Flaschen

Gefährliches Spiel mit dem Feuerwasser

Neu und schockierend ist die Tatsache, dass immer mehr Kids immer jünger ganz gezielt den Rausch suchen, wer wenig Zuwendung und Zärtlichkeit bekommt, ist besonders gefährdet.

Zuerst: Euphorisiert. Sorgenfrei. Enthemmt. Dann: Alleine kaum mehr stehen können. Unfähig, einen geraden Satz herauszubringen. Nicht wissen, wie einem geschieht. Erbrechen. Eventuell sogar umfallen. Diese Abfolge von extremen Gefühlen und Zuständen kennt verschiedenen Studien zufolge ca. jeder dritte männliche und weibliche Jugendliche in Österreich – obwohl der Rausch manchmal vielleicht so stark ist, dass die Erinnerung daran an den folgenden Tagen nur mehr eine dunkle Lücke ist, über die man nur allzu gerne den Mantel des Vergessens breiten würde.

Motto: Heute sauf’ ich mich an

Oft ist das aber nicht so leicht. Zum Beispiel dann, wenn man nach einer Alkohol-Orgie in einem Sanitätszelt, Rettungswagen oder Krankenhaus aufwacht. Dr. Elisabeth Thurner- Petrik ist stellvertretende ärztliche Leiterin des Arbeiter-Samariterbundes Wien und seit über 10 Jahren als Notärztin auch auf  Jugend- Events und Bällen tätig. „Das Verhältnis der Teenager zum Alkohol hat sich verändert,“ berichtet Thurner-Petrik. Früher sei eine Überdosis Alkohol – sprich: ein Rausch – meistens noch eine Art unbeabsichtigter „Betriebsunfall“ gewesen. „Jetzt kommen viele Teenies schon mit dem Motto ‚heute sauf’ ich mich richtig an‘ zu einem Ball,“ erzählt die Notärztin. Viele Teenager kommen auch schon betrunken oder stark „angeheitert“ zu den Events, weil sie aus Kostengründen zu Hause, in Parks oder „billigen“ Lokalen „vorglühen“. Oft sind sie erst 13 Jahre alt, manchmal sogar jünger. „Da kommt dann auf dem Event noch ein bisschen was dazu, und dann kippen sie um,“ so Thurner-Petrik. „Bis 22 Uhr haben wir bei den größeren Bällen und Events dann meist schon drei, vier Teenager, die so stark alkoholisiert sind, dass wir sie in ein Spital bringen müssen. Zwischen 23 und zwei Uhr kommt dann meist der nächste große Schub. Wer bis dahin durchhält, hält meistens auch den Rest des Abends durch.“

Zum Kater kommt oft das Donnerwetter der Eltern

„Im Schnitt bekommen wir an den Wochenenden ein bis drei Jugendliche herein,“ erzählt Univ.-Prof. Dr. Zsolt Szepfalusi von der Kinderabteilung des Wiener AKH. „Werte bis zu drei Promille sind dabei keine Seltenheit. Wobei ja nur die eingeliefert werden, die bewusstseinsgetrübt oder komatös sind.“ Meistens dürfen die Teenager am nächsten Tag wieder nach Hause. Vorausgesetzt, die Ursache für den hospitalisierungspflichtigen Zustand wird allein dem Alkohol zugerechnet, und die körperliche Verfassung und die Bewusstseinslage sprechen nicht gegen eine Entlassung aus dem Krankenhaus. Und weil es sich bei den jugendlichen Alko-Patienten ja um minderjährige Personen handelt, müssen sie von einer „Bezugsperson“ aus dem Krankenhaus abgeholt werden. Und das sind fast immer die Eltern. Sie finden ihr Kind, dem sie am Vorabend vielleicht sogar noch „viel Spaß auf der Party“ gewünscht haben, schwer verkatert an einer Infusion hängend in einem Krankenhausbett wieder. „Die Eltern reagieren darauf unterschiedlich,“ erzählt Dr. Szepfalusi. „Viele sind gefasst oder erschrocken, andere rasten gleich aus und beginnen schon im Spital zu schimpfen.“

Strafen können wirken – oder der Anlass für das nächste Frust-Besäufnis sein

Je nach Versicherungslage und den Umständen kann so ein alkoholbedingter Krankenhausaufenthalt die Eltern des Kindes bis zu 1000 Euro kosten. „Viele Eltern präsentieren diese Rechnung dann den Kindern,“ weiß Dr. Szepfalusi, „und ziehen es ihnen von ihren Ersparnissen ab.“ Ein Strafe mit Schockeffekt, die Wirkung zeigen kann – oder direkt zum nächsten Frust-Besäufnis führt. Sinnvoller wäre es Experten zufolge, mit den Kids auch kritisch über den Alkohol und die möglichen Gefahren und Risiken des Alkoholkonsums zu sprechen – und zwar am besten schon, bevor es zu einem gefährlichen Exzess kommt. Ebenfalls wichtig ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen und den Kindern eher ein auf maßvollem Genuss basierendes Verhältnis zum Alkohol vorzuleben, als selbst immer wieder einen über den Durst zu trinken, und das dann zu bagatellisieren oder gar zu verherrlichen.

Öfter mal Wasser oder Limo statt Bier und Wein trinken

Wasser predigen, und Wein trinken, das kann nämlich auch in Bezug auf Alkohol einfach nicht funktionieren. Tipp: Leben Sie Ihrem Nachwuchs vor, dass z.B. der abendliche Fußballkrimi im TV nicht nur mit Bier, sondern auch mit Wasser oder Limo Spaß macht. Damit tun Sie sich übrigens auch selbst einen Gefallen. Wichtig ist es auch, den Kindern einen selbstbestimmten Umgang mit dem Alkohol beizubringen. Sprich: Sie sollen sich nicht durch die Gesellschaft – in der ja teilweise immer noch die Meinung vorherrscht, dass eine echt starke Person viel trinken muss – den Gruppenzwang oder auf Ballermannveranstaltungen zu übermäßigem Alkoholkonsum verleiten lassen. Wer das schafft, tut seinen Kindern viel Gutes. Und rettet ihnen vielleicht sogar das Leben.


 


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