiedergeben.“ Nach diesem
Prinzip funktioniert auch der Lerntrick mit den Symbolen zu den Zahlen. „Wenn man in Bildern denkt, braucht man in der Schule überhaupt nicht mehr aufgeregt zu sein,“ sagt Mayer. „Anstatt nämlich zu denken: Oh mein Gott, wie war das schnell noch mal die Jahreszahl, denkt man jetzt: Wie war die Geschichte?“ Und diese Antwort kommt in der Regel schneller und verlässlicher als eine „trockene“ Zahl: Ach ja, da war ein hübsches Mädchen, das auf der Berliner Mauer gesurft hat – Hübsches Mädchen & Surfbrett, das heißt „1989“.

Beim Verstehen muss immer noch der Lehrer helfen

Wichtig bei diesem und bei weiteren Lerntricks (siehe Kasten) des zweifachen Gedächtnisweltmeisters ist, dass man mit den Symbolen, die zum Beispiel die gefragte (Jahres)Zahl ausmachen, eine Geschichte inklusive Emotionen bildet. Erst wenn aus der Zahl ein „Erlebnis“ wird – wie zum Beispiel bei der hübschen Surferin auf der Berliner Mauer – dann bleibt diese Zahl auch dauerhaft im Gedächtnis haften. Weiterer Vorteil dieser Methode: Das Pauken macht deutlich mehr Spaß. Dennoch bleibt das Lernen Arbeit: Zum einen müssen die Symbole zu den Zahlen auswendig gelernt werden. Und zum Verständnis des Lehrstoffes können die verschiedenen Lernmethoden, die ja vor allem der schnellen Einprägung dienen, auch kaum etwas beitragen. Fakt
ist aber: Schüler pauken wesentlich leichter und effizienter, wenn sie lernen, in Bildern zu denken und mit Fantasie und Kreativität bei der Sache sind. Und die Methoden sorgen nicht nur für bessere Schulnoten, sondern erleichtern auch den Alltag, in dem ja Telefonnummern, PIN-Codes und Passwörter eine zunehmend große Rolle spielen. Obwohl auch die perfekte Beherrschung diverser Memo-Techniken keine Garantie für lückenlosen Merk-Erfolg bietet.
„Es gibt genug Dinge, die ich mir in meinen Kalender eintrage,“ erzählt Clemens Mayer. „Wenn ich mir etwas nicht merken will, dann merke ich es mir nämlich auch nicht. Manche Leute in meiner Umgebung reagieren erstaunt oder verwundert, wenn ich etwas vergesse. Aber nur, weil ich zweifacher
Gedächtnisweltmeister bin, heißt das nicht, dass ich mir alles merke.“

„Wenn man in Bildern denkt, braucht man in der Schule überhaupt nicht mehr aufgeregt zu sein. Anstatt nämlich zu denken: Oh mein Gott, wie war da gleich die Formel, denkt man jetzt: Wie war die Geschichte? Und diese Antwort kommt in der Regel schneller. Ach ja, da war ein Affe mit einem Schwan auf der Schulter...“ Clemens Mayer, zweifacher Gedächtnisweltmeister

 

Lerntipps vom zweifachen Gedächtnis-Weltmeister

★ DER ZAHLENTRICK – Für jede Zahl – z.B. am Anfang von 0-10, später von 00 bis 99 – ein Symbolbild überlegen und gut einprägen. Sieht man in Folge diese Zahl, sieht man nicht mehr nur die Zahl, sondern auch das Bild bzw. Symbol, das man dieser Zahl zugeteilt hat. Dadurch kann man aus Jahreszahlen, Telefonnummern, etc. Geschichten machen, die man sich dann leicht merkt. Tipp: Emotionen in die Geschichten einbauen, die Augen schließen, und die Geschichte einmal im „Kopfkino“ erleben – wie bei der Surferin auf der Berliner Mauer. TIPPS ZUR ZAHLENSUCHE: Für die Zahlen von 0-10 bieten sich Symbole an, die den Zahlen ähnlich schauen. Z.B.: 1=Kerze, 2=Schwan, usw. FÜR WEITERE ZAHLEN GILT: Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und bauen Sie logische Zusammenhänge ein. Z.B. 11=Fußball. Die Symbole müssen/können aber nicht immer einen logischen Zusammenhang mit den Zahlen haben. Damit dieser Zahlentrick funktioniert, müssen die Symbole auswendig gelernt werden!

★ LEICHTER VOKABELLERNEN – In den allermeisten Fällen kann man auch mit einer Vokabel eine Geschichte erzählen. Z.B.: „insect bite“ heißt  „Insektenstich“. Wobei „insect“ „Insekt“ heißt, und „bite“ „Stich“ bzw. „Biss“. Tipp: Stellen Sie sich bildlich vor, wie ein Insekt heranfliegt, sich auf die Hand setzt, und zusticht. Drehen Sie in Gedanken einen „Kurzfilm“ dieses Vorgangs inkl. Emotionen. Dann werden Sie immer, sobald sie „Insect bite“ sehen oder hören, sofort die richtige Übersetzung im Kopf haben. Funktioniert natürlich auch bei schwierigeren Vokabeln!

★ MATHEMATIK & FORMELN – Beispiel: a2 + b2 = c2
Auch bei Formeln empfiehlt es sich, Bilder zu machen, anstatt die Formel z.B. durch wiederholtes Vorsagen auswendig zu lernen. Bei unserem Beispiel kann a ein Affe sein, B ein Bär, C ein Clown. Das = ist eine Brücke. Wenn jetzt „2“ laut persönlicher Zahlensymbolik z.B. ein Schwan ist, dann sitzt bei a2 ein Schwan auf der Schulter eines Affen. Das „+“ bedeutet hingehen. Also geht der Affe mit dem Schwan zu dem Bären, dem ebenfalls ein Schwan auf der Schulter sitzt. Zusammen gehen sie dann über die Brücke (=) zu dem Clown, auf dessen Schulter auch ein Schwan sitzt. Wenn man sich diese  Geschichte vergegenwärtigt und ein Erlebnis daraus macht, sitzt die Formel. Sie werden staunen, welche Geschichten bei komplexeren Formeln  entstehen, und wie gut Sie die Formeln via „Kopfkino“ behalten werden.

★ TEXTE LERNEN – Den Text einmal durchlesen, sodass man ein grobes Verständnis davon bekommt. Noch einmal langsamer durchlesen, danach die Augen schließen und sich das, was man gerade gelesen hat, in Bildern vorstellen, sodass der ganze Text eine einzige, lebendige Geschichte wird. Dann wird man das Wesentliche dieses Textes bei Tests oder Prüfungen wissen.

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