Back in Business statt zurück am Herd

Die Vereinbarung von Familie und Beruf gehört zu den großen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Wir stellen Ihnen in unserer Serie Eltern vor, die ihren Weg gefunden haben, dieses Kunststück zu meistern. Teil 2: Kindergruppen.

Zurück am Herd: Einer aktuellen Studie der EU zufolge sind in den vergangenen Jahren bei den 25- bis 54-jährigen EU-Bürgern drei Mal so viele Frauen
(24, 7 %) wie Männer (8,2 %) nicht arbeiten gegangen. Der Grund für etwa die Hälfte aller Hausfrauen, sich aus der Berufswelt zurückzuziehen: Familie und Kinder. In den meisten Familien kommt die klassische Rollenaufteilung eben immer noch zur Anwendung. Aber längst nicht in allen.

„Ich wollte auch berufliche Anerkennung.“

„Zuhausebleiben bei den Kindern, das wäre für mich nicht in Frage gekommen,“ meint Mag. Gisela Hagmair, 36, Bildungskoordinatorin und zweifache Mutter. „Ich wollte wieder arbeiten, mehr mit dem Kopf machen. Und ich wollte verschiedene Leute treffen – nicht immer nur die anderen Mütter vom Spielplatz.“ Außerdem wollte sie „nicht nur über die Kinder und den Partner definiert werden, sondern über den Beruf auch selbst Anerkennung bekommen.“ Und das sei ihrer Erfahrung nach „nur“ über die Hausarbeit kaum zu schaffen: „Hausarbeit ist eine undankbare Arbeit: Wenn man alles macht, fällt es niemandem auf. Nur wenn man etwas nicht macht, wird das gesehen.“ Also wurde die Rückkehr in den Job angepeilt. Nachdem auch Hagmairs Partner Walter seine Zeit zu Hause bei den Kindern absolviert hatte und sich wieder seiner Karriere widmete, stellte sich die Frage: Wer soll jetzt die Betreuung der beiden Töchter übernehmen?

Mit zwei Jahren war Enya die Jüngste in der Gruppe

Ylva, heute 5, und Enya, 2 1/2, besuchen beide seit der Zeit um ihren zweiten Geburtstag die Kindergruppe „Farbklecks“ im 18. Wiener Bezirk. „Ylva hat
etwas später begonnen, Enya etwas früher.“ Seit Jänner dieses Jahres ist Enya vier Tage pro Woche von etwa 9:30 bis 15:30 in der Kindergruppe, Ylva geht einen Tag öfter hin. Wobei Enya die Kindergruppe schon viel länger kennt. „Schon als Baby hab’ ich sie mitgenommen, wenn ich die Große abgeholt habe,“ erzählt Frau Hagmair. „Sie ist quasi mit der Kindergruppe aufgewachsen und war froh, als sie im Jänner das erste Mal alleine dort bleiben durfte. Da hat sie übers ganze Gesicht gestrahlt.“ Insgesamt rund 500 Euro pro Monat kostet die Betreuung von Ylva und Enya in der Kindergruppe. Frau Hagmair ist überzeugt, dass ihre Kinder von ihren Aufenthalten in der Kindergruppe profitieren. „Sie sind beide sehr offen, gehen auf Menschen zu und finden leicht Freunde. In der Kindergruppe ist ja ein tolles Betreuungsverhältnis, es sind meistens zwei bis drei Betreuer für 10 bis 14 Kinder da. Da können die Kleinen gut lernen, sich auch in einem anderen Kontext als in der Familie zurechtzufinden. Bei Bedarf helfen ihnen die Betreuerinnen wunderbar dabei. “

