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Kein Löffelchen für die Mama

Alle haben gesagt: Das Kind wird schon essen, wenn es so weit ist, machen Sie sich keine Sorgen. Aber wenn man ein Kind hat und das Kind wird schon fast ein Jahr und isst immer noch nichts, dann macht man sich natürlich Sorgen. 

Einen Löffel für die Tante Helene, einen für deinen Cousin Elias, einen für den Großonkel Christoph ... manche Eltern können ihren hungrigen Beikost-Tigern bei der klassischen Form des appetitanregenden Tisch- Gesprächs die ganze Großfamilie vorstellen. Sonja Schwendt-Ebner, 33, ist bei den Tischgesprächen mit ihrer Tochter Viktoria lange Zeit über die Kernfamilie nicht hinausgekommen. Viktorias Beitrag zur Kommunikation bestand dabei nicht im Schlucken, sondern im Spucken: Ein Löffel für die Mama? Brrrr...! Ein Löffel für den Papa? Brrrrr...! Viktoria, geboren am 19. September 2006, hat bis knapp vor ihrem ersten Geburtstag jede Form von fester Kost verweigert und sich ausschließlich von Muttermilch und Milchnahrung ernährt.

„Viktoria wollte einfach nichts essen“

Seit Viktoria 6 Monate alt war, hat ihre Mama versucht, sie mit Brei und Co. zu füttern. Monatelang mit dem gleichen, ernüchternden Ergebnis. „Egal, was ich ihr zu essen gegeben habe“, erzählt Frau Schwendt-Ebner, „Viktoria hat es sofort mit einem lauten Brrrr... wieder ausgespuckt. Wenn hin und wieder ein Krümelchen in ihrem Magen gelandet sein sollte, dann ist ihr das unabsichtlich passiert.“ Das erste Gericht, das Viktoria verweigert hat: Karotten-Mousse, ganz fein gehackt. Zahlreiche weitere, mit viel Liebe und Mühe servierte Gerichte sollten folgen. „Ich hab’ einfach alles versucht“, erzählt Sonja Schwendt-Ebner. „Selbstgekochtes, Gläschenkost, ganz fein Gehacktes und Essen mit größeren Stücken drin, Brot, Obst, ... aber sie hat einfach nichts essen wollen.“ Dabei zeigte Viktoria durchaus einen „gesunden“ Appetit, den sie aber konsequent ausschließlich mit Muttermilch und Milchnahrung befriedigt. „Egal, wie groß der Hunger war“, erzählt Frau Schwendt- Ebner, „sie hat keine feste Nahrung zu sich genommen. Ich hab’ jede Mahlzeit mit einem Brei begonnen. Aber wenn sie wieder einmal alles nur ausgespuckt hat, habe ich ihr irgendwann das Flascherl gegeben.“ Beim Nicht-Essen, beziehungsweise Essen- Ausspucken war Viktoria meist gut gelaunt. „Vielleicht hat sie das einfach nur als eine Art Spiel gesehen“, vermutet ihre Mutter. „Ich war aber zunehmend beunruhigt und habe mir natürlich auch überlegt, ob es vielleicht etwas nützen würde, wenn wir sie einfach so lange hungern lassen, bis sie isst. Aber das war nicht möglich. Sie hat zwar geweint, wenn ich ihr das Flascherl nicht sofort gegeben habe. Aber gegessen hat sie nichts. Also habe ich ihr dann das Flascherl gegeben.“ So vergingen die Wochen und die Monate. Und Frau Schwendt-Ebner informierte Viktorias Kinderarzt.

„Bei Gewichtszunahme kein Grund zur Sorge.“

„Ich werde oft von besorgten Müttern gefragt, ob es schlimm ist, dass ihre Kinder im siebenten, achten Monat immer noch die Beikost verweigern“, berichtet Dr. Hubert Göpfrich, erfahrener Kinderarzt mit eigener Praxis und Oberarzt in der Abteilung für Kinderheilkunde im Wiener SMZOst. „Und ich kann immer beruhigend antworten, dass das kein Problem ist, solange die Kinder gut zunehmen. Und so war es ja auch bei Viktoria. Sie war immer ein sehr wohlgenährtes Kind. Auch wenn das Ganze bei ihr sicher ein bisschen extremer war, weil es wirklich etwas länger gedauert hat.“  Mangelerscheinungen gebe es bei ausreichender Ernährung mit Muttermilch bzw. Milchpulver keine. „Theoretisch könnte es zu einem Eisenmangel kommen“, meint Dr. Göpfrich, „aber in der Praxis betrifft das Problem des Eisenmangels eher früh geborene Kinder.“ Deshalb seine Empfehlung an alle besorgten Mütter: Den Kindern unterschiedliche Speisen anbieten und wenn trotzdem nichts gegessen wird, einfach weiter zuwarten. „Bei entsprechender Gewichtszunahme besteht bis zum ersten Geburtstag wirklich kein Grund zur Sorge.“ Sonja Schwendt-Ebner hat nie an den Worten Dr. Göpfrichs gezweifelt. „Aber Sorgen habe ich mir trotzdem gemacht“, gibt sie zu. „Nicht wegen ihrem Gewicht, weil sie ja nie dünn war und größen- und gewichtsmäßig eigentlich immer über dem Durchschnitt lag. Aber je näher der erste Geburtstag gekommen ist, umso mehr hat mich das Thema nervös gemacht. Wenn sie mit einem Jahr immer noch nicht gegessen hätte, wäre es nämlich bedenklich geworden. Und wir wären mit Viktoria zu Spezialisten gegangen. Ich war verzagt und habe mich immer gefragt: Wann wird sie denn endlich essen?“

