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Sperrt ihn endlich ein, den Mörder meiner Tochter

Es war Liebe,“ sagt Clemens R.*, 41. „Er hat meine Tochter ermordet,“ meint Isabell Rothmayer, 58. „Ich habe sie nicht getötet, und möchte endlich rehabilitiert werden,“ sagt Clemens R. „Er ist der Mörder von Petra,“ sagt Frau Rothmayer, 58. „Es ist jetzt schon zehn Jahre her, dass er es getan hat. Ich werde nicht aufgeben, bis er endlich ins Gefängnis wandert.“

Auf Sand gebaut: Die Beziehung zwischen Petra & Clemens

Am Anfang war eine Sandkastenfreundschaft: Petra Rothmayer und Clemens R. wachsen beide im Linzer Stadtteil Kleinmünchen auf. Sie bewohnen den gleichen Gebäudeblock und lernen einander Anfang der 70iger Jahre beim Spielen in der Sandkiste kennen. Es entsteht eine innige Freundschaft, aus der schließlich „mehr“ wird. 1987 sind Petra, damals 16, und Clemens, damals 20, zum ersten Mal „zusammengekommen“. Es scheint aber, als wäre ihre Beziehung auf Sand gebaut. Schluss machen – wieder zusammenkommen, so geht es ein paar Mal hin und her. „Es war eine turbulente Berg- und Talfahrt,“ sagt der Arbeiter Clemens. „Trotzdem war es Liebe.“

„Sie hatte eine Engelsgeduld und wollte allen helfen.“

„Es war Mord. Und er hat es getan.“ Petra ist jetzt seit über 10 Jahren tot. Die meisten Ermittler und Gerichtsmediziner gehen davon aus, dass die junge Frau an jenem kalten Tag im November 1996 ermordet worden ist. Den Verletzungen zufolge könnte es aber auch Selbstmord gewesen sein. Sicher ist nur eines: Die Tat ist nach wie vor ungeklärt. Für Petras Mutter Isabell Rothmayer gibt es freilich keinen Zweifel. Clemens R. hat ihre Tochter umgebracht, da ist sie sich ganz sicher. Frau Rothmayer kennt den Mann schon „praktisch sein ganzes Leben lang,“ wie sie berichtet. „Wir haben im gleichen Gebäudeblock gewohnt, der Bub ist bei uns ein- und ausgegangen.“ Dass ihre Tochter eine derart enge Freundschaft zu einem Buben pflegte, hat sie nie gewundert. „Petra war ja ein verkrachter Bub, mit schöner Kleidung und schönem Spielzeug wusste sie nicht viel anzufangen,“ erzählt Frau Rothmayer. Und betont immer wieder, wie beliebt ihre Tochter bei Freunden, Nachbarn und Bekannten gewesen sei. „Sie glaubte immer an das Gute im Menschen und hatte eine Engelsgeduld. Und sie wollte immer allen helfen,“ erzählt Isabell Rothmayer mit Tränen in den Augen. Dass ihre Tochter später  Krankenpflegerin wurde, war für die Mutter beinahe so etwas wie die logische Konsequenz dieses tief verwurzelten Bedürfnisses, zu helfen.

Herzklopfen: Mit 16 wird aus der Freundschaft Liebe

Mit 16 ist es dann passiert: Petra verliebte sich in ihren Sandkisten-Freund Clemens. Er war ihre erste große Liebe – auch wenn das ihre Mutter heute anders sieht. „Sie war ihm hörig und hat ihn immer wieder aufgenommen, wenn er nach langer Zeit wieder vor ihrer Türe gestanden ist.“ Clemens R. spricht von einer lockeren Beziehung, deren Grundlage aber immer eine große Liebe war: „Ich war oft längere Zeit im Ausland, einmal auch in Haft (wegen Körperverletzung und Drogendelikten, Anm.). Aber Petra war ein richtiger Kumpeltyp, wir hatten immer Spaß und sind halt immer wieder  zusammengekommen.“ So auch im Juli 1996, wenige Monate vor dem Tod der jungen Frau. Petra und Clemens trafen sich zufällig im gemeinsamen Stammlokal wieder. „Es hat eingeschlagen wie der Blitz, Petra hat mit ihrem derzeitigen Freund sofort Schluss gemacht und ihn aus der Wohnung geworfen“, erinnert sich Clemens R. So begann die Beziehung wieder einmal aufs Neue. Eine Beziehung, die aber wieder unter keinem guten Stern zu
stehen schien.