Den Kindern Kompetenzen für ihre eigenen Bedürfnisse geben

Karin Pleschberger ist seit 18 Jahren Betreuerin in Kindergruppen und derzeit in der Kindergruppe Hietzing tätig. „Kindergruppenkinder sind sicher besonders selbständig und in ihrem Sozialverhalten weiter als die meisten Alterskollegen,“ meint sie und erklärt, wie die Betreuerinnen die Soft Skills
der Kids pushen. „Wenn es zum Beispiel Streit gibt, unterstützen wir die Kinder dabei, selbst einen Lösungsweg zu finden, anstatt ihnen einen Lösungsweg sofort vorzugeben, oder den Streit einfach zu unterbinden.“ Die Verbesserung der Soft Skills liege aber auch daran, dass den Kindern in einer
Kindergruppe kein vorgegebenes Programm „übergestülpt“ wird, sondern dass sie selbst entscheiden dürfen, ob sie nun beispielsweise basteln, musizieren oder spielen wollen. „Wir geben den Kindern mehr Freiheiten und Kompetenzen für ihre eigenen Bedürfnisse. Das hat auch den Effekt, dass sie sich ernst genommen fühlen.“

Regionale Unterschiede bei einer Entscheidung für eine Kindergruppe

Aber nicht nur die Kinder, auch die Eltern haben in Kindergruppen viel Mitspracherecht – und zwar beim Essen, das ihre Kinder auf den Tisch bekommen genauso wie bei der Wahl der Betreuer. Das mögen immer mehr Mamis und Papis. Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder in Kindergruppen geben, sind aber nicht in ganz Österreich dieselben. „Da gibt es schon regionale Unterschiede,“ meint Grete Miklin, Geschäftsführerin beim Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen. „In Wien geben die Eltern ihre Kinder bewusst in Kindergruppen, weil sie die kleinen Gruppen, die etwas andere pädagogische Ausrichtung und das große Mitspracherecht schätzen. In den Bundesländern werden elternverwaltete Kindergruppen
vor allem in der Kleinkindbetreuung genutzt, weil es dort oft keine anderen Alternativen gibt.“

Nicht nur die Kinder lernen in der Kindergruppe...

Susanne Marini, 33, ist selbständige Grafikerin, Webdesignerin und dreifache Mutter. „Ich habe durch meine Tochter Clara ganz tolle Erfahrungen mit der Betreuung in einer Kindergruppe gemacht,“ erzählt die Tirolerin. Deshalb hat nach Clara, inzwischen 5, auch Peter, 3, die Kindergruppe „Lari Fari Grinzens“ besucht. Mama Susanne Marini hat vor einigen Wochen ihr drittes Kind, Andreas, bekommen, und ist jetzt „zu Hause“. Auf die Unterstützung
und die Vorteile der Kindergruppe will sie aber nicht verzichten. „Gerade dann, wenn man daheim ist, braucht man meiner Meinung nach auch Austausch,“ meint Marini. „Und zwar nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern.“ Deshalb war es für sie bei der Wahl der idealen Kinderbetreuungseinrichtung auch von Anfang an ein entscheidender Punkt, dass Kindergruppen „Treffpunkte für die ganzen Familien“ seien. „In der Kindergruppe wird ja auch die Elternbildung sehr gefördert,“ berichtet Marini. „Wir Eltern treffen uns ein Mal pro Monat und können unter Anleitung von ausgebildeten Pädagoginnen über Erziehungsfragen diskutieren. Da kann man auch als dreifache Mutter noch sehr viel dazulernen.“

 

„Meiner Erfahrung nach sind Volksschullehrer durchwegs glücklich mit Kindergruppen-Kindern, weil diese in ihrem Sozialverhalten sehr weit sind. Bei uns wird den Kindern kein vorgegebenes Programm übergestülpt. Wir geben ihnen mehr Freiheiten – und Kompetenzen für ihre eigenen Bedürfnisse. Das hat auch den Effekt, dass sich die Kinder ernst genommen fühlen.“ Karin Pleschberger, Kindergruppen-Betreuerin

