Ich bin, was ich gerade denke, 1

Zukunft oder Vergangenheit sind für die Jüngsten noch gar kein Thema. Erst später setzen sie sich damit auseinander.

Wie funktioniert das Denken von kleinen Kindern? Schauen sie voraus oder blicken sie zurück, so wie wir Erwachsenen es tun? Nein, denn Dreijährige können kaum für die Zukunft planen und rufen Vergangenes erst dann im Gedächtnis ab, wenn das nötig wird. Ein Experiment hat dies nun bestätigt. Die Forscher glauben darin eine Erklärung dafür entdeckt zu haben, dass Kinder bis zu einem bestimmten Alter kaum auf wiederholte Aufforderungen reagieren. Gehörtes geht demnach bei Kindern nicht bei einem Ohr hinein und beim anderen heraus, wie oft angenommen wird. Anstatt wie Erwachsene Informationen gleich umzusetzen, speichern Kinder diese für später.

Großer Denkaufwand bei den Kleinen

Aufschluss darüber brachte ein Experiment, bei dem drei- und achtjährige Kinder vor ein Computerspiel gesetzt wurden. Eine Animation machte sie mit zwei Zeichentrickfiguren und deren Vorlieben für bestimmte Objekte bekannt. Jedes Mal, wenn auf die Darstellung einer Figur eines der Objekte folgte,
war ein bestimmter Knopf zu betätigen. Die Forscher beobachteten durch Pupillenreaktion die Bedenkzeit und verglichen sie mit der Schnelligkeit der
Antworten sowie mit ihrer Richtigkeit. Für die Älteren war die Aufgabe ein Kinderspiel, da sie die Folgeobjekte bereits vor ihrem Aufscheinen vorausdachten. Den Dreijährigen gelang dies jedoch nicht, denn sie benötigten stets einen enormen Denkaufwand, als ob sie sich beim Anblick des Objekts nochmals an die zuvor gezeigte Figur zurückerinnern müssten.

Objekte werden belebt wahrgenommen

Kinder entwickeln erst im Laufe der ersten Lebensjahre den Umgang mit Zukunft und Vergangenheit. „Kinder leben viel mehr in der Gegenwart als Erwachsene“, betont Psychologe Gerald Kral. Erst die Berücksichtigung weiterer Faktoren werde jedoch der kindlichen Psyche gerecht. Denn auch das
logische oder sachorientierte Denken sei bei Dreijährigen noch kaum ausgeprägt. „Kinder in diesem Alter befinden sich in der Phase des magisch-animistischen Denkens, in der sie Objekte ihrer Umgebung als belebt wahrnehmen.“ Zudem durchleben Kinder mit drei Jahren die Trotzphase, bei der das Ausprobieren eine wichtige Rolle für die Bildung des eigenen Willens und der Individualität spiele. „In dieser Phase ist das Verständnis der Eltern besonders wichtig. Das braucht jedoch ein Wissen um die Gründe, warum sich Kinder den Aufforderungen widersetzen“, so der Psychologe.

Den Kindern die Hintergründe erklären

Eltern wird deshalb empfohlen, statt einer ständigen Wiederholung gleicher Aufforderungen reaktive Mechanismen zu fördern, indem man Konsequenzen der Nichtbefolgung veranschaulicht. „Wichtig ist es, den Kindern Hintergründe zu erklären“, betont Kral. „Auch Wiederholungen sind wichtig und vermitteln Sicherheit. Erzählt man Kleinkindern etwa am Freitagnachmittag, welche Besuche am Wochenende anstehen, wollen sie es am Samstag nochmals hören.“ Denn: Verkürzende, logische Denkweisen sind Merkmale von Erwachsenen.

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