„Frauenleiche in der Traun“

Diese Schlagzeilen am 11. Dezember 1996 erschütterten ganz Österreich: Zwei Tage zuvor war aus der Traun eine voll bekleidete Frauenleiche geborgen worden. Als die Identität geklärt war, stand fest: Bei der Toten handelte es sich um die seit 20. November von ihrer Mutter bei der Polizei als „vermisst“ gemeldete Petra Rothmayer. Beim ersten Obduktionsbefund deutete alles darauf hin, dass die bildhübsche, rothaarige Krankenpflegerin einem Verbrechen zum Opfer gefallen war: Vier bis zu 18 Zentimeter lange Schnittwunden an Innen- und Außenseiten der Arme – durch den Pullover hindurch –, vier durch Schläge hervorgerufene Hämatome an Kopf und Hals schienen klar gegen einen Suizid zu sprechen. Nach dem Kampf – oder Selbstmordversuch – ist Petra in der Traun ertrunken. Danach ist ihr toter Körper drei Wochen lang in dem eiskalten Fluss getrieben.

War es Mord – oder doch Selbstmord?

„Petra und ihr Freund hatten damals am Tag ihres Verschwindens in ihrem Stammlokal einen bösen Streit, trotzdem sollen die beiden gemeinsam mit dem Taxi zur Wohnung meiner Tochter gefahren sein. Ab diesem Zeitpunkt war Petra weg, behauptete damals zumindest Clemens. Was soll denn sonst gewesen sein, als dass der Streit weiterging und dann alles eskalierte“, ist Isabell Rothmayer heute noch von der Schuld des Mannes überzeugt. Ja, was soll denn sonst gewesen sein? Clemens R. bestätigt im Gespräch mit dem BabyExpress die gemeinsame Taxi-Fahrt zu Petras Wohnung. „Dort ist Petra aus
dem Auto gesprungen und weg gelaufen. Ich hab mir nichts dabei gedacht und bin noch einmal ins Lokal zurück, weil Petra ihre Handtasche dort  vergessen hatte. Als ich dann wieder heim gekommen bin, war Petra nicht da. Ich habe nur ihre Jacke beim Eingang gefunden. Seit dem habe ich sie nie wieder gesehen...“ Clemens R. sagt immer wieder, dass er davon überzeugt ist, dass sich Petra das Leben genommen hat. „Zwei Tage nach ihrem Verschwinden hat bei mir zu Hause das Telefon geläutet. Mein Vater hat abgehoben und eine weinerliche Frauenstimme sagte, dass ihr jetzt nichts mehr anderes als Selbstmord überbliebe. Dazu kommt, dass Petra ja schon zwei Selbstmord-Versuche hinter sich hatte, sie war ein ausgesprochen labiler Mensch. Ich hätte ihr nie was getan, es war ja immer Liebe zwischen uns. Dass die Leiche dann aufgetaucht ist, haben mir meine Eltern erzählt, ich war komplett geschockt und konnte erst nach einer Woche um Petra weinen....“

Für die Mutter ist die „Selbstmord-Version“ einfach „unglaubwürdig“

Die Selbstmord-Version des aus ihrer Sicht mutmaßlichen Mörders kann Isabell Rothmayer nicht nachvollziehen: „Petra war zum Zeitpunkt ihres  Verschwindens psychisch gefestigt, sie freute sich schon so auf ihren neuen Job in einem Krankenhaus in Linz. Zehn Jahre zuvor hätte ich die Möglichkeit eines Selbstmordes von Petra vielleicht selbst in Erwägung gezogen, aber zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall. Außerdem stellt sich für mich die Frage, warum Clemens diesen Anruf nicht gleich bei der Vermisstenanzeige erwähnt hat, sondern erst drei Wochen später, als man Petra gefunden hatte...“ Fakt ist: Clemens R. war drei Tage lang in Untersuchungshaft. Dann durfte er die Gefängniszelle wieder verlassen. „Das Verfahren wurde letztlich eingestellt, weil kein Tatnachweis am Verdächtigen erbracht werden konnte,“ erklärt Dr. Friedrich Hintersteininger, Mediensprecher der Oberstaatsanwaltschaft Linz. „Zudem war laut gerichtsmedizinischem Gutachten nicht zu hundert Prozent klar, ob es Fremdverschulden oder doch Selbstmord war. Auch wenn eher alles darauf hindeutet, dass es Mord war. Der Todeszeitpunkt konnte zudem auch nicht exakt fixiert werden. Wir sind allen Erwägungen  nachgegangen, die die Mutter von Petra Rothmayer ins Spiel gebracht hat. Wir haben sicherlich kein Interesse, einen Mörder zu schützen. Allerdings können wir auch niemanden einfach einsperren, nur weil die Mutter Vermutungen gegen ihn hegt.“

