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Warnung vor Muttermilch aus dem Internet

Ein paar Klicks und schon wird man fündig: Viele Frauen bieten Muttermilch via Internet zum Verkauf an, Mediziner warnen davor, das Gesundheitsrisiko für Babys sei zu hoch.

Eine deutsche Muttermilch-Börse im Internet sorgt seit dem Vorjahr für Aufregung: Hier können Frauen nach Milch fragen oder diese anbieten. Was auf den ersten Blick sinnvoll klingt – immerhin gibt es ja auch Blutspenden, außerdem wurden Kinder früher häufig von Ammen gestillt – sorgt bei Ärzten für Kopfschütteln, denn das so wichtige Nahrungsmittel für die Kleinsten kann gefährliche Krankheiten übertragen. Die Börsen arbeiten auf Vertrauensbasis - eine Garantie für gesundheitlich unbedenkliche und hygienisch einwandfreie Muttermilch gibt es nicht.

Großes Geschäft mit Muttermilch

Bis zu drei Viertel aller frischgebackenen Mütter suchen im Internet nach Hilfe, wenn sie ihr Kind nicht stillen können. Dort wird ihnen weisgemacht, dass Muttermilch das Beste für ihr Kind ist - und sie stoßen auch gleich auf Webseiten, die den Kauf von und Handel mit Milch erleichtern.

Das Geschäft mit Muttermilch wächst im Web gewaltig - vor allem in den USA. Dort ist der Online-Handel im Vergleich zu den teureren Milchbanken (bis zu 3,7 Euro pro 30 ml) besonders günstig. Jedoch birgt der unregulierte Markt seine Tücken: Pasteurisierung und Untersuchung auf Krankheiten oder Keime sind im Online-Handel nicht vorgesehen. Eine Untersuchung hat ergeben: In mehr als drei Viertel der Proben wurden potenziell krank machende Keime vorgefunden. Teilweise waren die Produkte mit Fäkalien verschmutzt. Jede fünfte Probe wurde ungekühlt versandt. Ganz anders ist die Situation an Frauenmilchbanken, die von Kinderkliniken betrieben werden (in Österreich an zwei Standorten). Die gespendete Milch wird dort nach strengen Kriterien ausgewählt und sorgfältig untersucht. Meist wird sie für kranke Babys oder Frühchen verwendet, die in besonders hohem Maße von den wertvollen Eigenschaften der Muttermilch profitieren. Frauen, die ihre überschüssige Milch spenden möchten, sollten sich
von ihrem Frauenarzt über die Mö
glichkeit der Abgabe an eine Frauenmilchbank beraten lassen.

Milch mit Krankheiten oder Bakterien verseucht

Über die kostengünstig im Web bestellte Muttermilch können Krankheiten wie Hepatitis B und C, HIV, das humane T-lymphotrope Virus oder Syphilis übertragen werden. Auch die Verunreinigung mit Herpesviren ist für Online-Milchkonsumenten eine Gefahr: 21 Prozent der Proben einer Studie waren mit dem Zytomegalievirus verunreinigt, bei einer offiziellen Milchbank waren es nur fünf Prozent. Das vermehrte Bakterienwachstum durch mangelnde Pasteurisierung und unzureichende Zustände bei Lagerung und Versand machen den Online-Handel noch unattraktiver. Nur neun von 101 Proben wiesen kein Bakterienwachstum auf. Außerdem verunreinigen manche Milchlieferanten das kostbare Gut, z.B. durch Wasser oder Kuhmilch, um das Volumen zu steigern. Die Fachleute raten stark davon ab, für Babys Muttermilch online zu bestellen, da Gesundheitsrisiken vor dem Verzehr von Laien nicht abgeschätzt werden können. Selbst keim- und giftstofffreie Milch einer fremden Mutter ist unter Umständen nicht gut für das Kind. Muttermilch passt sich in ihrer Zusammensetzung stets aufs Neue den Bedürfnissen der Säuglinge an. Kurz nach der Geburt benötigen Babys mehr Nährstoffe als im Alter von einigen Wochen oder Monaten. Die Milch einer Frau, die bereits ein älteres Kind hat, enthält nicht die richtige Nährstoffzusammensetzung für ein Neugeborenes. Frauen, die nicht stillen können, raten wir zu industriell hergestellter Säuglingsmilch. Diese gleicht heute schon sehr stark der Muttermilch und kann ohne Bedenken gefüttert werden.“

Foto: Adam Przezak