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OP mit drei Monaten: Spaltkinder wachsen normal auf

Sprechen, Kauen, Atmen, Hören: Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte haben in allen Bereichen große Probleme. Univ.-Prof. DDr. Katja Schwenzer-Zimmerer, Leiterin der Klinischen Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hat daher ein weltweit einzigartiges Konzept entwickelt, um den Kindern eine normale Entwicklung zu ermöglichen. 

In der 26. Schwangerschaftswoche hat Ivonne S. erfahren, dass ihr Baby mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte auf die Welt kommen wird. „An so etwas denkt man nicht, wenn man zur Ultraschalluntersuchung geht. Man hofft ja, alles ist in Ordnung“, sagt sie. Dennoch tritt gerade diese Fehlbildung bei Ungeborenen vergleichsweise oft auf: Eines von 500 Kindern ist betroffen, in Österreich werden jährlich etwa 160 Babys mit einer Spaltbildung geboren. Die Ursache ist unklar, bei Ivonne S. könnte es an einer erblichen Veranlagung liegen, weil auch andere Familienmitglieder von einer Spaltbildung betroffen waren. „Mein Mann und ich haben uns nach der Diagnose genau informiert, was das bedeutet und was wir tun können“, so die Weststeirerin, die deswegen auch bald nach der Untersuchung ans LKH-Univ. Klinikum Graz gekommen ist. Dort, genauer in der Klinischen Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, gibt es die Expertin für die Behandlung von Lippen- Kiefer-Gaumen-Spalten. Univ.-Prof. DDr. Katja Schwenzer-Zimmerer operiert Babys nämlich so früh wie niemand sonst – und verhilft ihnen so zu einer normalen Kindheit.

Wenn Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, der häufigsten Fehlbildung im Gesicht, auf die Welt kommen, haben sie von Anfang an Schwierigkeiten: beim Schlucken, beim Essen, später auch beim Sprechen. Unbehandelt treten – je nach Ausprägung – große Probleme auf. Das Stillen des Babys ist oft nicht möglich, weil es nicht saugen kann. Da auch die Ohren von der Spalte betroffen sind, kann das Hörvermögen durch wiederkehrende Entzündungen verringert werden. Und Atemstörungen, die bei Spaltkindern ebenfalls häufig auftreten, beeinträchtigen das Wachstum. Das alles will Schwenzer-Zimmerer mit ihrem einmaligen, von ihr selbst entwickelten Konzept (Vorbehandlung, Operation, Nachbehandlung) verhindern. 

„Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten gehören zu den schlimmsten Fehlbildungen, weil sie eben fast alle Bereiche des Lebens negativ beeinflussen“, sagt die Kieferchirurgin. „Besonders stark leidet die soziale Entwicklung der Kinder, gerade da wollte ich gegensteuern.“ Schon während der Schwangerschaft wird daher alles ganz genau geplant, auch die Geburt. Sobald die Babys auf der Welt sind, bekommen sie eine Trink- und Gaumenplatte. Diese trennt Mund- und Nasenraum, bringt die Zunge in die richtige Position; sowohl das Atmen als auch das Trinken wird für die Neugeborenen erleichtert beziehungsweise sogar erst möglich. In den ersten Lebenswochen bereitet Schwenzer-Zimmerer zudem das Gesicht vor. Lippen, Kiefer und Mund sind dann noch ganz weich und können behutsam geformt werden. Die Operation findet statt, sobald die Kinder drei Monate alt sind – vorausgesetzt sie wiegen mindestens fünf Kilogramm. Jannis, der mittlerweile fast neun Monate alte Sohn von Ivonne S., war zu leicht und musste knapp vier Wochen länger auf den Eingriff warten, bis zum 21. April 2015. Für Mama Ivonne stand aber immer fest, die Operation zeitnah durchführen zu lassen. „Je länger wir gewartet hätten, desto mehr hätte mir Jannis leidgetan. Ich war unendlich froh, dass ihm so früh geholfen werden konnte und dass wir dafür nur diesen einen Eingriff gebraucht haben.“ Also eine so genannte Komplettoperation mit vollständigem Verschluss von Lippe, Kiefer und Gaumen.

Wie gut es Jannis geht und wie erfolgreich der Eingriff bei ihm war, zeigt seine bisher völlig normale Entwicklung. Ein Unterschied zu gleichaltrigen Kindern ist nicht erkennbar. Nur die kleine Narbe zwischen Oberlippe und Nase könnte ihn verraten, aber selbst die lässt sich leicht übersehen. Zwar wird Jannis genauso wie andere Kinder mit Spaltbildungen weitere regelmäßige Kontrollen bis zum 20. Lebensjahr brauchen, eventuell auch Korrekturen der Nase oder der Lippe, dank Schwenzer- Zimmerer sind das aber nur mehr Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was der Bub jetzt schon geschafft hat.


Zahlen, Fakten, Daten:

Eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte entsteht, wenn die beiden seitlichen Oberkiefer nicht mit den Wangen verschmelzen und auch die Nase nicht mit dem Zwischenkiefer verschmilzt. Ursachen können erbliche Faktoren sein, aber auch Nikotin- und Alkoholmissbrauch der Mutter in der Schwangerschaft. Die Spalten werden mikroskopisch verschlossen, Univ.-Prof. DDr. Katja Schwenzer-Zimmerer (Leiterin der Klinischen Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Univ.- Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) führt den Eingriff bereits im dritten Lebensmonat bei einem Gewicht von mindestens fünf Kilogramm in allen Spaltenabschnitten durch. So früh operiert weltweit nur sie, Schwenzer-Zimmerer hat dafür spezielle Lagerungstechniken der Babys während der OP und besondere Anästhesietechniken entwickelt. Wichtig ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Klinikum Graz bei dieser Behandlung: Die Operationen finden im Kinderzentrum statt, beteiligt sind: Kieferorthopäden, HNO-Spezialisten, Sprechtherapeuten (Logopäden, Sprachheilpädagogen, klinische Linguistiker), Stillberater, Pädiater, Kinderanästhesisten und Neonatologen. 


Foto: LKH Graz

  

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