Frische Blumen im „Petra-Zimmer“

Sowohl Isabell Rothmayer als auch Clemens R. haben ihren jeweils eigenen Weg gefunden, den Verlust von Petra zu verarbeiten. Die Mutter hat sich in ihrem neu bezogenen Haus ein so genanntes „Petra- Zimmer“ eingerichtet. Das „Petra-Zimmer“ ist eine Gedenkecke für ihre Tochter, die Rothmayer liebevoll dekoriert hat und regelmäßig mit frischen Blumen schmückt. „Reden kann ich mit niemandem über meine Gefühle, meine Familie verarbeitet das
anders.“ Abschließen kann auch Clemens R. nicht: „Wie könnte ich, wenn ich von Frau Rothmayer ständig als Täter bezeichnet werde? Ich möchte, dass die Sache noch einmal aufgerollt wird. Dann könnte ich endlich rehabilitiert werden und stehe nicht als der da, gegen den die Beweise halt nicht gereicht haben. So bleibt mir nichts anderes übrig, als gelegentlich eine  Kerze an Petras Grab zu bringen...“ Davon will Petras Mutter nichts hören – und schon gar nicht von Clemens R. persönlich. „Die Sache stinkt zum Himmel. Es sollte endlich Anklage erhoben werden, es gibt keinen anderen Täter. Ich höre immer
wieder, dass er mit mir reden und mich vom Gegenteil überzeugen will. Nur: Sollte dieser Mann jeweils mein Grundstück betreten – ich habe mir ein Gewehr mit Plastikgeschossen gekauft...“

„Das Verfahren wurde letztlich eingestellt, weil kein Tatnachweis am Verdächtigen erbracht werden konnte. Wir sind allen Erwägungen nachgegangen, die
die Mutter von Petra Rothmayer ins Spiel gebracht hat. Wir haben sicherlich kein Interesse, einen Mörder zu schützen. Allerdings können wir auch niemanden einfach einsperren, nur weil die Mutter Vermutungen gegen ihn hegt.“ Dr. Friedrich Hintersteininger, Mediensprecher der Oberstaatsanwaltschaft Linz

Chronologie der Ereignisse

1971: Petra Rothmayer (geb. 1969) und Clemens R. (geb. 1966) lernen einander am Spielplatz der Wohnsiedlung kennen, in der beide leben. Eine jahrelange Freundschaft entsteht.
1987: Petra ist 16 Jahre alt, Clemens 20. Sie entdecken ihre Liebe zueinander, es folgt eine Beziehung mit oft langen Unterbrechungen. Anfang der 90iger Jahre scheint dann für immer „Schluss“ zu sein.
Juli 1996: Petra und Clemens treffen sich zufällig in einem Lokal. Die beiden werden wieder ein Paar.
16. November 1996: Petra besucht nachmittags ihre Eltern zu Kaffee und Kuchen, wirkt fröhlich und optimistisch. Am Abend trifft sie sich mit Clemens
im gemeinsamen Stammlokal. Sie trinken und geraten wegen einer vergangenen Beziehung des Mannes in Streit. Zu später Stunde brechen die beiden gemeinsam mit dem Taxi auf. Vor ihrer Wohnung steigt Petra aus dem Auto. Das ist der Zeitpunkt, zu dem Clemens seine Freundin nach eigenen Aussagen zum letzten Mal gesehen hat.
19. November 1996: Bei Clemens’ Vater ruft angeblich eine Frau an, die ihren Selbstmord ankündigt.
20. November 1996: Petra’s Mutter Isabell Rothmayer erstattet eine Vermisstenanzeige, nachdem sie ihre Tochter tagelang selbst gesucht hat.
9. Dezember 1996: Die Leiche von Petra Rothmayer wird in der Traun gefunden. Der Körper der toten Frau ist von Verletzungen entstellt, die auf
ein Gewaltverbrechen hindeuten. Aber auch ein Suizid kann nicht ausgeschlossen werden.

 

* Name von der Redaktion geändert.

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