„Happy End mit Spaghetti und Schinken“

Bei Fällen hartnäckiger Breikost-Verweigerung gelingt der entscheidende Durchbruch in vielen Fällen nicht den Müttern. Diese „erinnern“ nämlich – auch, wenn sie bereits abgestillt haben – die Kleinen vermutlich eher an die gute, vertraute Milchnahrung, als andere Personen. So „durften“ auch bei Viktoria verschiedene Vertrauenspersonen ihr Glück versuchen. Der Vater, Harald Ebner, versuchte jeden Abend Viktoria nahrhaftes Essen schmackhaft zu machen. Auch die Oma musste ran. Beiden blieb vorerst der Erfolg versagt. „Ich habe drei Kinder großgezogen“, erzählt Sonja Schwendt-Ebners Mutter Maria Schwendt, „aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe mir aber deshalb keine Sorgen gemacht. Man kann Kinder nicht zum Essen zwingen. Die essen, wenn sie so weit sind. Und vorher nicht.“ Im September 2007, kurz vor dem ersten Geburtstag, war es dann endlich so weit: Viktoria hat gegessen! Oma Schwendt hat ihr Spaghetti mit Schinken aus dem Glas angeboten, Viktoria hat gekaut, geschluckt und gegessen, als ob das die selbstverständlichste Sache der Welt wäre. „Ich hab‘ sie gefüttert, und sie hat fast das ganze Glas leer gegessen,“ erzählt Maria Schwendt und ihre Augen leuchten über zwei Monate nach diesem (familien)historischen Ereignis immer noch vor Freude. „Ich habe mich sehr gewundert, weil meine Tochter ja immer gesagt hat, dass Viktoria nichts isst. Sie isst ja eh, hab’ ich gerufen.“ „Das erste Essen, das war schon ein Wahnsinn“, sagt Schwendt-Ebner. „Am Tag davor hat sie wie an all den anderen Tagen zuvor alles nur ausgespuckt. Und dann hat sie plötzlich so brav gegessen. Ich hab’ nur so g‘schaut ... Und dann hab’ ich mir gedacht: Hoffentlich bleibt das so. Und es ist so geblieben ...“

„Ich habe drei Kinder großgezogen, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe mir aber deshalb keine Sorgen gemacht. Man kann Kinder nicht
zum Essen zwingen. Die essen, wenn sie so weit sind. Und vorher nicht.“ Maria Schwendt, Viktorias Oma

„So lange eine entsprechende Gewichtszunahme gegeben ist, braucht man sich keine Sorgen zu machen, wenn die Umstellung auf Beikost nicht gleich
gelingt. Kinder sind Individuen und halten sich nicht an irgendwelche Durchschnittswerte. Und sie können sich durchaus länger als sechs Monate ausschließlich von Muttermilch oder Milchpulver ernähren.“

Dr. Hubert Göpfrich, Viktorias Kinderarzt & Oberarzt in der Abteilung für  Kinderheilkunde im Wiener SMZ-Ost

Wann sollte die Umstellung auf die Beikost erfolgen?

Die ersten sechs Monate sollte man die Kinder voll stillen bzw. Fläschchennahrung verabreichen. Danach kann die Umstellung auf Beikost beginnen. Wenn Kinder vorerst keine Beikost wollen, besteht kein Grund zur Sorge. Bis zum ersten Geburtstag liefern Muttermilch bzw. Milchpulver alle benötigten Nährstoffe. Wichtig ist, dass eine altersadäquate Gewichtszunahme gegeben ist. Mit Beginn des zweiten Lebensjahres sind, Experten zufolge, so gut wie alle Kinder auf Beikost umgestellt.

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