„Wir achten sehr darauf, dass es in den Gruppen eine gute Altersdurchmischung gibt. Besonders für Einzelkinder ist es sehr wichtig, von Gleichaltrigen,
aber auch von älteren und jüngeren Kindern zu lernen. Und das funktioniert natürlich in Kindergruppen besonders gut, wo alles sehr familiär zugeht und maximal 15 Kinder bei zwei Betreuern in einer Gruppe sind.“ Grete Miklin, Geschäftsführerin Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen

„Nur Haushalt und Kinder, das ist mir nach spätestens eineinhalb Jahren auf die Nerven gegangen. Mutter bin ich sehr gerne. Aber Hausfrau sein, das ist nicht meine Berufung. Während meiner Karenzzeit habe ich den Job vermisst, und auch die Kontakte zu unterschiedlichen Menschen. Ich wollte wieder mehr Leute treffen, nicht nur die anderen Eltern vom Spielplatz.“ Mag. Gisela Hagmair. Ihre Töchter Ylva, 5, und Enya, 2 1/2, besuchen die Kindergruppe „Farbklecks“.

„Wir wohnen 100 Kilometer von meinen Eltern entfernt. Dadurch ergeben sich schon gewisse Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung. Aber ich glaube, dass ich meine Kinder auch in eine Kindergruppe geben würde, wenn wir näher bei der Oma wohnen würden. Die Betreuung durch die Oma ist sehr wichtig. Aber als Mutter merkt man ganz genau, wenn die Kinder mit 3 Jahren plötzlich den Kontakt zu anderen Kindern suchen.“ Susanne Marini. Ihre Kinder Clara, und Peter, 3, besuchen die Kindergruppe „Lari Fari Grinzens“.

 

Kinderbetreuung im Ausland

ITALIEN
Ab dem dritten Geburtstag gibt es für die meisten Kinder kostenlose Betreuung bis ca. 17 Uhr. Für Bambini unter 3 ist es aber in der Regel schwer, einen Platz in einer Kinderbetreuungseinrichtung zu bekommen bzw. zu bezahlen. Öffentliche Plätze gibt es wenige, private kosten um die 500 Euro pro Monat.

FRANKREICH
So viele berufstätige Mamis wie in Frankreich gibt es kaum wo in der EU. Kein Wunder: Frankreich ist nicht nur in Sachen Betriebskindergärten vorbildlich, auch der Staat greift Eltern ziemlich stark unter die Arme. Tagesmütter & Co werden stark gefördert bzw. steuerlich begünstigt. Ganztagskindergärten (für
enfants ab 3 Jahren) sind gratis.

SCHWEDEN
Schwedinnen haben’s gut: Gemeinden bzw. Länder sind verpflichtet, Kindern ab einem Jahr Betreuung in der so genannten „Vorschule“ anzubieten.
Die Kosten für die Eltern dürfen nicht mehr als 130 Euro/ Monat betragen. Da sagen kaum Eltern „Nej“ (also „Nein): Ca. achtzig Prozent der Zweijährigen besuchen eine „Vorschule“.

BELGIEN
Die Karenz ist in Belgien schnell wieder vorbei: Maximal 15 Wochen lang dauert hier der Mutterschutz. Dementsprechend sind auch jede Menge staatlich geförderte und private Kinderbetreuungsplätze vorhanden. Für Letzteres müssen belgische Eltern Beträge um die 500 Euro/Monat locker machen. Die kurze Karenzzeit scheint die Familienplanung aber durchaus zu beleben: Die belgische Geburtenrate liegt bei 1,77 und damit deutlich über der österreichischen (1,41).

POLEN
Was hierzulande knapp ist, ist in Polen im Übermaß vorhanden: Kinderbetreuungsplätze. Jedes Kind in Polen hat ab dem zweiten Lebensjahr Anspruch auf einen von 7 bis 17 Uhr geöffneten Betreuungsplatz, und weil sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Geburtenraten sukzessive auf „westliches
Niveau“ verringert haben, bleiben einige Kinderbetreuungseinrichtungen sogar unausgelastet.

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