Jeden Tag ein böses Erwachen, 1

Wenn man in einer eiskalten Flüssigkeit aufwacht, fängt der Tag eher nicht so gut an. Vor allem dann, wenn es sich bei der Flüssigkeit um Urin handelt. Etwa 10 % aller Kinder sind Bettnässer. Die richtige Behandlung sorgt nicht nur für trockene Betten, sondern erspart den Betroffenen meist auch jede Menge Probleme.

Das Läuten des Weckers ist für Martin, 12, ein grauenvolles Geräusch. Aufwachen, das heißt für Martin nämlich: In eiskaltem Urin liegen. Jeden Tag. Martin war nur einige Monate in seinem Leben „trocken“. Aber daran kann er sich nicht mehr erinnern. Es war die Zeit um seinen vierten Geburtstag. Als Martin fünf war, haben sich seine Eltern scheiden lassen. Und plötzlich war in der Früh das Bett nass. Jeden Tag. Bis Martin und seine Oma beschlossen haben, dass das nicht so weiter gehen kann.

Blase an Gehirn: Bitte aufs Klo gehen!

Jetzt ist Martin 13. Wenn der Wecker läutet, wacht Martin in einem trockenen Bett auf. Jeden Tag. So macht das Leben natürlich viel mehr Spaß, für Martin. Zuvor musste er sich aber von einem Urologen untersuchen lassen. Dessen Befund zeigte, dass Martins Problem nicht ausschließlich körperliche Ursachen hatte. Also suchten Martin und seine Oma auch noch psychologische Beratung – und fanden Dr. Christine Fauland. Die Psychotherapeutin und Pädagogin hat seit 1999 mehrere hundert Bettnässer erfolgreich behandelt. „Das  Hauptproblem ist meistens, dass die Nervenimpulse, die dem Kind sagen: ‚Wach auf und geh aufs Klo!‘ nicht ins Gehirn durchdringen.“ Ihre Therapie setzt nun dort an, die Kinder via „Klingelhose“ zu konditionieren, diesen Impuls wahrzunehmen.

Martin, ein sekundärer Enuretiker

Eine „Klingelhose“ ist ein spezielles medizintechnisches Gerät mit Feuchtigkeitssensoren und einer Klingel, die läutet, sobald die Sensoren Flüssigkeit wahrnehmen. Damit sollen die Kinder geweckt werden, sobald der erste Tropfen kommt – und durch die dabei entstehende Konditionierung später auch ohne Klingelton erwachen, wenn die Blase nach Entleerung verlangt. So wurde auch Martin geheilt. „Schuld“ an seinem Problem war nämlich auch die Tatsache, dass er einfach einen ziemlich festen Schlaf hat. Mit der Klingelhosen-Therapie hat er gelernt, die Botschaft der Blase dennoch wahrzunehmen.  Teil der erfolgreichen Therapie war aber auch eine psychotherapeutische Behandlung. „Martins Vater hat sich nach der Scheidung nicht mehr blicken lassen, die Mutter wurde wenig später mit schweren Depressionen stationär behandelt,“ erklärt Dr. Fauland. „Martin wächst seither bei seiner Oma auf – und hat kurz nach der Übersiedlung zu ihr mit dem Bettnässen begonnen. Deshalb war es notwendig, auch psychotherapeutisch mit ihm zu arbeiten.“

Bettnässen wird häufig vererbt

Etwa 10 – 15 % aller Kinder sind Bettnässer. Bei vielen von ihnen kommt es zu einer „spontanen Heilung.“ Das heißt: Sie werden – früher oder später – ohne Behandlung von alleine trocken. Dennoch raten Experten dringend zu einer urologischen Untersuchung, wenn Kinder über 5 Jahren regelmäßig einnässen. „Nur so kann man organische Ursachen ausschließen,“ erklärt Primarius Dr. Eckart Breinl, Leiter der urologischen Abteilung im Landesklinikum
St. Pölten. Er setzt bei der Behandlung vor allem auf die Verringerung der nächtlichen Harnproduktion (via Trinkverhalten bzw. Medikamenten) und betont, wie wichtig Erfolgserlebnisse für Bettnässer sind. „Eine große Hilfe für eine erfolgreiche Behandlung ist das Lob der Eltern. Und wenn die Kinder eine bestimmte Anzahl von Nächten gut überstanden haben, können sie ruhig auch Geschenke bekommen.“ Und nach erfolgreicher Behandlung geht es nicht nur dem „Bettnässer“ besser. Schließlich ist die ganze Familie mehr oder weniger unmittelbar betroffen. Stichwort Bettwäsche-Wechseln,  Familienurlaub, etc. Oft kennt ein Elternteil das Problem übrigens auch aus eigener Erfahrung: Die organischen und hormonellen Ursachen für das Bettnässen werden häufig vererbt.

 

Wann ist ein Kind ein Bettnässer?

Wenn ein Kind ab einem Alter von fünf Jahren nachts noch mindestens zweimal pro Monat ins Bett macht, spricht man von „Bettnässen“ (Enuresis). Grundsätzlich gibt es zwei Formen: Die primäre Enuresis (wenn ein Kind bzw. Jugendlicher nie länger als sechs Monate trocken war) und die sekundäre Enuresis. Bei primären Enuretikern sind die Ursachen für das Bettnässen meist hormonell bzw. organisch. Bei der sekundären Enuresis beginnen Kinder, die bereits dauerhaft trocken waren, plötzlich wieder einzunässen. Hier werden auch Veränderungen der sozialen Situation (Scheidung der Eltern, Todesfall in der Familie, Schulwechsel,...) als Auslöser für das Bettnässen angenommen. In so einem Fall kann – nach der Untersuchung durch einen Urologen – die psychologische Betreuung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein. Die Chancen auf Heilung sind in beiden Fällen sehr gut – vorausgesetzt, man zieht die teils aufwändigen Therapien voll durch. Wenn Ihr Kind betroffen ist, sollten Sie es möglichst rasch von einem Urologen untersuchen und in Folge entsprechend behandeln lassen.

„Das Allerwichtigste ist, dass die Eltern keinen Druck auf die betroffenen Kinder ausüben. Wenn die Kinder beim Zu Bett gehen Angst haben, dass wieder etwas passiert, und dass dann tadelnde Worte oder gar Strafen folgen, ist das eine zusätzliche Belastung, und oft auch kontraproduktiv.“ Prim. Dr. Eckart Breinl, Leiter der urologischen Abteilung im LKH St. Pölten

„Bettnässen stellt meistens für die gesamte Familie ein großes Problem und eine große Belastung dar. Bei den Kindern kann unbehandeltes Bettnässen zu vermindertem Selbstwertgefühl mit psychosozialen Folgeerscheinungen wie Phobien und Depressionen führen. Daher ist eine rasche Therapie wichtig.“
Dr. Christine Fauland, Spezialistin für „Einnässen“ am Zentrum für Verhaltenstherapie Wien

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